Russische Kampfhandlungen in Syrien werden die Situation in Ägypten zuspitzen

Ägypten, ein Land das schon jetzt in einer sehr schwierigen geopolitischen Lage ist, kann nächstes Opfer des Krieges in Syrien werden. Seit längerer Zeit schon bekämpfen ägyptische Militärtruppen islamische Terroristen auf der Sinai-Halbinsel. Auch im westlichen Teil Ägyptens stauen sich Probleme auf, die von dem libyschen Arm Islamischen Staates verursacht werden. Zum Unglück des Präsidenten Abd al-Fattah as-Sisi, verlagern sich islamische Schläger, infolge russischer Luftangriffe, nach Libyen gerade eben über Sinai.

In Ägypten hat es keinen Willen gegeben, sich in den Krieg in Syrien oder Irak einzumischen, weder direkt noch indirekt. Man hat sich bemüht die Beziehungen mit Saudi-Arabien zu schonen. Dennoch haben die Regierenden Ägyptens und der Präsident Basar-al-Assad ein gemeinsames Ziel, und nämlich – Bekämpfung islamischer Rebellion. In der Tat führt Ägypten auf der Sinai-Halbinsel einen Krieg gegen bewaffnete Gruppen, die dem Islamischen Staat gegnüber loyal sind. Das schlimmste wird erst kommen.

Der Präsident as-Sisi bei Bekämpfung der durch die Türkei unterstützten „Muslim Bruderschaft” konnte auf die Hilfe, besonders finanzieler Art, Saudi-Arabiens rechnen. Das Bündnis Ägyptens mit diesem Königreich ist durch niedrige Erdölpreise und wegen unterschiedlicher Einstellung zu islamischen Kämpfern schwächer geworden. Ägypten versucht auch seine Abhängigkeit von amerikanischer Bewaffnung einzuschränken, indem er die Lieferquellen diversifiziert. Dessen Bestätigung ist der Einkauf französischer „Mistral”, höchst wahrscheinlich auch russischer Hubschrauber und Komputeranlagen1. Das wäre ein nächster Schritt in Richtung Intensivierung der Beziehungen mit Russland.

Trotzdem seit dem Anfang russischer Intervention in Syrien wurde die Lage Ägyptens noch komplizierter. Der Aussenminister dieses Landes, Sameh Shoukry, entschloss sich Luftangriffe zu befürworten und nannte sie „Mittel zur Eindämmung des Terrorismus in Syrien”2. Diese Erklärung warf einen Schatten auf Beziehungen mit Saudi-Arabien, das den russischen Einsatz als Versuch der Verhinderung syrischer Revolution verurteilt3. Die Stellungnahme Ägyptens war immer so, dass ausschliesslich die Syrier selbst über die Zukunft von al-Assad als Präsidenten zu entscheiden haben4.

Das Tempo der Ereignisse kann zunehmen. Russischer Chef der Präsidentenadministration Sergiej Ivanow stellte fest, dass die „Mistral” und die Hubschrauber „zum Kampf gegen internationalen Terrorismus einen ausschlaggebenden Beitrag leisten können”5. Abgesehen davon, ob Ägypten willig war, sich in den Kampf gegen Islamischen Staat in Syrien offen einzusetzen oder nicht, naht der Krieg sowieso diesem Land heran, das sich bereits mit Problemen herumschlägt, und das wegen der Handlungen seines Verbündeten: Russlands.

Laut Nachrichten von „International Business Time” haben russische Luftangriffe die Terroristengruppen dazu bewegt, dass sich diese nach Nord-Afrika verlagern6. Die Terroristen aus Syrien, in ihrer „Route” Richtung Libyen, überqueren direkt die ägyptische Sinai-Halbinsel. Dies kann die Aktivität Islamischen Staates auf dem Gebiet Ägyptens, besonders im dessen westlichen Teil intensivieren. Es wäre möglich, dass die Vernichtung Islamischen Staates in Syrien und Irak dessen Strukturen auf der Sinai-Halbinsel und dem Gebiet Libyens stärken würde. Das könnte sowohl für Ägypten als auch für andere afrikanische Staaten oder sogar für Südeuropa gefährlich sein.

Quellen

1. Russia to outfit Egypt’s Mistral ‘tin can’ warships Source: RT 20-10-2015
Helicopter designer firm Russian Helicopters is prepared to supply $1 billion worth of equipment and aircraft for Egypt’s Mistral helicopter carriers. The two warships had initially been built by France for the Russian Navy.

2. Egypt says Russia’s intervention in Syria will counter terrorism Source: Reuters 03-10-2015
Russia’s intervention in Syria will curtail the spread of terrorism and help deal a fatal blow to Islamic State in the war-torn country, Egypt’s Foreign Minister Sameh Shoukry said on Saturday.

3. Russia’s Syria raids may strain Egypt-Saudi ties Source: Middle East Monitor 07-10-2015
Egypt’s support for the Russian military involvement in favour of Syrian President Bashar Al-Assad may strain its relations with oil-rich Saudi Arabia, analysts warned.

4. Why Egypt has a different take on Russian airstrikes in Syria Source: Al Arabiya 06-10-2015
Egypt stands unwavering in its support of Russia’s military intervention in Syria, a stance that reflects the strength of relations between the two countries, but also raises questions on Cairo’s policy towards the Syrian crisis.

5. Russia to supply equipment for Mistral helicopter carriers to be purchased by Egypt Source: 19-10-2015
Russia plans to supply equipment and helicopters for the Mistral type helicopter carriers which Egypt is buying from France. The transaction sum may exceed $1 billion, head the Russian presidential administration Sergey Ivanov told reporters on Monday.

6. Russian Airstrikes In Syria Push ISIS Fighters Out And Into Libya, As Islamic State Moves Toward North Africa Source: International Business Times 19-10-2015
Since Syria’s brutal civil war began four and a half years ago, 4 million Syrians have fled their country in the largest migration of people since the Second World War.


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