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Gold und der Dollar, regelrecht schwer sich darauf zu verlassen

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Author: Tomasz Gruszecki

Gold war schon immer der vertrauenswürdige Maßstab zu den Währungen, insbesondere seitdem es das Fiatgeld gibt, Geld das durch Vertrauen sichergestellt wird. Genau aus diesem Grund wird es während einer Krise zum Bezugspunkt des Geldwerts. Heutzutage kann die Geldwelt nicht als normal betrachtet werden.

Es scheint so, als seien die Hauptzentralbanken der Welt beim verminderten Zinssatz und der Wachstumsstimulation am Ende angelangt. Einige von ihnen haben eine eigenartige Welt, mit negativen Zinssätzen betreten.
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Wie es bei solchen Umständen üblich ist, ist der Preis für Gold dabei zu steigen, und seit Mitte 2015 ist dies sehr deutlich. Seit Anfang Juli hat es den Wert von $ 1.300 pro Unze überstiegen (was ein Wachstum von 25% ist und das allein im ersten Vierteljahr 2016). Solche berüchtigten Investoren, wie Soros und Druckenmiler (und, wenn man den Gerüchten glauben kann, auch Buffet) „gehen ins Gold“.

James Ricards behauptet, dass bald eine Unze Gold $10Tsd. wert sein wird. Eine mehr ausgeglichene Bewertung deutet auf $1.400 pro Unze bis Ende dieses Jahres. Die großen Hedgefonds haben ebenfalls den Verkauf von Gold verbessert. Der steigende Trend im Goldpreis ist ein Ausdruck steigender Unsicherheit, die die Finanzmärkte umschließt. Der Brexit ist nur eine weitere Schockwelle.

Durchschnittliche Konsumenten oder Unternehmen müssen wegen des Goldpreises nicht beunruhigt sein, solange ihre Finanzmittel flüssig und ihre Zinssätze immerfort tief sind. Die Zentralbanken und die Investoren, die auf dem Währungsmarkt aktiv sind, sind diejenigen, die Grund zur Unruhe haben.

Jeffrey Gundlah, Vorstandsvorsitzender beim DoubleLine Capital, der die Stiftung in Los Angeles leitet, die $100 Mrd. wert ist, sagt, dass Gold zurzeit angesichts der wachsenden Instabilität in der EU, der verlängerten Stagnation der Weltwirtschaft und des Zusammenbruchs des Bankensystems in Europa außergewöhnlich attraktiv ist.

Seitdem Präsident Richard Nixon 1971 den Umtausch von Dollar in Gold beendet hat, ist die Währung Amerikas zur wichtigsten Reserve- und Transaktionswährung der Welt geworden und das bleibt in dieser Kapazität zurzeit unbestritten. Die dominante Position des Dollars hat zweifellos viel damit zu tun, dass die amerikanischen Goldreserven, zumindest offiziell, verglichen mit eventuellen Konkurrenten, relativ die größten sind.

Was droht dem Dollar

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– als erstes, seine große Instabilität verglichen mit dem Währungskorb der Hauptwährungen (sein Preis schwankt im Bereich von $ 80 bis 130 pro Unze);

– als zweites, wurden der Dollar und das amerikanische Finanzsystem kürzlich von immer häufigeren und gefährlicheren Angriffen organisierter Hacker „zerschlitzt“.

Allein 2015 haben das OPM (engl. United States Office of Personnel Management – Amt für Personalverwaltung der Vereinigten Staaten) und das FBI vermittelt, dass mindestens neun Banken und Finanzinstitutionen, einschließlich der amerikanischen JPMorgan, angeblich angegriffen wurden und die Daten von 100 Mio. Konten „ausgelaufen“ seien.

Das ist nur eine der Bedrohungen, die das Banken- und Finanzsystem destabilisieren könnten. Sollten bei den Finanzmärkten weitere Störungen oder eine weitere Krise auftreten, kann die Dominanz der USA im Sinne von der Größe ihrer Goldreserven eine mächtige Waffe werden, mit welcher die Verlässlichkeit des Dollars sichergestellt werden kann.

– als drittes machen ebenso weitere Zentralbanken breiten Golderwerb, so dass sein Anteil bei der Reserve wächst;

– als viertes wird immer häufiger die Frage gestellt: Besitzen die USA wirklich so viel Gold, wie sie behaupten?

Gold for daredevils

Gold für Draufgänger

Gold macht 75% der offiziellen Währungsreserven aus, was der höchste Koeffizient im Vergleich mit anderen Ländern ist. Diese amerikanischen Goldvorräte sind seit 2004 so erhalten. Zurzeit sind die Länder, die versuchen die Dominanz des Dollars schwächer werden zu lassen, insbesondere China und Russland, dabei, die Goldreserven ihrer Zentralbanken hastig zu vergrößern. Nun liegt der Betrag der Goldreserven Russlands bei 1.500 Tonnen. Auch Indien und Saudi Arabien vergrößern ihre Reserven sehr schnell.

Einige Zentralbanken der Länder, die die Dominanz des Dollars auf dem Weltmarkt herausfordern, haben sofort damit begonnen, den Goldanteil ihrer Reserven zu vergrößern Dies bedeutet aber nicht, dass sie den USA den Fehdehandschuh hinwerfen, um den Dollar in seiner Kapazität als die Reservewährung zu ersetzen. Die Oberhand der Staaten ist, wenngleich abnehmend, immer noch zu überwältigend. Dies sind Versuche, ihre strategische Position zu stärken, vielmehr als ein direkter Angriff, beruhend auf der Annahme, dass die Herrschaft Amerikas stets und allmählich nachlässt.

Jedoch stellen die Angaben ein Problem dar. Der World Gold Council sammelt die offiziellen Erklärungen bestimmter Regierungen und Zentralbanken und übermittelt sie an den IWF (Internationaler Währungsfonds, engl. International Monetary Fund, IMF). Die Angaben können nicht überprüft werden, da niemand dazu berechtigt ist.

Die zugänglichen Angaben beinhalten Gold in Form von Barren, Münzen als auch das Gold, das offiziell in der Bilanzaufstellung einer bestimmten Zentralbank niedergelegt oder geleast wird oder auch durch Swap in andere Aktiva umgetauscht wird.

Die Zentralbanken sind sich schon lange bewusst, dass das Gold, das in ihrer Schatzkammer aufgestapelt ist, Gewinn bringen kann. Die Zentralbank leiht einer kommerziellen Bank oder einem anderen Finanzinstitut eine bestimmte Menge Gold, die wiederum ein Darlehen entnehmen, so dass dasselbe Gold für diese Transaktion eine Sicherung ist. Dieses Verfahren ist ziemlich weit verbreitet.

Auf diese Weise wird das Gold manchmal zweimal in der Bilanzaufstellung niedergelegt: in der Zentralbank und dem Institut, die sich Gold als Sicherung für ein Darlehen oder einen Kredit leiht.

Sollten eine kommerzielle Bank oder eine Finanzinstitution das Darlehen nicht zurückzahlen, ist die Sicherheit ausgeschlossen. Das ausgeliehene Gold befindet sich immer noch in der Bilanzaufstellung der Zentralbank und ihrer offiziellen Angaben. Daraus ergibt sich die Frage: Was bedeutet das, dass eine Zentralbank Gold besitzt?

Auch die Vertrauenswürdigkeit der offiziellen Angaben der USA bezüglich der Goldstapel wird in Frage gestellt. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich in den Wirtschaftsanalysen mit der Frage beschäftige: Haben die USA so viel Gold, wie sie behaupten? Man muss zugeben, dass der ganze Zweifel und die vielen Unstimmigkeiten, die in den Angaben vorkommen, verblüffend sind.

Angesichts des bereits andauernden Ungleichgewichts, Schwankungen auf dem Geldmarkt und der bevorstehenden gewaltsamen Krise, können die Vertrauenswürdigkeit des Dollars und der Glaube an seine Rolle im Weltwährungssystem nur auf der Tatsache basieren, dass der angegebene Betrag der Goldreserve der Wahrheit entspricht. Sollte sich jedoch herausstellen, dass der angegebene Betrag größer ist als der aktuelle, wird es die Vertrauenswürdigkeit des Dollars und seinen Umtauschkurs gefährden.

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Seit 2004 haben die USA behauptet, einen festen Betrag der Dollarreserve zu haben: 8.133,46 metrische Tonnen. Dieser Betrag wird von der Regierung angegeben. Das Problem (nicht nur der USA alleine) besteht darin, dass es keine Behörde gibt und auch keine andere Prozedur, die das überprüfen kann. Abrüstungsverträge sind mit Nachprüfungsverfahren ausgestattet, womit sie z.B. die Anzahl von Raketen überprüfen können. Hierbei gibt es im Falle des Goldes nichts außer Deklarationen. Der neueste Audit, das beim United States Bullion Depository im Fort Knox durchgeführt wurde, fand 1953 statt.

Es gab eine Anzahl von Anträgen um zusätzliche Audits, die 2013 u.a. von Ron Paul und Senator Orrin Hatch in Utah vorgebracht wurden.Der Letztere hat sich mit der Frage an das Finanzministerium gewendet, ob es nicht möglich wäre, einen Teil des Goldes zu verkaufen, um die bevorstehende Defizitgrenze von 2013 zu vermeiden, erhielt aber leider eine Ablehnung. Das Finanzministerium hatte befürchtet, dass das weltliche Finanzsystem sich an der Grenze der Destabilisierung befinden könnte.

Anders als allgemein bekannt ist, besitzt die amerikanische Notenbank kein Gold, sondern nur Goldzertifikate. Der Akt „The Gold Reserve“ von 1934 erfordert, dass das FED (engl. Federal Reserve System) an das Finanzministerium Gold transferiert, wobei als Gegenleistung die Verwaltung für das FED Goldzertifikate emittiert und dabei den Wert des transferierten Goldes bestätigt.

Goldzertifikate werden im Dollar denominiert, in dem Wert, der 1934 angenommen wurde. Seitdem ist der Wert nicht von den Schwankungen der Goldpreise auf dem Markt abhängig. Diese Zertifikate berechtigen das FED, nicht Anspruch darauf zu erheben, dass Dollar in Gold konvertiert werden und bleiben weiterhin unverkäuflich. In gewisser Weise sind sie „finanzielle Artefakte“, eine Grundlage für einen Eintrag ins Geschäftsbuch des FED.

Das Finanzministerium lagert Goldreserven an zwei Stellen. Eine von ihnen ist die FED Bank in New York (Federal Reserve Bank of New York), die als Wächter des Goldanteils handelt, der sich im Besitz der amerikanischen Regierung, anderen Regierungen und Zentralbanken oder internationalen Institutionen befindet. Keine privaten Einheiten können von der Schatzkammer Gebrauch machen, die sich in Liberty Street 33 in Manhattan befindet.

Der Rest des Goldes (Betrag unbekannt) wird im United States Bullion Depository at Fort Knox in Kentucky, USA gelagert, das sich in einem Militärgebiet befindet. Der letzte Audit wurde 1953 durchgeführt, als Eisenhower Präsident war, und bedeckte bloß 5% des Goldes.

Eine merkwürdige Geschichte über deutsches Gold in den Staaten

Mit seinen 3.390 Tonnen besitzt Deutschland (nach den USA) die zweitgrößte Goldreserve der Welt (April 2016). Davon sind 45% in der Federal Reserve Bank in New York gelagert, wo ca. 1.536 metrische Tonnen aufbewahrt werden. In Deutschland sind es nur 1.036 Tonnen.

2012 hat das Bundesgericht (Deutschland) die Deutsche Bundesbank beauftragt, die Goldreserven Deutschlands vor Ort zu auditieren, einschließlich des Goldes, das in den Staaten gelagert ist. Bis jetzt war die Bundesbank vollständig auf schriftliche Bestätigungen der USA angewiesen.

Dies war bei weitem nicht der erste Versuch eines Audits des deutschen Goldes, das in den USA gelagert ist. 1920 hat der damalige Präsident der Deutschen Bundesbank, Hjalmar Schacht, die FED Bank und ihren Präsidenten, Benjamin Strong, besucht, um das dortige Gold Deutschlands zu inspizieren.

Letztendlich fand die Inspektion nicht statt, so dass Hjalmar Schacht sich mit einer schriftlichen Bestätigung zufrieden geben musste. Es gab keinen weiteren Audit, doch die Bundesbank hat begonnen, mit der amerikanischen Regierung Verhandlungen durchzuführen, um 300 Tonnen Gold nach Deutschland zu repatriieren. Das Jahr 2020 wurde als der Endtermin der Repatriierung vereinbart.

Zur gleichen Zeit haben es einige andere Zentralbanken, wie die aus den Niederlanden und Venezuela, innerhalb weniger Monate geschafft, ihr Gold aus den Staaten zu repatriieren. Paul Craig Roberts, voriger Assistent des Sekretärs der Schatzkammer, hat 2014 deutlich gesagt: das FED hat seit langem kein Gold mehr.

„Sie haben kein Gold mehr. Genau deshalb können sie Deutschland nur 5 von 1.500 Tonnen Gold geben, die sie aufbewahren. Als Deutschland nach der Übergabe für das nächste Jahr gefragt hat, hat das FED abgelehnt. Doch es sagte, dass es 300 Tonnen zurückgeben könne … Also sagten sie, sie könnten 20% zurückgeben […] die nächsten sieben Jahre lang, doch sie sind nicht in der Lage, sogar das zu tun. Sie (FED) haben natürlich keins, denn wenn sie welches hätten, würden sie Menschen erlauben, den ganzen Wert zu auditieren.“

Die Rückgabe stellt auch ohne Endtermin ein Problem dar. Die Goldbarren, die in der FED Bank in New York aufbewahrt werden, wird man schmelzen müssen, um die Kennzeichen (Markierungen im Metall) zu entfernen, denn damit wird das Vertrauen gestärkt, dass die Barren zugänglich und umtauschbar sind. Dieser Umtausch der Goldbarren steht mit der offiziellen Politik, die vom FED verfolgt wird, im Widerspruch, so dass der Audit die Identifizierung des Goldbesitzers ermöglicht.

Es tritt da Problem bezüglich des Goldverleihs durch Zentralbanken auf. Banken leihen oder leasen Gold gegen Gebühr. Spezielle Markierungen, die ins Gold graviert sind, dürfen in der Öffentlichkeit nicht gezeigt werden. In seinen Jahresfinanzberichten wird vom FED New Yorks nie den Staat erwähnt, dessen Gold es aufbewahrt. Solche Berichte unterscheiden nicht zwischen dem Gold, das aktuell gelagert wird und dem Gold, das zum Umtausch bereitsteht. Das Finanzministerium hat lediglich angekündigt, dass es „im Besitz von Gold ist, einschließlich abgelagerten und umtauschbaren Goldes.“

Das Problem mit der Kontrolle des Goldes, das beim FED in New York aufbewahrt wird, ist nicht neu. 1968 hatte die Bank Englands Schwierigkeiten, 172 Goldbarren vom FED zu repatriieren, denn es hat sich herausgestellt, dass das FED (vorübergehend) keine Barren, sondern Münzen hatte. Es wäre ein ernstes Problem gewesen, wenn sich Zentralbanken entschieden hätten, zur gleichen Zeit ihr Gold zu repatriieren.

Wir kommen zum Ergebnis: sollten die Anleger, die mit Gold handeln (ihre Anzahl steigt) ihren Verdacht hegen, dass die amerikanische Regierung nicht vertrauenswürdig ist und das Gold nicht aufbewahrt, könnte der Goldwert (abgesehen von der aktuellen steigenden Tendenz) rasant in die Höhe schießen. Das wird beim Dollar, verglichen mit anderen Währungen, zum großen Wertverlust führen.

Seitdem im derzeitigen System kein Papiergeld den Dollar in seiner Kapazität als weltweite Leit- und Transaktionswährung ersetzen kann, bleibt es als einzige Alternative, dass Gold die Rolle des Geldes als Wertmaß übernimmt. Und seitdem die Schwankungen des Goldpreises auf dem Markt und des Dollar-Indexes andersrum funktionieren, können sowohl der Rückgang des Goldanteils in den Reserven Amerikas als auch die Zweifel am aktuellen Goldbestand einen schnellen Anstieg im Goldpreis und gleichzeitig einen Vertrauensverlust im Dollar verursachen.

Es ist merkwürdig, dass die Regierung Amerikas keinerlei Schritte unternimmt, wenn auch nur in Bezug auf die Propaganda, was diese Zweifel auflösen könnte. Oder aber Paul Craig Roberts könnte Recht haben: der Kaiser hat keine Kleider an.

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