Der europäische Blickwinkel. Auf dem Weg in die Welt von Morgen.




Prag rebellierte gegen Rom, dann gegen Moskau und jetzt gegen Brüssel

Prag, Anfang des XV. Jahrhunderts. Die mitteleuropäische Stadt, die stolz auf ihre Universität, die erste östlich von der Elbe, war. Die Stadt, die unter Karl IV. praktisch die Hauptstadt des Heiligen Römischen Reiches war, wurde vom Papst mit einem Interdikt belegt. Es hieß, dass in der Stadt keine Messen gelesen, keine Bestattungen ausgeführt und keine Sakramente erteilt werden durften. Die Menschen wurden von Furcht ergriffen: auf dem Spiel stand doch ihre Erlösung und die war außerhalb der Kirche unmöglich.

Warum wurde denn Prag aus der „zivilisierten” europäischen Gemeinschaft ausgeschlossen? Weil einer der Prediger, Jan Hus, eine andere Art des Christentums als die von Rom predigte. Er wurde also verdammt und zum Häretiker erklärt. Das Interdikt, mit dem Prag belegt wurde, war eine Art Druck auf die böhmischen Mächtigen und die ganze Gesellschaft mit dem Ziel, Hus den Mund zu schließen und die Verbreitung seiner Lehre zu verhindern. Die böhmische kirchliche und weltliche Führung gaben nach.

Kommen wir in unsere Zeiten zurück. Einige Jahrhunderte nach Hus begannen die tschechisch-slowakischen Kommunisten eine andere Art des Kommunismus als der von Moskau (vom „Dritten Rom”) zu verbreiten. Sie strebten einen politischen Pluralismus an und wollten Herr in ihrem Haus sein und nicht auf die Stimme aus dem Ausland zu hören. Dafür belegte sie Moskau mit einem Interdikt. Unter den sozialistischen Ländern wurden sie entrechtet, wurden zu Häretikern, die gezwungen werden sollten, ihre eigenen Überzeugungen zurückzurufen, um das sozialistische Paradies zu retten. Als der Druck sich als unwirksam erwies, wurde ihr Land überfallen, um die Reinheit ihrer Doktrin zu bewahren.

Einige Jahrzehnte später, in der Gegenwart, sind Menschen in Osteuropa (schon wieder Osteuropa!) einer anderen Meinung über die Aufnahme der Migranten als ihre westlichen Partner. Und wie es im Mittelalter war, belegt sie heute Brüssel (sprich: Paris und Berlin), das gegenwärtige Rom mit einem modernen Interdikt: sie werden als Häretiker, entschuldigen Sie die Verwechslung, als Xenophoben bezeichnet, die vorbildlich bestraft werden sollen. Der Druck wird also auf die Regierungen in Warschau, Prag und Budapest gesetzt – sie sollen sich mal nicht trauen zu widersetzen. Was noch dazu kommt – hier vermutest du es richtig, lieber Leser: in den Ländern entsteht eine „demokratische Opposition”, um den Druck auch von innen zu stärken. Die Häretiker, das heißt die Xenophoben, müssen sich dem Dogma unterwerfen und für das liberale, globalistische Paradies gerettet werden.

Die Unterschiede sind auf eine andere Bezeichnung für die gegebene Ideologie und dementsprechende Terminologie zurückzuführen. Die Ansichten, die von den von der Kirche akzeptierten abwichen, wurden Häresie genannt; die, die vom Mainstream des Sozialismus abwichen – Konterrevolution; die, die von der Religion des kosmopolitischen, globalen Liberalismus abweichen, werden als Xenophobie oder Rassismus bezeichnet. Verschiedene Wörter, dieselbe Bedeutung, dasselbe Ziel: Abweichler sanktionieren, demoniesieren, stigmatisieren. Die römische Kirche lehrte die alles übergreifende brüderliche Liebe, war doch nicht im Stande solchen verlorenen Sohn wie Jan Hus zu dulden; die internationale sozialistische Bewegung verfocht die Selbstbestimmung der Nationen, konnte doch nicht ertragen, dass ein Volk seinen eigenen Weg gehen wollte; die EU fördert Vielfalt und Freiheiten aller Arten, doch flippt aus, wenn es darum geht, allen ihren Mitgliedern ihre Vision der Welt aufzuzwingen. Anscheinend sind die Worte, die in diesem Kampf gebraucht werden, anders, aber ihr Ziel und die dahinter steckenden Erscheinungen sind gleich. Trotz der hochtrabenden Ideen, wird eine andere Meinung nicht akzeptiert. Natürlich nur mit der Absicht die Gegner vor sich selbst zu schützen.

Letzten Endes wurde Jan Hus auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Die Funken davon entfachten nach einigen Jahren einen Brand in ganz Böhmen, der sich in den Nachbarländern verbreitete. Die Böhmen, die damals für ihr Recht eintraten, ihren Lebensweg selbst zu wählen, erwiesen sich als unschlagbar: alle sechs Kreuzzüge gegen sie scheiterten kläglich.

Prager Frühling – so wurden die Ereignisse von 1968 genannt – wurde letztendlich erstickt, doch seine Funken entfachten ein paar Jahr später das Feuer in ganz Mitteleuropa und brachten den Niedergang des Dritten Roms: Moskaus.

Das gegenwärtige Rom, Brüssel, kann den Widerstand Mitteleuropas gegen den ethnischen Austausch letztendlich brechen, doch die Funken, die in den Ländern geschlagen wurden, werden sicherlich ein Feuer entfachen, das auf dem ganzen Kontinent wüten wird. Es ist nur eine Frage der Zeit.

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