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Die Türkei baut einen Parallelstaat in Deutschland auf

Die türkische Regierung festigt ihre Macht in Europa. Das europäische Establishment schaut woandershin, während die Türken ihre Position Schritt für Schritt stärken.

Das Establishment verspottet gerne Putin, statt sich mit Erdoğan und mit der AKP auseinanderzusetzen. Der türkische Staat verwendet die türkische Diaspora in Europa und ihr Ministerium für Religionsangelegenheiten, um politische Macht in Europa zu erobern. Es gibt keine Trennung zwischen Staat und Religion in der Türkei. Die religiöse Organisation Diyanet, der Vorposten des türkischen Ministeriums für Religionsangelegenheiten, hat ungefähr 2 000 Dienststellen in Europa. Das Gefira-Team ortete über 1 300 von ihnen und markierte sie auf Google Map, um die Zahl der direkt aus Ankara gesteuerten religiösen Zentren (meistens sind es Moscheen) zu veranschaulichen. Es gibt keine andere politische und religiöse Organisation in Europa, deren Netzwerk sich so schnell entwickelt, obwohl ihre Anführer nicht auf dem Alten Kontinent leben und ihre geistige Ideologie den indigenen Europäern fremd ist.

Diyanet in Europe.

Diyanet ist eine Einrichtung des türkischen Ministeriums für Religionsangelegenheiten, die 1924 gegründet wurde, um die religiösen Gemeinschaften in der Türkei zu kontrollieren. Kemalisten gründeten Diyanet als Ersatz für den Scheich al-Islam. Zu den Zeiten des Ottomanischen Reiches war der Scheich al-Islam der wichtigste geistige Führer.

Seitdem die AKP an Bedeutung gewann, wird die Rolle der Religion in der türkischen In- und Auslandspolitik wieder großgeschrieben. Tayyip Erdogan sieht die Türken als die Erben vom Osman Gazim, dem Gründer des Ottomanischen Reiches. Mit dem Aufstieg der Türkei als einer regionalen Macht erfüllt die religiöse Organisation Diyanet die Rolle des Scheiches al-Islam. Poltische Strategen im Westen sollen die Macht des Islams und des Nationalismus in einer Kombination mit wiederbelebten Ambitionen, die auf die Ottomanen-Zeit zurückgreifen, nicht unterschätzen.

Oberhaupt der türkischen religiösen Organisation, Prof. Dr. Ali Erbaş, twitterte am 6. April: „Der grundlegende Zweck unseres Bestehens ist es, über die Welt zu herrschen“.

In den achtziger Jahren war ihr Plan, die Türkei mit Europa zu integrieren. Als das europäische Establishment in den neunziger Jahren den Plan der Massemigration in Europa in die Wege leitete, versicherte es seine Mitbürger, dass Einwanderer aus Nordafrika und Zentralasien zu Briten, Franzosen oder Niederländern werden. Sie kämen nach Europa, um den europäischen Lebensstil, Normen und Werte zu genießen, so behaupteten mindestens europäische Medien, Intelligenz und Politiker. Die Türken hatten einen Sonderstatuts, weil sie der EU beitreten sollten. Geplant wurde nicht nur es, dass die Türken Europäer werden, sondern auch dass die asiatische Minderheit Europa beherrschen wird.

Es überraschst wohl niemand, dass Türken einen anderen Plan haben. Ankara ist nun Hauptstadt des Türkischen Reiches, das 1300 das Ottomanische Reich hieß. Die ununterbrochenen Feindseligkeiten zwischen den Türken und den Europäern sind noch auf die ersten Kreuzzüge zurückzuführen, als Seldschuken das alte christliche römische Ostreich, das Byzanz, angriffen. Die Ottomanen eroberten den Balkan und erreichten sogar Wien. Am Ende des ersten Weltkrieges 1918, vor hundert Jahren, wurde ihr Reich fast durch die Großmächte zerstört, und der Sultan musste zurücktreten. Mustafa Kemal Atatürk übernahm die Macht und stellte die Macht der Türkei wieder her, modernisierte das Land, beseitigte die arabischen Einflüsse, wodurch es die Bedeutung von heute erreichen konnte.

Westliche Analytiker glaubten, dass die Türkei auf ihre eigene Weise sich der westlichen Kultur und Demokratie annähern, und Menschenrechte sowie Laizitätsprinzip und Finanzmarktkapitalismus übernehmen wird. Nach tausend Jahren, nachdem sie in Anatolien ankamen und den ersten Kreuzzug provozierten, sollte die türkische Geschichte zu ihrem Ende kommen. Tausend Jahre des Hasses und der kulturellen Unterschiede zwischen Europäern sollen jetzt der Vergangenheit gehören. Es sei nur die Frage der Zeit, wenn die Seldschuken von Kasan und Kaskhai Transgender-Badezimmer, den neoliberalen, von Wall Street gesteuerten Kapitalismus, homosexuelle Beziehungen, die von Brüssel erzwungenen Regelungen und Gender-Ideologie akzeptieren werden. So glaubten mindestens die EU-Beamten in Brüssel.

Viele westliche Akademiker, deren Ausbildung auf falschen Grundsätzen stützt, reisten nach Istanbul, um die Stadt als die Brücke zwischen modernem Europa und der islamischen Welt zu schildern. Deutsche staatliche Fernsehsender berichteten über Bauer aus Anatolien, die nach Istanbul kamen und sich auf einmal in westlich-orientierte globale Weltbürger umwandelten. In der Tat waren diese Menschenmassen vom Lande die Drehscheibe für Erdoğans islamistisch-nationalistische Partei die AKP. Die AKP stellte die türkische Expansion der islamischen Ottomanen wieder her, die sich nie nur auf das Gebiet von Anatolien begrenzte.

Die Ottomanen-Türken verheimlichten es nie, dass sie eine expansive Politik anstreben, und mithilfe der türkischen Diaspora ihre Einflüsse in Europa erweitern wollen. Als die Seldschuken, die Vorgänger der Ottomanen, aus Zentralasien in das byzantinische Reich ankamen, schafften sie es nie, eine Mehrheit in der Bevölkerung zu werden. Sie nutzten bloß die Tatsache, dass die Gesellschaften und die Stämme da nicht einheitlich waren und keine Religion hatten, die sie verbinden würde, was an die heutige Situation in Europa ähnelt.

Diyanet ist heutzutage eine paneuropäische politische und religiöse Kraft in Europa, die sich nicht nur an die islamistisch und nationalistisch gesinnten Türken, sondern auch an andere Moslems in Europa wendet. Die Spannung zwischen der islamischen Gemeinschaft in Europa und den eingeborenen Europäern ist immanent. Während die arabischen Entscheidungsgeber die Türken verachten, sollte man nicht vergessen, dass die Türken in Mekka und Medina jahrhundertelang regierten. Viele Moslems in Europa haben die Türken lieber als ihre Gastgeber, die eingeborenen Europäer. Die Ottomanen in Ankara versuchen alle moslemischen Migranten in Europa unter der türkischen Fahne zu vereinigen und sie erfreuen sich dabei der riesigen Unterstützung der türkischen Nationalisten.

Wir wollen nicht vortäuschen, dass wir über die genauen Beweggründe und Strategien der türkischen Regierung Bescheid wissen, jedoch ihre Tätigkeiten, die wir mit gesundem Menschenverstand analysieren, zeigen uns klar, was sie anstrebt. Die Spannung zwischen der moslemischen Gemeinschaft in Europa und den gebürtigen Europäern ist andauernd. Die europäischen Regierungen können es keine militärische Konfrontation mit Moslems auf dem europäischen Kontinent leisten. Der mögliche Krieg gegen die orthodoxe christliche Gemeinschaft auf dem Balkan, sei es zwischen Serbien und Albanien oder Griechenland und der Türkei ausgetragen, wird auf die Gemeinschaften der Moslems in den Vororten von Berlin, Paris und Amsterdam übertragen. Die islamische Bevölkerung wird sich sicherlich ihren islamischen Brüdern, egal ob es Marokkaner, Türken oder Algerier sind, anschließen. Würden unter solch einem Konflikt Moslems irgendwie leiden müssen, würden die Proteste in den Städten Westeuropas nur heftiger. Diese Teilung unter den EU-Einwohnern wird die EU-Führung zwingen, sich nicht in Konflikte zwischen Griechenland, Zypern einzusetzen, umso mehr als die Türkei mitspielt.

Wir erwarten, dass auf den Gebieten, wo Moslems überwiegen, Diyanet zum einzigen Vermittler zwischen der islamischen Gemeinschaft und den westlichen Behörden sein wird. Diyanet entwickelt sich zu einer sozial-religiösen Organisation innerhalb der lokalen Gemeinschaften Europas. Ohne die Hilfe von Diyanet oder anderen ausländischen religiösen Organisationen werden die europäischen Behörden nicht in der Lage sein, Recht und Ordnung in den islamischen Vororten von Paris, Toulouse oder Groß- und Kleinstädten in Deutschland und den Niederlanden durchzusetzen.

Innerhalb der nächsten 10 bis 20 Jahre werden die europäischen Städte von einer Majorität der nicht-westlichen Bürgern besetzt, während die Bevölkerung der europäischen Landgebiete weiterhin weiß sein wird. Die Kombination des Mangels an nationaler Identität in der europäischen Politik und das Hervortreten des politischen Islams in Europa wird den Türken die Möglichkeit schaffen, Macht in den meisten strategischen Städten in Europa zu übernehmen. Für die meisten Bewohner von Westeuropa klingt die Idee, dass Hannover oder Rotterdam zu türkischen Staatsgebieten werden, so idiotisch wie 1840 für Chinesen die Idee, dass Hongkong eine Britische Enklave sein wird.

Die Bevölkerung von Rotterdam, Hannover oder Marseille kann eines Tages ein Referendum organisieren, das die Macht über diese Städte von Berlin, den Haag oder Paris an Ankara überreicht. Wie die Separatisten auf der Krim, die die Unterstützung von Moskau erhielten, werden solche separatistischen Bewegungen volle Unterstützung der Entscheidungsträger des modernen Ottomanischen Reiches bekommen. Während solch ein Szenario manchen unrealistisch scheinen mag, werden diejenigen, die Geschichte, Geopolitik und Demographie verstehen, feststellen müssen, dass das Szenario einen fantastischen Gewinn von der Investition in die Organisation Diyanet für ihre Gründer bedeuten würde.

 

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