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Lehren vom Iran

Amerikanische Unternehmen, die so viel in die Erdölförderung in den USA investierten, sind am hohen Preis des kostbaren Rohstoffes interessiert. Ein Preisanstieg ist nur dadurch zu erreichen, wenn die größten Produzenten das Angebot auf dem Weltmarkt kontrollieren. Iran ist, seitdem der proamerikanische Scheich gestürzt wurde, nicht freundlich gegenüber den USA gesinnt und will sich Amerika nicht unterordnen. Deswegen will Washington dieses Hindernis beseitigen und schaut nach Vorwänden für einen Krieg gegen Teheran.

Gerüchte über den kommenden Krieg gegen den Iran sind schon seit gewisser Zeit zu hören. Nach Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien scheint Teheran das nächste Ziel zu sein. Washington unternimmt entscheidende Schritte gegen den Iran. Zurzeit sind es Maßnahmen im wirtschaftlichen Bereich, doch es wird schon von einer Koalition gesprochen, zu der außer den USA auch Saudi-Arabien, Israel und Australien angehören sollten. Wofür wird Iran beschuldigt? Für Produktion der eigenen Atomwaffen und – ja, Sie haben es richtig erraten – für Terrorismus. Wofür denn sonst?

Quelle: Wikipedia.com

Teheran steht nun unter dem wirtschaftlichen und diplomatischen Druck, und Präsident Donald Trump begann mit dem Säbel zu rasseln. Auf Twitter. Der Staatssekretär hielt eine Rede, eigentlich war es ein Ultimatum, in dem er vom Iran den Verzicht auf das Nuklearprogramm sowie Unterstützung von Hisbollah und Hamas im Libanon, der Houthis im Jemen, Taliben in Afghanistan und Al-Qaida in der ganzen Welt forderte.

Wir haben keine Gelegenheit den Argumenten der anderen Seite zuzuhören. Wie immer. Wir können nur auf den Erklärungen des Anklägers basieren. So wie im Falle von Jugoslawien, Afghanistan, Irak, Libyen, Syrien, Nordkorea, usw.

Außer den Sanktionen und Versuchen der politischen Isolation Teherans, verwenden Amerikaner die Taktik, die sie früher gegen andere „Feinde“ verwendeten: sie zerstören die Einheitlichkeit der Nation und schwächen ihre Entschlossenheit – sie versuchen einen Keil zwischen die Regierung und die Bürger zu treiben. Die erstgenannte wird Regime genannt, das Chaos in der Region anrichtet, die selbstverständlichen Rechte und Aspirationen der Bürger unterdrückt und für jedes Übel verantwortlich ist, auch für Migrantenwelle, die es durch seine Einmischung in den syrischen Bürgerkrieg in Bewegung setzte. Den zweitgenannten – den Bürger versichern sie hingegen sorgenvoll, dass die USA sich für ihr Schicksal interessieren und machen ihnen Mut, damit sich die Bürger eifrig gegen ihre Regierung wenden.

Quelle: Wikipedia.com

Der andere Keil hat einen internationalen Charakter: der wird zwischen die religiösen Gegner getrieben, d.h. zwischen die saudischen Sunniten und die iranischen Schiiten. Washington schaffte es auf eine geschickte Weise, Saudi-Arabien zur Zusammenarbeit mit Israel gegen den Iran oder Israel zur Zusammenarbeit mit Saudi-Arabien zu überzeugen. Für Teheran wird es also nicht leicht sein, seine Souveränität zu verteidigen.

Es sind alles eher bekannte Tatsachen. Uns interessiert etwas Anderes. Welche Schlussfolgerungen sollte daraus Iran ziehen, und überhaupt jedes andere Land von der vergleichbaren Größe und vom vergleichbaren Potenzial?

Lehre Nummer eins. Das Land muss möglichst unabhängige Wirtschaft haben, damit der wirtschaftliche Druck ziellos oder mindestens wenig effizient ist. Da eine völlige wirtschaftliche Unabhängigkeit (Autarkie) nur schwer zu erreichen oder nicht besonderes erwünscht im Falle eines Konfliktes sein kann, sind mächtige Verbündete von besonderer Bedeutung.

Daher Lehre Nummer zwei. In der Diplomatie soll das Land sich für eine multipolare Welt einsetzen und sich nicht von nur einer Supermacht abhängig machen. Im Falle Irans sind diese Pole China, das trotz der amerikanischen Sanktionen weiter das iranische Erdöl kaufen will, und Russland, das Teheran moderne Luftabwehrsysteme anbietet.

Wie schlimm wäre die Lage Teherans ohne Beijing und Moskau?

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