Energie ist ein Gut, das auf den Börsen gehandelt wird. Und zwar tagtäglich und in jedem Moment. Sinkt der Strompreis, lohnt es sich dem Stromproduzenten den Strom nicht ins Netz zu leiten. Er hat aber meistens keine Wahl, denn Windräder drehen sich und Photovoltaik arbeitet automatisch. Stromspeicher sind kostspielig und haben zurzeit kaum Kapazität, um die Stromüberschüsse für Stunden/Tage mit großem Strombedarf aufzubewahren.
Je mehr Photovoltaikzellen in das Netz einspeisen, desto häufiger tritt solches Problem auf: Zu viel Energie wird gerade dann erzeugt, wenn alle am meisten produzieren. An sonnigen Tagen, besonders am Mittag, gibt es mehr Strom, als das System verbrauchen kann. Je mehr Sonne scheint, desto mehr Strom fließt gleichzeitig ins Netz – und desto häufiger fällt der Preis auf null oder niedriger. Im Extremfall muss der Energieproduzent extra bezahlen, damit jemand überhaupt den Strom von ihm wegnimmt. Die folgende Grafik zeigt, wie der Prozentsatz der Stunden mit negativen Strompreisen in Europa und einzelnen Regionen steigt – und in welchen Ländern im Jahr 2025 die größten Sprünge zu verzeichnen waren.

Ein negativer Strompreis ist kein Geschenk für den Empfänger. Es ist ein Signal, dass das System sich mit dem Übermaß „verschluckt“ hat. Photovoltaik-Betriebe verkaufen also Strom im Verhältnis zum durchschnittlichen Marktwert billiger, was sich im Endpreis für den Endverbraucher nicht widerspiegelt. Warum? Weil es zu wenige Betreiber von Energielagern gibt, die den Strom kostenlos oder gegen Aufpreis kaufen und nach Spitzenpreisen am Abend verkaufen. Zwar steigt die Zahl der Stromspeicher kontinuierlich, aber gleichzeitig wird das Stromnetz nicht ausgebaut, um mit dem raschen Wachstum von Sonne, Wind und Speicher Schritt halten. Infolgedessen werden an sonnigen Tage Photovoltaiken und Windparks häufiger abgeschaltet, weil die Stromabnahme nicht möglich ist. Laut Berichten wurden im Vereinigten Königreich im Jahr 2024 8,5 % der Onshore-Windproduktion abgeschaltet. In Deutschland liegt der Windabwurf (an Land und auf See) seit 2022 über 5 %, und der Solarabwurf ist 2024 auf 2 % gestiegen. In China stieg dies 2024 auf 4,1 % für Wind und 3,2 % für Solarenergie; Vorläufige Zahlen für 2025 deuten laut IEA auf über 5 % für beide hin.
Ein moderner 100-Megawatt-Speicher benötigt etwa 0,5 bis 1 Hektar Land. Wie viele Acker Land bräuchte man etwa bei den riesigen Offshore-Projekten für Terawatt-Windparks, die gerade an der Ostsee (etwa in Polen) gebaut werden? Wieviel Lithium und anderer Metalle, die in der dritten Welt auf möglichst nicht umweltfreundliche Weise abgebaut werden, braucht man für diese großen Batterie-Speicher (BESS). Ist das nachhaltig? Wirklich?
Ich glaube nein. Es ist aber politisch korrekt, weil es uns Illusion schafft, sich von fossilen (sprich: russischen, Putinischen) Rohstoffen unabhängiger zu machen.