Palantir ist nicht nur ein US-Technologieunternehmen, sondern ein Softwarehersteller, dessen Software neben kommerziellen Kunden hauptsächlich von Regierungsbehörden verwendet wird. Das Verfolgen des Feindes, Planen und Verwalten des Schlachtfeldes sind die wichtigsten Bereiche von Palantir. Das Unternehmen hat Zugang zu riesigen Datenbanken geheimer Daten, nicht nur in den USA, sondern in vielen verschiedenen Ländern gleichzeitig. Es wird oft als ein Unternehmen empfunden, das mit Beobachtung, Krieg und menschlichem Leid verdient.
Einst waren es Menschen wie Rockefeller oder die Giganten der Metallindustrie, die Besitzer der Bahnunternehmen, die die Politik beeinflussten und prägten. Heute sind es Menschen wie Musk, die durch Sozialmedia und ihre Entscheidungen das Weltgeschehen prägen und an der Seite der Politiker stehen. Diese Menschen wurden hochnäsig, sie beginnen sich Recht darauf anzumaßen, besser zu wissen, wie der Staat funktionieren sollte, ja sogar wie die neue schöne Welt in ihren Visionen aussehen sollte. Musk scheiterte so beispielweise an dem Versuch, Hand in Hand mit Trump, die Staatsausgaben (vor allem in der Verwaltung) zu senken, aber seine Selbstsicherheit in Sache, wie das Land weiter gehen soll, bleibt weiterhin riesig. Palantir geht einen Schritt weiter und veröffentlichte ein Manifest, in dem zu lesen ist, wie die Macher aus Silicon Valley ticken und wie sie die Welt sehen.
Es ist ein dystopisches Papier, das an Texte von Huxley oder Orwell erinnert. Hier einige Schlüsselpunkte daraus:
- Die Begrenzungen der weichen Macht (Softpower) wurden freigelegt: Den freien und demokratischen Gesellschaften genügen moralische Appelle nicht mehr – sie brauchen harte Macht (Hardpower), und diese wird in diesem Jahrhundert auf Software aufgebaut
- Die Ära der atomaren Abschreckung geht zu Ende, die Ära der KI-basierten Abschreckung beginnt.
- Die Einführung eines allgemeinen nationalen Wehrdienstes sollte in Betracht gezogen werden. Palantir rechtfertigt dies damit, dass die Risiken und Kosten des Krieges von der gesamten Gesellschaft getragen werden müssen.
- Einige Kulturen erzeugen Zivilisationsbrüche, andere bleiben dysfunktional und regressiv.
- Die Schwächung Deutschlands ging zu weit, wofür Europa jetzt einen hohen Preis zahlt. Japans theatralische Bindung an den Pazifismus würde, wenn sie anhält, das Machtgleichgewicht in Asien gefährden.
- Amerikanische Politikern zeigen Ohnmacht gegenüber Verbrechen, deswegen sollte Technologie dorthin gelangen, wo der Staat versagt hat.
Die Entscheidungsträger aus Silicon Valley wollen also einen autoritären Staat, der von der KI regiert wird, die ja auch fehlerhaft entscheiden kann. Sei es im Falle der Verbrecher oder des Angriffs auf ein anderes Land. Der belgische Philosoph Mark Coeckelbergh schreibt dazu treffend: „Die Gefahr besteht nicht nur darin, dass es offensichtlich von Repressionen und Anstiftung zu Kriegen geredet wird, sondern auch in einer feineren Transformation: der Normalisierung der Überwachung, der Übertragung von Urteilen auf undurchsichtige Systeme und der stillen Konzentration der Macht in den Händen der wenigen Akteure, die diese Infrastrukturen entwerfen und kontrollieren und gleichzeitig einen globalen Einfluss haben.“
Für mich sind solche Postulate wie die von Palantir nichts anderes als ein Aufruf, den Pool von “Vermögenswerten” unter der Kontrolle des Unternehmens zu erhöhen. Das Postulat des allgemeinen Dienstes zielt darauf ab, die gesamte Gesellschaft für den Krieg verantwortlich zu machen. Eine Gesellschaft, deren Kinder zur Armee gehen, wird mit viel größerer Wahrscheinlichkeit astronomische Budgets für Systeme wie Palantir akzeptieren – schließlich möchte niemand seine Lieben ohne die beste technische Unterstützung an die Front schicken, die ihr Risiko minimiert. Darüber hinaus hat der Aufruf zur Remilitarisierung von Ländern, das Anheizen von Feindseligkeiten gegenüber anderen Gesellschaften sowie KI–basierte Waffen ein Ziel: mehr Macht und Geld für das technologisch-politische Tandem und mehr Chaos, um Kontrolle über alles zu übernehmen. Es wäre eine echte ” wunderbare neue Welt” mit einem Narrativ von einer ständigen Bedrohung, wo Regierungen auf die digitale Infrastruktur angewiesen wären, die Palantir bereitstellen wird. Wie schön!
Quellen: