Der europäische Blickwinkel. Auf dem Weg in die Welt von Morgen.




Währungen

In der Antike wurde die Position Athens nicht nur auf Silberminen aufgebaut, sondern auch auf dem Besitz einer großen Flotte. Die starke, griechische Währung basierte auf Silber und garantierte einen breiten Umfang der grenzüberschreitenden Transaktionen und die Stabilität der Gemeinschaft.

Roms Soldaten waren so erfolgreich, weil sie in Gold bezahlt wurden. Der goldene Solidus wurde durch Konstantin im IV. Jh. vor Christi eingeführt und galt als Zahlungsmittel bis zum V. Jh. nach Christi.

Insofern der Solidus langsam zusammen mit dem Zerfall des Römischen Reiches fiel, war das Ende des goldenen Dinars abrupt. Die Hauptstadt des Abbasidischen Kalifats – Bagdad – das Zentrum der islamischen goldenen Ära, der Wissenschaft und der globalen Finanzen, wurde von der mongolischen Armee unter dem Kommando von Hulagu Khan belagert und vollständig zerstört. Bei der Eroberung der Stadt wurde der Kalif Al-Mustaim getötet, und die legendären zentralisierten Gold-Vorräte und Schätze der Abbasiden wurden geplündert. So endete eine Ära, in der der goldene Dinar als eine der wichtigsten globalen Reservewährungen der damaligen Handelswelt diente.

Während der Blütezeit der italienischen Stadtstaaten wurde der goldene Floren zur wichtigsten Währung des Renaissance-Europas. Währungen aus der Apennin-Halbinsel verbreiteten sich durch Handelsexpansion, aber ihre Dominanz wurde durch den Ansturm der spanischen und niederländischen Imperien unterbrochen. Mit der Eroberung der Neuen Welt übernahm Gold eine Schlüsselrolle, und die Position der Weltmarktführer wurde von dem niederländischen Gulden und dem britischen Pfund übernommen. Der Burenkrieg zwang Großbritannien, Kredite in New York aufzunehmen, was den Prozess der Übertragung politischer und wirtschaftlicher Macht von London nach Washington einleitete. Die USA haben diese Umstände hervorragend genutzt – die Federal Reserve wurde gegründet und eine massive Dollar-Emission wurde eingeleitet. Schließlich wurden die Vereinigten Staaten aus dem Chaos des Zweiten Weltkriegs zum globalen Hegemon, und der Dollar wurde zur dominierenden Währung. Dies geschah dadurch, dass die USA den Dollar als Währung zur Abrechnung der Transaktionen beim Rohstoffhandel etablierten und verschiedene Länder (durch IWF, Weltbank und Co.) zwangen, Kredite in Dollar aufzunehmen.

Heutzutage bauen die USA ihre Position als Hegemon sowie Athen auf dem Besitz der Flotte, Soldaten bekommen jedoch ihren Sold nicht im goldenen Solidus, sondern in Dollar, dessen Einkaufskraft wie die aller Fiat-Währungen stetig sinkt. Die Europäische Union hat den Euro geschaffen, der sich in Ländern wie Griechenland blamierte und Lebensniveau und Einkaufskraft der Bürger insbesondere in kleineren Ländern, die ihn aufnahmen (Slowakei, Lettland), senkte.

Dass die Ära des Dollars langsam wie die Ära des Solidus zu Ende geht, zeigen die Tatsachen, dass:

[1] Die wirtschaftliche Lage in den USA verschlechtert sich, das Lebensniveau, insbesondere der Unter- und Mittelschicht sinkt;

[2] Die USA Kriege verlieren (neulich in Afghanistan, jetzt im Iran und den Stellvertreterkrieg in der Ukraine);

[3] Kryptowährungen und Initiativen der BRICS die Position des Dollars unterwandern;

[4] Der Schuldenberg in den USA nie gesehene Werte erreicht hat.

Die Geschichte des US-Dollars kann der seiner Vorgänger, also ehemaligen globalen Führer wie dem römischen Solidus oder dem florentinischen Floren, ähnlich sein. Diese Währungen dominierten mindestens 100 Jahre, mussten aber letztendlich immer die Überlegenheit des Nachfolgers anerkennen, der schließlich am Horizont auftauchte. Der Status der internationalen Währung ist nicht für immer gegeben. Dieser Status ist ähnlich einer natürlichen Ressource. Diese kann gut verwaltet werden, dann stellt sie eine Quelle der Bereicherung für heutige und zukünftige Generationen. Falsch gesteuert, wird sie zum Fluch.

Kommt jetzt die Zeit für Yuan, Bitcoin oder eher für die Digitalwährungen der Zentralbanken? Oder aber brauchen wir Mongolen in Fort Knox? Sicherlich wird der Dollar den 800-Jahre langen Erfolg des Solidus nicht wiederholen. 

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