Für Smart Money ist jede Krise eine Gelegenheit. Die großen Investoren surfen auf den Wellen der Krisen, auf den Tiefen kaufen sie was Neues, auf den Höhen des ankommenden Tsunami stoßen sie Aktien ab, bevor die Krise wirklich zuschlägt. Sie wissen es genau, wann sie kommt. Vielleicht sind sie sogar die Auslöser der Krisen, die Smart Money’s. Die Mitgestalter der Geschichte?
Januar 1920 – die US-Regierung beschloss, ein Verbot der Herstellung, des Verkaufs und des Transports von Alkohol einzuführen. Als Reaktion auf die Maßnahmen der Regierung haben Brauereibesitzer, die bereits über die Infrastruktur zur Kühlung von Produkten verfügten, Eiscreme herzustellen (sehr „smart“), und die Besitzer von Bars haben massiv damit begonnen, sie zu verkaufen, um zu vermeiden, dass das Geschäft geschlossen werden muss. Die Leute durften sich nicht in einer Bierbar treffen, und sie brauchten immer noch ein gemeinsames soziales Ritual, das als Vorwand für ein Treffen dienen würde, so dass der Besuch in einer Bierstube durch den Besuch in einer Eisdiele ersetzt wurde.
Der Geldfluss, der zuvor an die Hersteller von Zutaten zur Herstellung von Alkohol wie Hopfen gerichtet wurde, wurde an die Milchproduzenten umgeleitet. Dies ermöglichte es den Landwirten, ihr Einkommen auf der Milchproduktion zu stützen, die zu dieser Zeit sehr profitabel war. Der Transport von Milchprodukten fand aber hauptsächlich auf lokaler Ebene statt, da der globale Transport von gekühlten Lebensmitteln immer noch eine technologische Herausforderung darstellte.
Die Hilfe kam seitens Anheuser-Busch Vehicle Department, das mit dem Verkauf von Kühlkörpern für Lastwagen mit dem ABC-System (Automatic Brine Circulation) begonnen hat, um den Transport von gekühlten Produkten zu sichern. Dieses System war innovativ, da es Milchprodukte ohne Strom in bisher unzugängliche Entfernungen transportieren konnte.
Die besten Zeiten für die größten US-Eiskonzernen der Vorkriegszeiten kamen mit dem Zweiten Weltkrieg. Eiskugeln waren das Werkzeug, mit dem das US-Kommando die hohe Moral seiner Truppen aufrechterhielt, und Gefrorenes galt als sicherer Ersatz für Alkohol, da die jüngste Generation von Soldaten umgeben von Eisdielen aufgewachsen war. Irgendwann mitten im Krieg beschloss ja sogar das US-Marine-Kommando, eine Million Dollar auszugeben (im Vergleich dazu kostete ein Sherman-Panzer etwa 45.000 Dollar), nur um den Frachtkahn zu einer schwimmenden Eisfabrik zu machen. Es war nur für die Herstellung von Eis am Pazifischen Kriegstheater vorgesehen und für die Lieferung an Flugzeugträger und Soldaten auf den Inseln. Er war so riesig, dass es alle 7 Minuten 38 Liter Eis produzieren konnte.
Das Ende der Milchproduzenten-Ära schien mit dem Ende des Krieges zu kommen. Das Überangebot an Milchprodukten führte zur Pleite von vielen Unternehmen, denen die US-Regierung durch Interventionen und Zuschüsse für die Branche vorbeugen wollte. Agricultural Act von 1949 kostete die Steuerzahler in Amerika noch viele Jahre nach dem Kriegsende Milliarden. Jede nachfolgende Regierung in den 50er Jahren, 60er. und 70. Jahren tat dasselbe: Sie kaufte Milchprodukte massiv auf und lagerte sie in riesigen unterirdischen Lagern ein. Erst Ronald Reagan, der bekannt für Ausgabenkürzungen war, machte dem Ding halt. Zuerst wollte er 254.000 Tonnen Käse im Ozean versenken lassen, letztendlich übergab er die Vorräte an die Ärmsten. Bis heute funktioniert im Bewusstsein der Amerikaner der Begriff „government cheese” als Sozialkäse, der besser sei als der im Laden gekaufte. Und auch heute kontrolliert die US-Regierung durch die Finanzierung von Dairy Managment Inc. das Verhalten der Verbraucher nicht nur in Amerika, etwa dadurch, dass die Non-Profit-Organisation die Restaurantsketten wie McDonald dazu bringt möglichst viele Milchprodukte zu ihren Speisen beizugeben (Milchkaffee, Cheeseburger).
Was an der Spitze unserer Wertehierarchie steht, bestimmt unser Verhalten.
Seit Volkswagen seinen Erfolg dank Goebbels vermarktete, glauben noch heute viele Deutsche, und, was total absurd ist, auch Polen oder Bulgaren, Volkswagen und BMW seien die besten Autos der Welt. Nun erwies sich, dass es Japaner sind, die auf der Top-Liste der ADAC jahrzehntelang stehen. Später kamen Koreaner und nun sind die chinesischen Autos wie BYD auf dem besten Weg den europäischen Markt zu erobern. Hey, ihr alten Mythomanen in Polen, in Deutschland, auf dem Balkan, in eurem Porsche, der als Unternehmen pleitegeht: schlitzäugige Autos sind am besten! Man muss sich irgendwann mit der Realität abfinden.
Und gucke: als bei den Autokonzernen erste ernste Schwierigkeiten begannen, brach der Krieg in der Ukraine aus. Sie waren nicht so flexibel wie die Bierproduzenten in den USA 1920. Sie konnten sich nicht so schnell auf die Produktion von Panzern umstellen. Es sei denn, sie hätten einen Diktator wie 1934, der es ihnen befohlen hätte. Aber die Machthaber im Westen waren auch „smart“: Ja, okay, die Branche geht vielleicht nach unten, aber wir haben Rheinmetall und andere Waffenproduzenten und da leiten wir unseren Geldfluss um. Die östliche Flanke der NATO wurde gestärkt, Milliarden fließen in Aufrüstung und sogar die Grünen in Deutschland sind für den Wehrdienst. So geht die europäische Wirtschaft irgendwie weiter fort und wenn BIP nur mühsam steigt, gibt es ja keinen Kollaps, der die Regierungsschicht bedrohen würde.
Ja, es gibt Probleme des Westens bei der Unterstützung der Ukraine im Kampf, aber gucke: Auch hier gibt es die Klugen wie die seinerzeit von Anheuser-Busch-Konzern mit ihren Kühlungssystemen für den Eistransport: Die Ukrainer bauen selbst die effektivsten Kampfdrohnen der Welt und zwar zu einem Spottpreis, ihr Dummköpfe von Rheinmetall!
Aber jeder Krieg endet irgendwann und wir werden mit dem alten Käse und hunderten tausenden unnötigen Soldaten dableiben und unsere Kinder und Enkelkinder werden die Schulden für das Kriegsschauspiel noch viele Jahrzehnte mit ihren Steuern und Hungerrenten zurückbezahlen müssen.