Die Notwendigkeit, eine strategische US-Ölreserve (SPR) aufzubauen, entstand in der ersten Hälfte der 1970er Jahre, als die Länder, die zum OPEC-Kartell gehören, ein Embargo für Öllieferungen nach Amerika ankündigten. Das Ergebnis war die Kraftstoffkrise – ein starker Anstieg der Kraftstoffpreise und kilometerlange Warteschlangen an Tankstellen.
Das Öl der SPR wird in mehr als 1.000 Metern Tiefe in unterirdischen Salzstöcken gelagert, die zu diesem Zweck mit Wasser ausgespült wurden. Die vier Lagerstätten liegen am Golf von Mexiko, verteilt auf Texas und Louisiana. Das maximale Fassungsvermögen liegt über 700 Mio. Barrel Rohöl. Dieses System garantiert Sicherheit, keine Lecks und extrem niedrige Betriebskosten. Rekordbestände gab es 2010: 727 Millionen Barrel. Heute liegt dieser Wert bei nur 289 Millionen (am niedrigsten seit 1982) und gefährdet das Betriebssystem. Die Salzstöcke sind keine gewöhnlichen Tanks. Wenn der Ölstand zu niedrig fällt, sinkt der Druck in der Höhle dramatisch ab, und das enorme Gewicht der Erde beginnt, die Wände der Höhlen zu drücken und zu komprimieren, was zu ihrer unwiderruflichen Zerstörung führt. Wie kam es dazu?
Im März genehmigte Donald Trump die Befreiung von 172 Millionen Barrels der Reserven, um die Auswirkungen der Blockade der Straße von Hormus zu minimieren und Preissteigerung an den Stationen zu verhindern. Monat für Monat schrumpften die Lagerbestände bis auf das heutige Minimum. Zur gleichen Zeit erklärte Donald Trump am 28. August den “größten Öldeal der Geschichte” und tatsächlich rühmte sich Washington, im Rahmen einer hundertjährigen Konzession eine Mehrheitsbeteiligung von mehr als 65 Milliarden Barrel venezolanischer Reserven erhalten zu haben. Venezuelas Ölindustrie ist doch seit Jahren von Sanktionen, Diebstählen und mangelnder Wartung zerstört. Damit echtes Öl in die US-Raffinerien und die SPR fließen kann, sind Infrastrukturrenovierungen und Investitionen in Milliardenhöhe erforderlich. Der früheste Horizont für Lieferungen aus Venezuela sind die Jahre 2027-2028. Washington hat sich langfristig eine Versicherung gegen Ölkrisen gekauft, aber im kommenden Winter ist die Straße von Hormus immer noch ein Schlüsselelement, und die unmittelbare Zukunft der SPR hängt von ihrer Blockierung ab.
Sind die USA in diesem Zusammenhang fähig, den Konflikt mit dem Iran zu verlängern? Sind sie fähig sich in weitere, mögliche Konflikte, etwa um Taiwan, zu verwickeln? Würde dann, bei einem neuen Konflikt, Erdöl nicht fehlen, wie in den 1970er, wenn das Militär es massiv bräuchte? Hat das US-Militär übrigens genug Raketen, wenn es 50% seiner Weltreserven an Patriot[1]– und THAAD[2]-Systemen im Iran verbraucht hat?
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[1] Patriot
Die MIM-104 Patriot ist ein US-amerikanisches Flugabwehrraketensystem von Raytheon. Es bekämpft Flugzeuge, Marschflugkörper und in späteren Versionen ballistische Raketen kurzer bis mittlerer Reichweite. Batterien stehen bei Verbündeten in Europa, im Nahen Osten und in Asien. Die Bestände an Abfangraketen sind begrenzt; ein langer Krieg leert die Magazine rasch.
[2] THAAD
Terminal High Altitude Area Defense ist ein US-System von Lockheed Martin gegen ballistische Raketen in der Endphase des Flugs, hoch in der Atmosphäre oder knapp darüber. Es ergänzt Patriot, das in geringerer Höhe wirkt. Weltweit gibt es nur wenige vollständige Batterien; ihr Einsatz in einem Kriegsschauplatz vermindert, was anderswo – etwa in Ostasien – noch verfügbar ist.