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Donald Trump: ein amerikanischer Präsident von Wall Street

Im Sommer tippten wir, dass Donald Trump der nächste Präsident der USA werden kann. Die meisten politischen Analytiker zogen einen solchen Verlauf nicht ernst in Betracht. Trump wurde zu Unrecht als ein Mann von nirgendwo gesehen, von amerikanischen Eliten verachtet. Diese meinten, er habe keine Chancen, Präsident zu werden. Sogar vier Monate später, als CNN mitteilte, dass „Trump einer Umfrage von CNN/ORC zufolge auf Rang 1 der Beliebtheitsskala ist”1, waren viele politische Analytiker diesen Ergebnissen gegenüber skeptisch.

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Image by Gage Skidmore

Die Demokratie ist ein einfacher Mechanismus. Um Präsident zu werden, muss ein Kandidat Zugang zu Mainstream-Medien haben. In vielen Ländern sind diese Medien teilweise staatlich; in den Vereinigten Staaten hingegen befinden sie sich im Besitz solcher New Yorker Firmen wie die Twenty-First Century Fox (Fox News), Inc, Time Warner Inc (CNN) und National Amusements, Inc. (CBS), welche durch Bankiers und durch Investmentfonds von Wall Street finanziert werden. In heutiger Gesellschaft erhalten Menschen keine Informationen zufällig. Präsenz oder mangelnde Präsenz einer Person in Medien ist sorgfältig geplant.

Einst wurden Medien von ihren Eigentümern erfolgreich gemanagt. Zurzeit haben Journalisten mehr Freiheit, weil keine Notwendigkeit besteht, unmittelbare Zensur zu verwenden. Unabhängiger und kritischer Journalismus hilft ein glaubwürdiges Erscheinungsbild jeweiligen Rundfunks gestalten. Man weiß ja, dass sich Al-Jazeera-Redakteure einer enormen Freiheit erfreuen und jedes Thema und beliebiges Standpunkt präsentieren können. Das macht den Eindruck, dass der Rundfunk objektiv ist, was auch klärt, warum er erstklassige Kommentatoren anzieht. Die von Katar aus tätige Station behält sich nur ein Thema vor, das nicht kritisch angesprochen werden soll: Saudi-Arabien. Das erzeugt die Täuschung, dass in dem Königreich alles in bester Ordnung sei.

Eigentümer heutiger Medienketten üben politischen Einfluss durch Geld aus. Ein großer Vorteil ist es, über Finanzmittel für die Deckung von Medienereignissen, sogar mit Teilnahme kritischer Journalisten, zu verfügen. Fünf Artikel und drei Fotos auf der ersten Seite von „Politico” jeden Tag werden den Anstieg der Popularität eines Politikers ungeachtet der Qualität seiner Aussagen zur Folge haben. Starke politische Kandidaten wie Ron Paul oder Donald Trump sind gut vorbereitet, mit schwierigen Fragen und mit Kritik seitens Presse zurecht zu kommen. Nicht die sachliche Seite der Aussage zählt, sondern die Menge der Zeit, die die Medien einem Kandidaten widmen. Zeit und Geldbeträge, welche vom Kandidaten durch Medienkörperschaften aufgewendet werden, sind fürs Ergebnis der Präsidentenwahl ausschlaggebend. Die Parole „Trump for President” wird durch zahlreiche Medienereignisse verbreitet. Mehrere Minuten in der Hauptsendezeit bei Mainstream-Medien sind so viel wert wie Millionen Dollar, für Werbung ausgegeben. Ron Paul war während der Wahlkampagne 2012 wirklich ein Mensch von nirgendwo, jemand, wen weder Obama noch Clinton zu Empfängen einluden, anders als der eingeladene Trump. Zwar machte Ron Paul in republikanischen Kreisen und sogar bei einfachen Mitgliedern der Partei auf sich aufmerksam, es glich jedoch nie einem solchen Interesse für seine Person, der sich Donald Trump erfreut. Wall Street finanziert die Kandidaten, aber ein Potential in der Person von Ron Paul als in einem weiteren Präsidenten der USA bemerkte sie anscheinend nicht.

Die hinter den Kulissen tätigen Kräfte sind keine Marionetten im Kongress oder im Weißen Haus, die wir täglich in der politischen Vorstellung sehen. Kein politischer Analytiker wird glauben, dass die Herren Obama oder Bush wirklich regieren. Dass es Trump an besonders korrekten Beziehungen zu Republikanern nicht liegt, zeigt, dass die amerikanische Geschäftswelt, die Geldflüsse leitenden Menschen, mit bisheriger Politik enttäuscht sind.

Die Abneigung, welche Donald Trump der Republikanischen Partei und den Journalisten mit anerkannter Position wie Megyn Kelly gegenüber zeigt, deutet an, dass er die Unterstützung einer weit mächtigerer Gruppe hinter sich hat. Wer auch immer das sein mag, möchten Leute, welche diese politische Vorstellung bezahlen, gründliche Änderungen in Washington sehen. Im Juli laufenden Jahres schrieb Rupert Murdoch (Fox and Newscorp) bei Twitter: „Die Beliebtheit von Trump fußt auf dem Frust, den Washington und seine unendlichen Regelungen zum Leben der Bürger verursacht. Das könnte eine Sache für Ron Paul sein.” Rupert Murdoch macht keinen Hehl daraus, dass er den Millionär von Wall Street als Präsidentschaftskandidaten unterstützt. Dass Murdoch gewisse kritische Worte an ihn richtet, ändert nichts an der Tatsache, dass Trump doch sein Kandidat bleibt!

Die Änderungen sind, vorausgesetzt, das jetzige Establishment wird beseitigt, womöglich durchzuführen und das würde Trump bei der Durchsetzung einer Neuorientierung in der Republikanischen Partei freie Hand geben. Nicht allzu korrekte Beziehungen Trumps zu den Führungspersonen der Republikaner sind ein deutliches Zeichen dafür, dass die Drahtzieher weit gehende Veränderungen wollen. Die Geschichte kennt Fälle, in denen eine Partei ihre Reihen reinigte. Eines der dramatischsten Beispiele ist die Nacht der langen Messer, in welcher Hitler ein Teil der SA-Führer, seiner Genossen von gestern, liquidierte. Trump wird natürlich seine Gegner nicht wörtlich in diesem Sinne beseitigen, es können jedoch viele Karrieren in Washington, wenn eben er Präsident wird, gebrochen werden.

  1. CNN/ORC Poll: Trump alone at the top again Source CNN Donald Trump is once again alone at the top of the Republican field, according to the latest CNN/ORC Poll, with 36% of registered Republicans and Republican-leaning independents behind him, while his nearest competitor trails by 20 points.
  2. Trump’s friend Carl Icahn will spend $150 million to fight Congress Source CNN
    “I am starting a Super PAC with my initial commitment of $150 million to help end the crippling dysfunction in Congress,” the influential 79-year-old hedge fund manager tweeted Wednesday morning.
  3. Giuliani defends Trump’s 9/11 claims: ‘We had some pockets of celebrating’ Source Wahington Times Mayor Rudolph W. Giuliani recalls seeing “pockets” of people celebrating after the 9/11 terrorist attack on the World Trade Center, though admitted Donald Trump may be exaggerating his claims of seeing thousands.

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