Der Weg zu modernen Kriegen

Präsident Trumps Politik ist eine Mischung aus militärischen Drohungen und Wirtschaftskrieg und sein Ziel ist die Rückeroberung einer hegemonialen Stellung für die USA; denn nur so glaubt er insbesondere China, einen erstarkenden Widersacher, im Zaum halten zu können. Peking war und ist sehr erfolgreich darin, sich technisches Know-how anzueignen und seinen Einfluss weit über die eigenen Grenzen hinaus auszuweiten; was Zentralasien und den pazifischen Raum angeht, hat es insoweit im Vergleich zu den Amerikanern den Vorteil der geografischen Nähe. Als 2013 Trump für das Präsidentenamt kandidierte, schrieben wir:

​“Trumps Kriegsrhetorik kommt bei seinen Unterstützern gut an und geht einen Schritt weiter als Obamas Beschwörung der amerikanischen Außergewöhnlichkeit. In New Hampshire war Trump nicht weit von einer Kriegserklärung an China entfernt. Denn er sagte folgendes: ‚Schaut euch an, was China gemacht hat, sie haben unser Geld genommen, unsere Arbeitsplätze, unsere Industrie, und wir schulden ihnen 1,5 Billionen Dollar, das ist wie ein Zaubertrick, sie haben alles genommen und wir schulden ihnen Geld.‘ Trump hat seinen Zuhörern nicht gesagt, dass die Rückverlagerung von Arbeitsplätzen in die USA teuer werden wird. Chinas Pro-Kopf-BIP liegt bei ungefähr 7.500 Dollar, das der USA bei ungefähr 55.000 Dollar. Trumps Chinarhetorik ist unmissverständlich: China hat gestohlen, was den USA gehört, und es gibt keinen Grund, die US-Schulden an China zu bezahlen. Die Welt sollte sich darauf einstellen, dass Herr Trump der 45. Präsident der USA wird.

Gefira Financial Bulletin #34 ist jetzt verfügbar

  • Die aktuellen Ereignisse – und was in den Karten liegt
  • Gibt es einen Antisemitismus der eingeborenen Europäer?
  • Groß-Israel

Präsident Trump möchte der gesamten Welt seinen Willen aufzwingen, aber wenn man bedenkt, dass die USA heute in Konflikt mit Kuba, Venezuela, Iran, Syrien, Russland, China und Nord-Korea sind, ist mit einem großen Krieg in nächster Zeit nicht zu rechnen, umso mehr, wenn man sich vor Augen hält, wie festgefahren die militärische Lage in Afghanistan, dem Irak, Pakistan, Jemen und Libyen ist. Washington verfügt aber über eine Reihe von weiteren Optionen und die beinhalten:

  1. Das Entfesseln von Stellvertreterkriegen wie z.B. die Finanzierung afghanischer Widerstandskämpfer gegen die Russen in den 1980-ern.
  2. Die Verhängung von Wirtschaftssanktionen und das Einfrieren ausländischer ‘feindlicher’ Gelder. Das funktioniert sehr gut gegen kleine Länder. Es scheint gegen den Iran weniger und gegen Russland gar nicht zu funktionieren. China und Russland verstärken ihre Anstrengungen zum Aufbau eines alternativen Zahlungssystems und die Europäer – hier sei an Deutschlands Beteiligung am Nord-Stream-II-Projekt erinnert, gegen das die USA massiv zu intervenieren versuchten – verweigern insoweit den USA ihre Gefolgschaft.
  3. Die Entfesselung von Farben-Revolutionen, wie die orange-farbige Revolution in der Ukraine im Jahr 2004 oder die grüne Revolution im Iran 2009. Diese Strategie hat nicht immer die erwarteten Früchte getragen; die Versuche, die venezolanische Regierung zu stürzen, sind bisher gescheitert.

Nebenbei halten wir fest, dass diese Revolutionsstrategie auch von den Feinden des Westens angewandt werden kann. Solche Revolutionen können nur in politisch und wirtschaftlich instabilen Gesellschaften ausbrechen und diese Vorbedingung besteht–vermehrt – auch in den USA und Europa, wo sich die ethnischen und religiösen Gräben vertiefen. Der Iran, Russland und China können Minderheiten in Europa mit Waffen ausrüsten und auf diese Weise diese Länder von innen destabilisieren, wie es die Amerikaner in Syrien vorgemacht haben. Die türkische Regierung verfügt über ein weites Netz von Diyanet-Moscheen, über das sie Waffen in den Vorstädten von Paris, Lyon und Marseille ausgeben kann.

Washington kann sich nicht entscheiden, welche Außenpolitik es verfolgen will. Die Demokraten wollten die US-Einmischung im Mittleren Osten und insbesondere in Syrien fortsetzen, wo unter Obamas Präsidentschaft Gotteskrieger ohne Berücksichtigung ihrer politischen Haltung bewaffnet wurden, solange sie für den Sturz von Präsident Assad zu kämpfen bereit waren.4 Die jüdische Lobby in Washington macht Stimmung für einen Waffengang gegen den Iran, der jedoch sehr teuer werden dürfte. Die von Teheran geschmiedete Koalition aus dem Libanon, Syrien und dem Irak wird als unmittelbare Bedrohung Israels angesehen, was bedeutet, dass Tel Aviv früher oder später dafür sorgen wird, dass die USA den Iran bombardieren. Der israelische Luftschlag gegen die irakischen Atomforschungseinrichtungen von 1981 ist hier gewissermaßen der Präzedenzfall. 

Source: AIPAC pro-Israel Lobby

Obwohl die große Mehrzahl von Trumps Wählern keinen Krieg gegen den Iran will, besteht eine große Wahrscheinlichkeit, dass die Spannungen eskalieren werden. Die Türkei hat bereits klar gemacht, dass sie nicht bereit ist, einen höheren Ölpreis zu akzeptieren und dass sie versuchen könnten, die Sanktionen zu umgehen. Es gibt Gerüchte, die besagen, dass die Chinesen nicht mehr iranisches Öl kaufen.6 Es ist davon auszugehen, dass die Chinesen sie in die Welt setzten, um die US-Regierung hinter die Fichte zu führen. Die Weltwirtschaft kann sich höhere Energiepreise nicht leisten. Sollte der Benzinpreis an den Tankstellen wegen eines weiteren unnötigen Kriegs nach oben gehen, wird das Trumps Chancen auf Wiederwahl am 3. November 2020 sicherlich nicht verbessern.- Alas! Read more in Gefira 34

Die Japanische Krankheit wütet bald weltweit

Vielleicht haben Sie schon von der sogenannten Japanischen Krankheit gehört, eine Krankheit, der die gesamte industrialisierte Welt zum Opfer fällt, eine Krankheit, die zuerst in Japan ausbrach und so ihren Namen bekam. Nein, haben Sie nicht? Eigentlich nicht verwunderlich. Es ist kein biologisches Leiden wie HIV oder eine neue Form der Metastase. Aber wenn man genauer darüber nachdenkt, ist es schon biologisch. Es ist insofern biologisch, dass die Menschen in all den reichsten und entwickeltesten Ländern – ob nun in Asien, in Europa, in Nord-Amerika oder Australien – schon vor langer Zeit aufgehört haben, sich zu vermehren. Crescite et multiplicamini ist nicht mehr eine Option für die Bürger einer Gesellschaft, denen es materiell an nichts fehlt. Hedonismus hingegen ist eine. Ob die Ursache mental ist oder wirtschaftlich, kontrolliert von den Machthabenden oder spontan, ist hier nicht entscheidend. Die Wirkungen sind spürbar und darauf kommt es an.

Volkswirtschaften, die auf Schuldenmachen gründen, sind auf Wachstum angewiesen, da nur so die Schulden zurückbezahlt werden können; Wachstum entsteht durch vermehrten Konsum; Konsum bedeutet Nachfrage, und Nachfrage wird von Menschen, insbesondere jungen Menschen, generiert. Die Zahl der Jungen schrumpft jedoch. Mit jedem Jahr, mit jedem Jahrzehnt. Es ist zwar richtig, dass die Lebenserwartung in den Industrieländern weitaus höher ist als sonst wo in der Welt, aber es sind nicht die Alten, die die Nachfrage befeuern. Alte Menschen haben bereits, was sie brauchen. Und die eine besondere Nachfrage, die sie kreieren, nämlich nach medizinischen Diensten, wird von der gesamten Gesellschaft bezahlt.

Gefira Financial Bulletin #33 ist jetzt verfügbar

  • Die Japanische Krankheit wütet bald weltweit
  • China Die Oktoberrevolution: Ein Déjà-Vu?
  • Enteignung – eine seit langem verfolgte Politik

Wenige junge Menschen bedeutet wenig Nachfrage, das wiederum bedeutet geringe Stimulanz für die Wirtschaft, daher kein Wachstum, was alles wiederum zu steigenden Schulden führt. Was kann unternommen werden? Es gibt ein paar Lösungsmöglichkeiten. Ganz vorne in der Liste der möglichen Lösungen: Junge Menschen aus den anderen Weltteilen importieren. Zweite Möglichkeit: Die Mittelklasse finanziell zur Ader lassen und sie die Kosten, die die gesamte Gesellschaft tragen müsste, bezahlen lassen. Diese Strategie muss natürlich mit einer entsprechenden Ideologie unterfüttert werden, damit die Menschen das Spiel nicht durchschauen. Ausländer überfluten Westeuropa und die USA? Eine Bereicherung, und auch eine menschliche Verpflichtung, denen in Not zur Hilfe zu eilen. Negative Zinsen und höhere Steuern? Soziale Solidarität. Gegen solche hochfliegenden Ideale kann doch sicherlich niemand etwas haben.>

In dieser Ausgabe von Gefira wollen wir die Aufmerksamkeit unserer Leser auf die bereits erwähnte Japanische Krankheit und was daraus folgt lenken. Wirkungen folgen auf Ursachen. Dass die weißen Europäer beschlossen, keine Kinder mehr zu haben, ist ja ok, aber dann müssen sie sich auch von ihrer Wohlstandsgesellschaft verabschieden oder … irgendwie die nicht geborenen Sprösslinge ausgleichen: sie müssen die „bemitleidenswerten Abgedrängten“, wie es in der Inschrift der amerikanischen Freiheitsstatue lautet, aufnehmen. Und etwas von ihren angehäuften Reichtümern aufgeben. Der Westen hat viel auf die Seite legen können, weil er keine Kinder mehr haben wollte, und muss heute darauf zurückgreifen, um für die alternde Gesellschaft zu sorgen und sie am Leben zu erhalten. Wenn die Menschen die Aufforderung crescite et multiplicamini befolgt hätten, wären sie heute nicht in dieser schwierigen Lage. Aber so ist es nun einmal.  Read more in Gefira 33 

Die Auflösung der europäischen Gesellschaften

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron folgt den Spuren seines Vorgängers – seine Popularität sinkt in den Meinungsumfragen ins Bodenlose. Der Politiker, der aus dem Nichts kam und dessen einzige Aufgabe darin bestand, Marine Le Pens Sieg zu verhindern, setzt unbeirrt eine Politik im Interesse derer um, die ihn an die Macht gebrachthaben und an deren Vorgaben er sich halten muss. Die von ihm getroffenen Maßnahmen, ob aus freien Stücken oder auf Anweisung, stießen auf den Widerstand vieler Wähler. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis wir wissen, ob die Bewegung der Gelbwesten das spontane Engagement vieler Einzelner ist, eine Nebenarena des Machtkampfes innerhalb der zerstrittenen Eliten Frankreichs, oder eine Folge der Einmischung fremder
Mächte, ob Russland oder die USA.

Die Probleme des Alten Kontinents wurden nur vertagt, die Bombe tickt im Verborgenen weiter und wird, wenn entsprechende Umstände eintreten, hochgehen. Das Programm der quantitativen Lockerung, das vor einigen Jahren aufgelegt wurde, hat Europa um eines der wichtigsten Instrumente, die einer Volkswirtschaft zur Verfügung stehen, gebracht, nämlich Geld, das, wenn es unbegrenzt gedruckt wird, seinen eigentlichen Zweck einbüßt. In die Reihe substantieller Probleme der EU findet sich dann noch der demographische Niedergang sowie die Tatsache, dass die EU-Mitgliedstaaten über die Frage der Einwanderung aus Ländern der Dritten Welt heillos zerstritten sind, womit sich ein Bild des Zustands der EU zeigt, das niederschmetternder kaum sein könnte.

Gefira Financial Bulletin #31 ist jetzt verfügbar

  • Die Auslöschung weißer Europäer.
  • Ein Mord und eine Lüge zu viel.
  • Neues Vertrauen in Gold?.

Wir wissen nicht, wo und wann die einzelnen tektonischen Platten aus Politik, Wirtschaft und Demographie mit zerstörerischer Gewalt aneinander stoßen werden, aber was wir wissen, ist, dass es zu Verwerfungen kommen wird, die Regierungen stürzen werden, und dass das gegenwärtige Machtgleichgewicht zerbrechen wird. Weder Russland, noch China, noch die USA werden den Dingen einfach ihren Lauf lassen. Sie werden jede Möglichkeit, die ein geschwächtes Europa ihnen bietet, am Schopf greifen, um (das gilt für Washington und Moskau) ihren Einfluss auszuweiten und zu vertiefen, bzw. (für Peking) ihre Brückenköpfe zu verstärken. Continue reading

Überzeugungen schaffen moderne Religionen und vernichten echte Wissenschaft

Die westliche Welt erreichte ihren Höhenpunkt und beginnt langsam zu kollabieren. Dies gilt auch für die westliche Wissenschaft, wo die Suche nach Wissen durch die Übernahme der Ideen des Egalitarismus ersetzt wurde. Der Schaden, der der Wissenschaft zugefügt wurde, ist noch nicht in vollem Umfang sichtbar, wird aber letztendlich den Ruf der westlichen wissenschaftlichen Standards ruinieren.

Das Labor in Cold Spring Harbor entzog dem Professor von Weltrang, dem Entdecker der DNA James Watson, seine Ehrentiteln, nachdem er – so die Begründung – verwerfliche Bemerkungen über die geistige Ungleichheit der menschlichen Rassen gemacht hat. Eins vieler Beispiele dafür, dass die politische Korrektheit die Wissenschaft verdrängt. Auf diese Weise zerstörte das Labor eine jahrhundertealte Tradition der freien Debatte, die aus den Zeiten des heiligen Thomas von Aquin stammt.

Einer der wichtigsten seiner Beiträge zu unserer Zivilisation war die Trennung des Wissens von der Natur vom Glauben, Trennung der Wissenschaft von der Theologie. Mit der Feststellung, dass ein wahres Wissen nicht durch religiöse Kontemplation erreicht werden kann, befreite er auch den wissenschaftlichen Diskurs vom moralischen Urteil. Jedoch gab es in den folgenden Jahren und Jahrhunderten immer wieder Streitigkeiten zwischen Philosophen und Wissenschaftlern einerseits und Theologen andererseits. Der bekannteste Diskurs fand zu Beginn des 17. Jahrhunderts statt, als Galileo Galilei, ein italienischer Astronom, versuchte, die kopernikanische Ansicht zu verbreiten, dass sich die Erde um die Sonne dreht. Er musste sich deswegen vor Gericht stellen und anschließend zurücktreten. Dieses Ereignis wurde immer wieder vorgebracht, um zu beweisen, dass die Kirche gegenüber der Wissenschaft meistens feindselig gegenüberstand. Continue reading

Kinder sind das politische Werkzeug der Wahl in den Händen schamloser Propagandisten

Die Politik existiert seit Anbeginn der Menschheit und ihre Regeln ändern sich kaum mit der Zeit. Regierungen, Staatsoberhäupter, Diplomaten, religiöse Führer – ob sie nun Teil des Establishments oder der Opposition sind – haben verschiedene Instrumente eingesetzt, um das Gleichgewicht des Machtspiels zu ihrem Vorteil zu nutzen. Dazu gehörten Propaganda, Finanzen, Religionen oder Ideologien und – die mächtigste aller Mittel – Emotionen. Es war jedoch das zwanzigste Jahrhundert, in dem Kinder intensiv für solche Zwecke ausgenutzt wurden. Nicht, dass das Instrument früher nicht bekannt war: unsere Leser erinnern sich beispielsweise an den Kinderkreuzzug im Mittelalter.

Mit dem Aufkommen der visuellen Massenmedien – Fotografie, Filme, Fernsehen, Internet – mit dem heutigen biblia pauperum – haben sowohl Laien als auch religiöse Führer gelernt, wie sie durch Kinder eine sehr emotionale Anziehungskraft auf die Öffentlichkeit ausüben können. Die Wirksamkeit dieses Instruments darf nicht überschätzt werden. Wir sind – Männer und Frauen – biologisch so programmiert, dass wir positiv auf den Gesichtsausdruck eines Kindes reagieren. Wenn Sie Unterstützung für Hilfe in einem weit entfernten Land erhalten möchten, posten Sie Bilder von liebenswerten Kindern, die mal traurig sind und mal lächeln – je nachdem, welcher Zweck zu einem bestimmten Zeitpunkt und an einem bestimmten Ort besser geeignet ist – und die Herzen und Köpfe der Empfänger solcher Nachricht werden damit sicherlich für ihre Ideen gewonnen. Das ist die Kraft eines unschuldigen Kindergesichtes, wie wir es gewöhnlich nennen.

Heutzutage lassen sich Präsidenten, Premierminister, Monarchen (einige von ihnen sind absichtlich kinderlos!) und Päpste gerne mit Kindern filmen oder fotografieren. Die Botschaft ist klar: Jemand, der Kinder mag, ist gut und hat nichts Übles vor. Die Kleinen werden nicht nur dazu verwendet, das Image eines Politikers zu verbessern, sondern auch dazu, gewisse Politik zu fördern und legitim zu machen.

Ein Paradebeispiel: Engelsina Markisowa. Sie lief während einer Staatsfeier zu Joseph Stalin, er hob sie hoch und umarmte sie, und die Bilder davon zeigten auf einfache Weise die Humanität des kommunistischen Spitzenführers. Das Bild wurde später in der gesamten Sowjetunion populär gemacht. Continue reading

Die Zeichen stehen auf Sturm

Mit dem Finanzdesaster 2008 schlitterten die westlichen Länder in eine tiefgehende Identitätskrise. Nach dem Zusammenbruch der amerikanischen Bank Lehman Brothers- sahen sich weltweit die Regierungen gezwungen, ihren Banksektor mit unbegrenzten Steuergeldern zu unterstützen. Kleine und mittlere Unternehmen hingegen gingen bankrott und Menschen in den USA verloren ihre Häuser, während die Finanzelite einen hübschen Batzen staatlicher Unterstützung einstreichen konnte. Mit anderen Worten: Sozialismus für Wall Street, Kapitalismus für Main Street. Den Menschen wurde schmerzhaft bewusst, dass die harten Regeln des Kapitalismus für die Banken und Finanzinstitute nicht gelten.

Dann kam die Eurokrise mit den griechischen Schulden als Epizentrum. Einige der europäischen Volkswirtschaften leiden unter steigenden Staatsschulden bei zu geringem Wirtschaftswachstum. Spätestens 2015 wurde offenbar, dass die, die die Macht in der EU haben, von der griechischen Krise überfordert waren, und schlimmer noch, dass sie für die Probleme, die bald in Spanien, Frankreich und Italien aufbrechen werden, ebenfalls keine Lösung anbieten können.

Gefira Financial Bulletin #30 ist jetzt verfügbar

  • Die Zeichen stehen auf Sturm.
  • Von einer Ideologie besessen:Die Rückkehr des Marxismus.
  • Die Grünen, Kommunisten und allesbestimmende Konzerne.

In den Jahren von 2008 bis 2015 wuchs die Wut der einfachen Leute auf das Finanzestablishment, die Regierungen der europäischen Mitgliedstaaten und das Geldsystem im Allgemeinen, weil sich bei ihnen der Eindruck festsetzte, dass das ganze System so ausgestaltet war, dass der einfache Arbeitnehmer immer und ausschließlich zur Kasse gebeten wurde. 2015 kam der linksradikale Alexis Tsipras in Griechenland an die Macht und Sozialisten wie Yanis Varoufakis, Jeremy Corbyn und Bernie Sanders wurden die Schutzheiligen der Mittel- und arbeitenden Klasse. Das politische Klima hatte besser nicht sein konnen fur Sozialisten, und dennoch verloren die sozialistischen Parteien an Wahlergunst.

Aber nicht nur die Ungleichheit ist das Problem. In den meisten westlichen Landern wird eine Vermogensumverteilung von der Mittel- zur Unterklasse praktiziert. Zum Beispiel erhalt in den Niederlanden eine Familie mit einem Einkommensbezieher und einem Jahreseinkommen von 20.000 Euro weitere 7000 Euro als Sozialleistungen und verfugt damit uber 27000 Euro pro Jahr, wahrend ein Steuerpflichtiger mit einem Einkommen von 31.000 Euro davon 3000 Euro als Steuern abgeben muss, und er, der keine weitere Sozialleistung erhalt, damit auf ein Gesamtjahreseinkommen von 28000 Euros kommt. Realistisch betrachtet ist damit die Einkommenssituation der beiden oben dargestellten Falle geradezu identisch.

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Macron – No taxation without representation

Die Massenproteste auf den Straßen der französischen Städte erinnern an die ersten Jahre des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. In den Jahren vor und während der amerikanischen Unabhängigkeitsbewegung kritisierten Fürsprecher der Unabhängigkeit am meisten, dass die Dreizehn Kolonien verpflichtet waren, Steuern an die britische Krone zu zahlen, ohne jedoch im Parlament Großbritanniens mit eigenen gewählten Abgeordneten vertreten zu sein. Die Parole der Grundväter der amerikanischen Demokratie lautete damals „No taxation without representation“ (keine Besteuerung ohne [gewählte politische] Vertretung. Heutzutage könnte sie auf die Fahnen der gelben Westen, die sich gegen die zusätzliche Besteuerung durch Macrons Regierung wenden. Die Regierung repräsentiert nämlich die Interessen der Brüsseler Technokraten, sprich Bankiers und Großkonzerne, und nicht die des französischen Volkes. Brüssel erlaubt keine Löcher im Staatsbudget, duldet niemanden, der an ihren fiskalen Richtlinien nicht hält. Franzosen wurde eingeredet, sie seien souverän, obwohl seit Jahren die Prinzen aus Brüssel (Kommissare der Revolution gegen Souveränität der Staaten – Timmermans, Juncker u.a.) die Weichen in Frankreich stellen. Zwar vertreten angeblich die Abgeordneten aus Frankreich ihr Volk im Europäischen Parlament, sie werden doch nicht direkt vom Volk, sondern von den Parteien vorgeschlagen. Die meisten Wähler haben jahrelang den Köder geschluckt, die Parteien handeln in ihrem Interesse, jedoch der dümmste Fisch wird mit den Jahren klug. Man darf die Wähler im 21. Jahrhundert nicht wie im 19. behandeln: die ersten Risse auf dem schönen Bild des gutaussehenden Präsidenten, den deutsche Medien als „visionär“ darstellen, tauchte auf, als er Vermögenssteuer auf den Immobilienbesitz reduzierte. Die französischen Bürger konnten es nicht schlucken – es sei angeblich, um Geld im Land zu behalten – Macron wurde von Geringverdienern als „Präsident der Reichen“ angeprangert.

Die Ausschreitungen auf den französischen Straßen sind eben vor allem auf das Lebensniveau zurückzuführen. Je abrupter das Lebensniveau sinkt, desto heftiger die Ausschreitungen. Das, was in einem Sozialstaat, der Griechenland vor 20 Jahren war, passierte, scheint auch in Zukunft ein Szenario für Frankreich zu sein: eine allmähliche Verarmung der Gesellschaft bis zum Einbruch der nächsten sozialen und politischen Revolution. Schon jetzt leben 3 Millionen Arbeitslose in Frankreich vom Existenzminimum, und der Befürworter der Flüchtlingspolitik von Merkel und Ex-Investmentbanker von der Rothschild-Bank, der sich merkwürdigerweise in einen Quasi-Sozialisten verwandelte, behauptet, dass in Frankreich genüge „nur über die Straße zu gehen, um einen Job zu finden.“Seine Idee der zusätzlichen Besteuerung des Sprits war der letzte Tropfen, der das Fass nach dreißig, vierzig Jahre der verfehlten Politik der Pariser Eliten zum Überlaufen brachte. Die Pendler von Stadträndern und Globalisierungsverlierer von der Provinz, bei denen Ausgaben für den Kraftstoff einen großen Teil ihres Einkommens abzocken, würden bei den neuen Preisen kaum über die Runden kommen. Dem Schlossherr vom Élysée-Palast ist das egal, er bestellt sich Porzellan-Set für 500 000 Millionen Euro,und das Budget des Élysées von 109 Millionen Euro im Jahr bleibt dreimal höher als das des deutschen Kanzleramtes. Continue reading