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Schwefelsäure und Helium – oder warum der Iran-Krieg für Kasachstan und Taiwan schlecht ist

Schwefelsäue wurde durch die Hormus-Blockade zu einem schwarzen Schwan im Bergbau. Ein großer Teil des weltweiten Schwefelhandels fließt nämlich durch die Straße von Hormus. Schwefel ist der Rohstoff, aus dem Schwefelsäure hergestellt wird, die u.a. im Bergbau unentbehrlich ist. Daher kann eine Störung der Verfügbarkeit von Schwefelsäure auf dem Weltmarkt dazu führen, dass der Konflikt im Nahen Osten eine Reihe weniger offensichtlicher Sektoren trifft, zum Beispiel den Uransektor.

Schwefelsäure wird hauptsächlich bei der Verarbeitung von Öl und Gas hergestellt. Daher trifft die Situation im Nahen Osten den Schwefelsäuremarkt auf zwei Arten: erstens kommt weniger Schwefel auf den Weltmarkt, was zu einem geringeren Angebot an Schwefelsäure führt, zweitens wird die Infrastruktur für die Verarbeitung von Kohlenwasserstoffen und damit die Infrastruktur, in der Schwefel entsteht, zerstört. Dies bedeutet, dass selbst wenn die Straße von Hormus freigeschaltet wird, bleibt die Schwefelversorgung immer noch auf gewisse Zeit begrenzt.

Eins der größten Weltproduzenten des Urans – das kasachische Unternehmen Kazatomprom – wird von dem Problem besonders betroffen sein. Die letzten Überschwemmungen im Land führten dazu, dass die Schwefelsäurelieferungen für die Uranabbauoperationen nicht rechtzeitig kamen, was die Produktion einschränkte und schließlich zu einem Rückgang des erwarteten Uranangebots auf dem Markt führte. Es ist umso wichtiger, dass Kazatomprom Uran mit der ISR (In-situ Recovery) -Methode extrahiert. Dies ist eine Technologie, bei der eine chemische Lösung in die Uranmineralien injiziert wird und sie auflöst, und Schwefelsäure bildet die Grundlage dieser Lösung. Darüber hinaus stellt sich heraus, dass mehr als 90% des nach Afrika importierten Schwefels aus dem Nahen Osten stammen… und deshalb fließt es eben durch die Straße von Hormus. Auf dem Schwarzen Kontinent laufen derzeit neue Uran-Explorationsprojekte, (zum Beispiel in Namibia), wo Schwefelsäure für Operationen dringend benötigt wird. Händler haben bereits Schwierigkeiten, irgendwelche Lieferungen zu erhalten. Daher steigen die Preise für Schwefelsäure in Afrika deutlich an… und wenn die Ausfälle länger als 3 Wochen dauern (und es gibt viele Anzeichen dafür, dass sie unserer Meinung nach viel länger dauern werden), dann müssen Bergbauprojekte vorübergehend geschlossen werden, weil ihnen die Säure ausgeht.

Das Problem mit der Schwefelsäure wird also globaler und mehr Unternehmen betreffen, was paradoxerweise die langfristigen Aussichten für den Uranpreis erheblich verbessern würde.

Zum Thema Helium: Katar ist der zweitgrößte Heliumproduzent der Welt und liefert im Jahr 2025 rund 33% der weltweiten Produktion – 63 Millionen m3.

Als die Anlage von Ras Laffan, der weltweit größten LNG-Exportfabrik, wegen des Krieges mit dem Iran stillgelegt wurde, wurden die Heliumlieferungen eingestellt, da Helium als Nebenprodukt der Erdgasverarbeitung gewonnen wird. Dadurch verliert der Markt derzeit etwa 5,2 Millionen m3 Helium pro Monat bei nahezu null globalen Reserven von diesem Rohstoff – Helium verdampft während der Lagerung und sollte die Verbraucher in etwa 45 Tagen erreichen. Die Zerstörungen haben die Heliumpreise seit Beginn des Krieges mit dem Iran bereits verdoppelt. Die Schiffe, die dieses Gas transportierten, hörten auf, durch den Persischen Golf und das Rote Meer zu fahren. Dies ist ein ernstes Problem, da ein großer Teil der weltweiten Heliumversorgung genau auf diesem Weg transportiert wird. Infolgedessen haben Unternehmen wie Samsung und SK Hynix, die 60% der weltweiten SSD-Produktion ausmachen, Probleme gemeldet. Helium ist nämlich bei der Herstellung von Halbleitern absolut notwendig. Es wird verwendet, um lithographische Geräte zu kühlen und zu stabilisieren, und es gibt keinen Ersatz dafür. Wenn die Heliumversorgung für einen längeren Zeitraum ausgesetzt wird, werden die Chipfabriken innerhalb weniger Tage mit der Reduzierung der Produktion beginnen. Dies wird sofort einen Dominoeffekt auslösen: Die Speicherproduktion für Nvidia wird sinken, Apple kann keine iPhones zusammenstellen, Tesla wird die Produktion von Autos reduzieren und die KI-Rechenzentren werden nicht genug GPUs erhalten. Die gesamte Halbleiterindustrie – mehr als 600 Milliarden Dollar – könnte anfangen zu stoppen. Im Gegensatz zur Chipkrise von 2021, die durch Pandemien und Ausfallzeiten in Fabriken entstanden ist, ist das aktuelle Problem geopolitischer Natur. Der Rohstoff kommt nicht in die Fabriken, weil die Seewege blockiert oder zu riskant sind. Und Helium ist nur eines von vielen kritischen Gasen, deren Fehlen die globale Technologieproduktion lähmen kann.

Der Iran hätte keine Halbleiterfabrik mit Raketen treffen müssen. Es reichte aus der Verkehrssicherheit zu gefährden, um die Grundlagen der modernen digitalen Wirtschaft und der Energieversorgung zu untergraben.

 

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