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Der Frieden ist eine Illusion

Im Juni fanden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran statt. Ihr Ergebnis war die Ankündigung eines vorübergehenden Abkommens (Memorandum of Understanding), das eine 60-tägige Pause der Feindseligkeiten vorsieht, sowie die Öffnung der Straße von Ormus für Tanker. Beide Seiten haben dies als einen Schritt in Richtung echter Frieden dargestellt. Aber können wir das wirklich glauben?

Die jüngste Aussage von US-Vizepräsident J. D. Vance lässt daran zweifeln. In einem Interview mit Michael Knowles gab Vance ausdrücklich zu, dass es sich tatsächlich um eine taktische Pause und keine dauerhafte Vereinbarung handelte. Er erklärte, dass das Hauptziel darin bestehe, die weltweiten Ölreserven wiederherzustellen, und was als nächstes passieren wird, sei eine offene Frage. Es könne sowohl wieder zum Krieg kommen, als auch einen dauerhaften Frieden geben. Letzteres hänge jedoch von einer “großen Veränderung im Ansatz des Iran” ab.

Von Vance abgesehen kann man davon ausgehen, dass Teheran mit seinen Erwartungen keinen Schritt zurück machen wird, und daher ist eine Eskalationsoption sehr wahrscheinlich. Es gibt jedoch einen Faktor, der die Position des Iran wirklich schwächen kann: Öl. Der Iran hat ernsthafte Probleme, es zu verkaufen. Nach der Ankündigung von MOU und der Aufhebung eines Teils der Sanktionen hat Teheran versucht, Erdöl massenhaft zu exportieren, jedoch bisher ohne Erfolg. Laut Stephen Innes befanden sich Ende Juni bis Anfang Juli mehr als 58 Millionen Barrel iranisches Öl auf dem Wasser, von denen mehr als 90% keinen eindeutigen Empfänger hatten, wie in der folgenden Grafik gezeigt.

Volle Tanker stehen in der Nähe der Straße von Malakka und der chinesischen Küste. Iranisches Öl fließt dorthin massiv (mehr als 2 Millionen Barrel), aber chinesische Raffinerien wollen es nicht kaufen. Der Grund ist die abrupt sinkende Binnennachfrage im Reich der Mitte und daher zu geringe Margen der chinesischen Raffinerien.  In jedem Fall hat der Iran nur noch bis Ende August Zeit, bevor die in der MOU festgelegte Periode endet. Je länger die Probleme mit dem Verkauf von Öl andauern, desto größer wird der Druck seitens der  öffentlichen Finanzen Teherans, da die verankerten Tanker nur zusätzliche Kosten verursachen. Dies könnte wiederum dazu führen, dass Teheran große Zugeständnisse an die USA macht, wenn es Zeit für weitere Verhandlungen kommt.

Gleichzeitig dürfen wir Israel nicht vergessen, das alles tun wird, um die Friedensverhandlungen zu torpedieren. Daher sollte das derzeitige Abkommen vor allem als strategische Pause vor einer weiteren Austeilung der Karten im Nahostkonflikt angesehen werden.

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