Der europäische Blickwinkel. Auf dem Weg in die Welt von Morgen.




Der Ausverkauf von Aktiva auf dem Ölmarkt: einflussreiche Globalspieler werden das Vermögen zu Sonderverkaufspreisen übernehmen.

Die Geopolitik und Finanzen werden durch den Energiesektor angetrieben und umgekehrt. Um einen Krieg zu gewinnen muss man Energiereserven des Feindes zerstören, und die eigenen Reserven sichern.Im Jahr 2013 haben wir bemerkt, daß sich auf dem Ölmarkt eine Blase gebildet hat. Jetzt treten wir in eine Phase ein, in der die Ölpreise so niedrig sind, daß es zum Verfall eines grossen Teils der Erdölindustrie kommen kann. Ohne Eingrif des Staates wird die Destruktion der Förderbranche riesig sein. Die Produktionskapazitäten können so ausgeschöpft werden, daß die Produktion nicht imstande sein wird die künftige Nachfrage zu befriedigen. Wenn die Förderkapazitäten unterhalb des Nachfrageniveaus liegen würden, wäre es zu erwarten, daß die Preiserhöhung eine nächste Blase eintreiben würde. Es ist eindeutig, daß wir nicht in der Ära der billigen Energie leben. Die Ölpreise werden sich erhöhen, aber das Investieren in Erdöl, Ölkontrakte und Ölgesellschaften kann sich als ein sehr riskantes Spiel erweisen. Ölkontrakte zu unterhalten,  ist mit hohen Kosten verbunden. Deren Verlängerung erfolgt auch nicht ohne Kosten; deswegen werden viele Konzerne  die Verlangsammung nicht überleben.

Globale Ölkonzerne, bis auf BP, scheinen- laut unserer Schätzungen- auf  weitere Senkung der Ölpreise vorbereitet zu sein.

Der Ölmarkt wird in nächsten Monaten ein der wichtigsten Faktoren des finanziellen Chaos sein. Die Ölkonzerne sind unter dem Druck der fallenden Preise, deswegen suchen sie nach Möglichkeiten der Kosteneinsparung in jedem Aspekt ihrer Tätigkeit.
Um die Ausgaben einzuschränken, reduzieren globale Firmen ihre Investitionen. Royal Dutch Shell wird im Jahr 2015 die Investitionsaufwendungen auf  30 Milliarden USD  senken lassen, was im Vergleich zum Vorjahr eine 20-Prozentige Senkung bedeutet1. Die Exon wird sie um 12%2 reduzieren. Niedrigere Investitionen verursachen nicht nur  niedrigere Ausgaben, sondern, auch niedrigere Produktion in Zukunft. Die Firmen Shell, Chevron und Total lassen ihre Kosten senken, indem sie  Tausende von Nordsee- Arbeitsstellen liquidieren und ihr dortiges Vermögen verkaufen. Für die relativ teure Produktion in der Nordesee und für den kanadischen Ölsand liess sich die aktuelle Flaute schon jetzt schmerzhaft empfinden. Die derzeitige Krise wird die weniger konkurrenzfähigen Hersteller  zum Bankrott führen, und die stärkeren Konzerne mehr lukrative Aktiva nach Sonderverkaufpreisen übernehmen lassen.

Die Schätzungen von Goldman-Sachs, daß der Ölpreis bis zum Niveau von 203 USD fallen kann, sind nicht allzu realistisch. Vermutlich schliesst die Bank ihre Short-Position und sucht Verkäufer oder möchte sie einen Preisrückgang der Ölbezogenen Aktiva hervorrufen, indem sie die Inverstoren aus dem Markt vertreibt. Trotz der Investitionen in erneubere Energiequellen, befinden wir uns nicht am Ende der Erdölzeit. Der chinesische KFZ-Boom wird erst beginnen. In China fällt aktuell ein Kraftwagen jeder zehnten Person an, während in Deutschland, um ein Beispiel zu geben, jede zweite Person einen Wagen hat. Die Konzerne, welche überstehen, werden in Zukunft stärker sein und ihre Nutzen aus höheren Ölpreisen, billigeren Aktiva und dem grösseren Marktanteil ziehen.

Ölkonzern
Erlöse 2014
 (in Milliarden USD)
Dividenden-
rate
Jährliche
Investititions-
änderung
Jährliche Änderung
des Aktienpreises
Shell $ 421
gleich dem BIP Österreichs
 6.5% -20% -26.00%
Exxon Mobil $ 394
gleich dem BIP VAE
4.1% -12% -24%
Total $236
gleich dem BIP Griechenlands
6.0% -10% -30%
Chevron $ 200
gleich dem BIP Rumäniens
5.7% -13% -38%
BP $ 65
gleich dem BIP Dominikanas
7.8% -20% -29%

Die Tabelle 1. Niedrigerer Ölpreis, niedrigerer Aktienpreis, höhere Dividendenrate

 

Unser Team hat die Konsequenzen des aktuellen, niedrigen Ölpreises bei grössten, globalen Herstellern geprüft. Als Basis wurden die Angaben der  Finanzberichte der Vorjahre zugrunde gelegt. Wir haben angenommen,daß sich die Kosten der Herstellung eines Barrels nicht ändern und die Ölpreise senken werden. Wir haben zwei grössten, amerikanischen  Globalkonzerne- Exxon Mobil und Chevron, sowie den britischen BP, den niedrländischen Royal Dutch Shell und den französischen Total analysiert. Die Erlöse all dieser Firmen stammen aus der Gewinnung (10-20%) und Verarbeitung. Die Gewinnungsabläufe umfassen Exploration, Herstellung, das Niederbringen von Bohrlöchern  und das Erdölpumpen. Die aus der Verarbeitung stammenden Einnahmen sind Resultat  auch dieser Tätigkeiten, die nach der Produktionsphase erfolgen, d.h. des Verkaufs, der Raffinationsprozesse und des Vertriebs von Nebenprodukten. Diese Konzerne sind Globale Spieler, die einen riesigen Teil des Bruttoinlandproduktes der Welt erwirtschaften. Trotz der Sanktionen sind sie in Russland gut vertreten.
Unsere Angaben zeigen es deutlich,daß BP der einzige Konzern ist, der unter einem sehr starken Druck steht.Bei seiner 20%-igen Beteiligung an „Rosnieft”- einem teilweise staatlichen Ölriese, hat der Konzern die Folgen des billiger gewordenen Rubels schmerzhaft empfunden. Darüber hinaus trägt BP immer noch die Folgen des Ölausflusses in Mexikanischer Bucht4.

Wir haben drei möglichen Szenarios geschaffen: ein sehr optimistisches,d.h. einen 30% -igen Rückgang der Einnahmen aus der  Gewinnung von Erdöl und sonstiger Flüssigkeiten, sowie dessen Einfluss auf den Gewinn vor  Steuern; ein optimistisches, das einen Rückgang von 40% prognostiziert; und ein realistisches Szenario, das einen 50% -igen Rückgang dieser Einnahmen vorhersieht. Exxon und Chevron sind auf  jedes von solchen Szenarios vorbereitet, ähnlich, wie im Jahr 2009, als der Ölpreis, zum ersten Mal in diesem Millenium, heftig gefallen ist. Shell ist auch in guter Form, also auch weniger durch den derzeit niedrigen Ölpreis gefährdet. Total könnte den 30-prozentigen Rückgang  der Einnahmen noch bewältigen, aber beim optimistischen Szenario (40%-igen Rückgang) würde die Firma in Schwierigkeiten geraten. Im Falle von BP, des unter genannten Firmen am meisten verschuldeten Unternehmens, das auf keinen Ablauf der Ereignisse vorbereitet ist und seriöse Probleme haben kann, wenn der Ölpreis nicht schnell steigt. Es wäre nichts Überraschendes daran, wenn BP als unabhängiger Konzern den aktuellen Rückgang der Ölpreise nicht überstehen würde.

Ölkonzern
Gewinn vor Steuern
2014
(Mrd.$)
Gewinn vor Steuern
Szenario 30%
(Mrd.$)
Gewinn vor Steuern
Szenario 40%
(Mrd.$)
Gewinn vor Steuern
Szenario 50%
(Mrd.$)
Exxon Mobil

52

31

25

18

Shell

28

16

12

8

Chevron

31

15

9

3

Total

12

3

-1

-4

BP

6

-4

-7

-11

Tabelle 2. Der Gewinn vor Steuern im Jahr 2014 und die Prognosen für den Gewinn vor Steuern in 2015, bei 30%, 40% und 50%-igem  Rückgang der Einnahmen aus Erdölgewinnung, bei nichtgeänderten sonstigen Einnahmen und Fixkosten auf dem Niveau von 2014.

Schlechte Jahresrgebnisse von BP in 2014 wurden zum Teil durch den Verlust von Hunderten Millionen aus Rosnieft-Dividenden verursacht5. Aber die Probleme dauern an. Für die erste Jahreshälfte 2015 wurde in BP ein Verlust von über 4 Billionen festgestellt. Offiziell wird es mit der negativen Auswirkung der nicht-betrieblichen Posten begründet,die mit den nach dem Unfall auf der Bohrinsel- Deepwater Horizon in 2010 abgeschlossenen Vereinbarungen verbunden sind. Gleichzeitig aber sind die Erlöse aus der Ölgewinnung um 33% und der Vorsteuern-Gewinn der ersten Jahreshälfte 2015  um mehr als 8 Milliarden geschrumpft. Ausserdem haben sich die Herstellungskosten- ein der Schlüsselposten der Ausgaben beinahe verdoppelt.

In unserer Zusammenstellung der globalen Hersteller ist BP mit  den Kosten von 350Mrd.USD  an dritter Stelle der Unternehmen mit den höchsten Kosten, hinter Exxon und Shell, wobei die Produktion bei Exxon fast doppelt so hoch ist.

Aktuell helfen niedrige Realkosten den Ölkonzernen in Russland, die durch den Zusammenbruch von Rubel ihre Gewinne immer noch erwirtschaften können.
Die Ölhersteller in Russland erwirtschaften Gewinne in Dollar aber die Produktionskosten bezahlen sie im sehr billigen Rubel.
Die Entwertung der russischen Währung, gemeinsam mit der automatischen Anpassung der Steuersätze6, schränken den negativen Effekt niedriger Einnahmen ein. Trotzdem haben beide durch den Staat beaufsichtigten Ölhersteller- Rosnieft und Lukoil, in erster Hälfte 2015, wesentlich schlechtere Gewinne erwirtschaftet als im Vorjahr. Ein eventueller Wechsel in der Politik von Putin und von Zentralbank könnte  für die Ölindustrie in Russland schädlich sein.

Die grössten Ölkonzerne sind politisch zu einflussreich, um durch russische Sanktionen Schaden zu erleiden. 2010 haben wir  gesehen, wie Shell seinen Ölhandel mit Iran gesteigert hat, während andere Firmen, angesichts der Sanktionen von UNO, von EU und den USA7,  den Austausch eher eingestellt haben. Letztendlich musste auch Shell mit derTätigkeit in Iran aufhören, denn die Firma nicht in der Lage war ihren iranischen Partner zu bezahlen.

Die von Russland auferlegten Sanktionen haben zwar europeische Landwirte sehr betroffen, aber nicht den Exxon davon abgehalten, seine Rechte zur Bohrungen in Russland, im Rahmen eines Join-Venture Vertrages mit Rosnieft8 zu erweitern. Unabhängig von Sanktionen, ist Shell- gemeinsam mit anderen europeischen Konzernen an dem Projekt namens „Nord Stream II9” beteiligt, das Gegenstand vieler Befürchtungen Polens und der Slovakei ist. Alles verläuft rechtmässig, aber es scheint, daß das Recht für grosse Spieler günstiger sei, als für andere Marktteilnehmer.

Unseres Erachtens, sind grosse Ölkonzerne in ausreichend guter wirtschaftlichen und politiscen Lage, um den „Seesturm” zu überstehen.

1. Shell kürzt  wieder die Investitionsaufwendungen , um sich der Stagnation auf dem Ölmarkt anpassen zu können.
Quelle: Reuters 30 Juli 2015 
Der Konzern Royal Dutch Shell hat bekannt gemacht, daß er seine Kapitalinvestitionen im Jahr 2015 bis zur Höhe von 30 Mrd. USD, d.h um 20% im Vergleich zum Vorjahr , wegen des zu erwartenden Rückgangs der Ölpreise reduziert.

2. Exxon Mobil schränkt im Jahr 2015 seine Investitionsausgaben um 12% ein.
Quelle: Wall Street Journal 4 März 2015
Exxon schliesst sich den amerikanischen Erdölherstellern an, die es vorhaben im Jahr 2015 ihre Investitionsausgaben um mehr als 50 Mrd. im Vergleich zum Vorjahr einzuschränken- laut dem durch Wall Street Journal durchgeführten Überblick der Konzernergebnisse. Kaum jemand hat grössere Schnitte gemacht, als Exxon Mobil, der einer derjenigen ist, die in der ganzen Branche die höchsten Kosten haben.

3. Goldmann Sachs sagt, daß der Erdölpreis tiefer fallen kann, als 20 USD pro Barrel.
Quelle: Guardian 11 September 2015
Das Überangebot ist auf dem Ölmarkt grösser noch, als es jemand erwarten könnte. Wir schätzen ein, daß der Überschuss noch in 2016 erhalten bleibt. Die Chance, daß der Ölpreis, nach unseren Schätzungen, bis zum Niveau von 20 USD pro Barrel fallen kann, ist viel besser- hat die amerikanische Investitionsbank in einer Nachricht
informiert.

4. Bei BP besteht die Gefahr des Verlustes für das zweite Quartall 2015 wegen des niedrigeren Ölpreises und des Vertrages über Bohrinsel Deepwater Horizon.
Quelle: Wall Street Journal  28.Juli 2015
BP PLC  hat einen Verlust von 6,3 Mrd. USD  für das zweite Quartall 2015 erwirtschaftet. Dem Verlust liegen niedrige  Ölpreise und riesige Kosten der Regelung des Ausflusses in Mexikanischer Bucht zugrunde.

5. Die Rückzahlung des Rosnieft-Darlehens lässt an die BP- Beteiligung an der russischen Kapitalgruppe zweifeln.
Quelle: The Telegraph 21 Dezember 2014
Jedes Jahr bekommt BP von der Gruppe Rosnieft eine Einzahlung der Dividende. Es bestehet aber die Befürchtung, daß es sich ändern kann, denn der Ölpreis und damit der Rubelwert gestürzt sind.

6. Die Rosnieft-Gewinne übersteigen Schätzungen, denn Rubel korrigiert den Preis.
Quelle: Bloomberg 31 August 2015
OAO ( Offene Aktiengesellschaft) Rosnieft, der grösste russische Erdölhersteller, hat festgestellt, daß ihre Gewinne für das zweite Quartall 2015 im geringeren Maß fallen, als es die Analytiker erwartet haben, denn der schwächer gewordene Rubel die Folgen des Zusammenbruchs der Ölpreise einschränken liess.

7. Trotz der Sanktionen erhöht Shell den Ölhandel mit Iran .
Quelle: The Guardian 10 September 2015
Shell der englisch-niederländischer Erdöl-Gigant hat in diesem Sommer einem iranischen Staatskonzern mindestens 1,5 Mrd. USD (0,94 Mrd. Funt) für das Erdöl gezahlt und damit wirtschaftliche Beziehungen mit Teheran gefestigt, obwohl die internationale Gemeinschaft dem iranischen Staat einige der  strengsten Sanktionen
auferlegt hat, um die Wirtschaft dieser islamischen Republik schrumpfen zu lassen und sie von diesem Rettungsbrett, d.h. der Ölindustrie abzuschneiden.

8. Trotz der Sanktionen stärkte Exxon Mobil in 2014 russische, mit Erdöl verbundene Aktiva um 450%.
Quelle: RT 5 März 2015
Trotz der Sanktionen hat Exxon Mobil Corp. im Jahr 2014 den Einkauf der Rechte zur Entwicklung russischer Erdöllagerstätten fortgesetzt und damit die Gesamtfläche von 11,4 bis zu 63,7 Mio. Acker vergrössert. Das ist ein Gebiet, das grösser ist, als Grossbritanien.


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