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Für Afrikaner gibt es keine Zukunft in Europa

Anna Bono im Interview für Gefira

GEFIRA fragte die Expertin für Afrika nach ihrer Meinung über die gegenwärtige Situation in Italien und “Asylbewerber”, die meistens aus Schwarzafrika kommen. Die Professorin wurde in Italien bekannt, nachdem sie ein Buch veröffentlicht hatte, in dem sie das echte Bild der “armen Afrikaner” entlarvte, die so dargestellt werden, als wären sie durch den Hunger gezwungen, an die Tür des reichen Europas in Sizilien und in süditalienischen Häfen zu klopfen.

Bis 2015 beschäftigte sich Professorin Anna Bono mit der Geschichte und mit den Problemen Afrikas an der Universität in Turin und verbrachte viele Jahre auf dem Schwarzen Kontinent. Als Expertin für Afrika arbeitete sie mit vielen Hochschulen und Institutionen zusammen, darunter auch mit dem italienischen Außenministerium. Sie ist Autorin von über 1600 Veröffentlichungen (Artikel, Essays und Bücher) über internationale Beziehungen, Zusammenarbeit mit Afrika, Demographie und Migrationen.

GEFIRA: Können Sie ein besonderes Ereignis nennen, das Ursache der unendlichen Welle der Migranten war, die nach Italien kommen?
ANNA BONO: Die Welle begann, als Gaddafi Macht verlor. Gaddafi hielt laut dem Abkommen mit Italien von 2008 die libysche Küste effektiv unter Kontrolle und verhinderte Migranten aus anderen afrikanischen Ländern ins Meer aufzubrechen. Vor dem Sturz Gaddafis war die Zahl der Afrikaner, die nach Italien kamen, gering; sie waren auch nicht so gut organisiert wie heute. Europäern ist daran zu erinnern, dass Libyen vor 2011 ein relativ reiches und stabiles Land war, in dem etwa eine Million Gastarbeiter aus Schwarzafrika lebten. Mit dem Ausbruch des Bürgerkrieges, kehrten manche von ihnen nach Hause zurück, die meisten beschlossen doch nach Italien zu kommen.

G: Ist der jetzige Anstieg der afrikanischen Bevölkerung außer Kontrolle geraten?
AB: Nicht unbedingt. Afrika ist immer noch der am dünnsten besiedelte Kontinent. Im Grunde genommen geht es um afrikanische Ressourcen. Die Weise, auf die sie, milde ausgedrückt, verschwendet werden, sollte ein Ausgangspunkt für allerlei Diskussionen über den Kontinent sein. Die meisten afrikanischen Regierungen können keine Erfolge in der Wirtschaft nachweisen; nur ein Bruchteil der Gesellschaft wird reicher, und die Korruption, die in den meisten Ländern Afrikas tief verankert ist, beleibt ein Haupthindernis auf dem Weg zum ausgeglichenen und nachhaltigen Wachstum. Eben wegen der institutionalisierten Korruption verschwenden die Afrikaner buchstäblich ihre Ressourcen. Ein Beispiel: Afrika exportiert Erdöl in großen Mengen, besitzt aber keine Raffinerie, wodurch es gezwungen ist, Kraftstoffe zu importieren.

G: Welche Länder sind von der Korruption besonders betroffen?
AB: Vor allem Nigeria. Nigeria ist ein klassisches Beispiel für Korruption als Lebensstil. Obwohl das Land der größte Erdölexporteur in Afrika ist und zweitgrößte (nach Südafrika) Wirtschaft Afrikas hat, werden seine Ressourcen beraubt.

G: Wie würden Sie einen durchschnittlichen Migranten aus Schwarzafrika charakterisieren, der nach Libyen kommt? Wir kennen alle das Märchen: da sie einen so langen Weg durchmachten, um nach Italien zu kommen, zeugt davon, dass sie verzweifelt vor dem Hunger und Krieg fliehen. Doch nackte Tatsachen zeigen uns Wahrheit.
AB: In den Ländern gibt es keinen Krieg. Es gibt keinen Krieg in Nigeria, Ghana, Kamerun, Senegal, an der Elfenbeinküste, in Sierra Leone, Mali, usw., doch eben aus diesen Ländern kommen die meisten Migranten. Die echten Flüchtlinge, die vor dem Krieg fliehen, kommen gar nicht nach Italien, was man mit Daten beweisen kann. Eine andere Verdrehung ist die Behauptung, dass die jungen Männer im Alter von 18 – 35 nach afrikanischen Standards arm sind.

G: Wieso?
AB: Wie kann man über jemanden aus Afrika behaupten, dass er arm ist, wenn er sich leisten konnte, 5.000 – 8.000 Dollar oder Euro zu bezahlen, um nach Italien zu kommen? In der Tatsache investieren die jungen Menschen ihr Geld, das oft von der ganzen Familie erspart wurde, um ein besseres Leben in Westeuropa zu beginnen. Nicht anderes steckt dahinter.

Das Problem liegt darin, dass sie kein richtiges Land wählten, obwohl man hierher problemlos kommen kann. Italien hat große, andauernde Probleme mit der Arbeitslosigkeit unter den Jugendlichen. Laut offiziellen Zahlen gehen jährlich über 100.000 Italiener im Alter von 18-35 in Ausland, weil sie einfach keinen Job finden können, währenddessen kommen jedes Jahr immer mehr Afrikaner nach Italien. Um Arbeit zu finden?

G: Daher kommt die nächste Frage von selbst. Was werden also hier alle diese Afrikaner tun?
AB: Wenn man in Betracht zieht, dass das Verfahren zur Erteilung oder Ablehnung des Flüchtlingsstatus in Italien jahrelang dauert, werden sie den Staat dauerhaft belasten und italienische Steuerzahler Milliarden Euro kosten.

G: Warum dauert das Verfahren so lange? Muss die italienische Bürokratie so langsam sein?
AB: Wenn jemandem der Flüchtlingsstatus anerkannt werden soll, wird die Angelegenheit jedes Antragsgebers von 3 Gerichten bearbeitet, ebenso wie im Falle eines italienischen Bürgers (vom Gericht erster Instanz, Berufungsgericht und vom Obersten Gerichtshof). Kein Wunder also, dass die Migranten einige Jahre ruhig auf Kosten italienischer Steuerzahler leben können, bis das Gericht endgültig entscheidet.

Die Menschen, die auf Entscheidung warten, müssen doch versorgt, bekleidet, untergebracht werden und brauchen juristische und medizinische Hilfe. Dies bedeutet Milliarden Euro, die die italienische Sozialhilfe ausgeben werden muss, statt mit den Mitteln Italiener und legale Einwanderer zu fördern.

G: Wie hoch ist der Anteil derjenigen, denen am Ende der Flüchtlingsstatus anerkannt wird?
AB: Weniger als zehn Prozent. Laut Angaben passen die meisten Bewerber nicht zur Definition eines Flüchtlings. 2015 erhielten von 153.000 Ankömmlingen den Status lediglich 3.555 Personen. 2016 von 181.000 – weniger als 5.000. Die Zahlen zeigen, dass uns Unsinn eingeredet wird.

G: Was passiert mit denjenigen, deren Anträge abgelehnt wurden?
AB: Sie erhalten foglio di via, einen Ausweisungsbescheid, in dem steht, dass sie Italien innerhalb einer bestimmten Zeit verlassen sollen. Wohin sollen sie aber denn? Der Ausweisungsbescheid ist Makulatur, zwecklos. Es ist so, als ob man den illegalen Migranten sagen würde: nachdem ihr hier jahrelang auf unsere Kosten gelebt habt, kommen wir zum Schluss, dass ihr euch hier überhaupt nicht aufhalten sollt. Könntet ihr also bitte nach Hause zurückkehren? Wohin sollen die Menschen aber? Ist es wirklich so schwierig zu begreifen, dass sie die toten Buchstaben für nichts halten und in Italien – legal oder illegal – bleiben werden, um hier oder irgendwo in Europa irgendwie weiter zu leben ?

G: Es scheint, manchen Italienern gefällt das Treiben und die Machenschaften oder sie haben ja nichts dagegen (alles deutet darauf hin, dass wir mit Machenschaften zu tun haben). Und wie immer gibt es auch solche, die damit ein Vermögen machen.
AB: Natürlich ist die Zahl der Menschen, die darin verwickelt sind, nicht gering. Es ist eine sich entwickelnde Industrie, durch die Geld in Milliarden fließt. So geht es nicht nur in Italien, wo die Regierung (sprich: italienische Steuerzahler) im laufenden Jahr (2017) dafür gut über 4.5 Milliarden Euro ausgeben wird. Um nur ein Beispiel außerhalb Italiens heranzuführen: Agadez in Niger. Diese Stadt lebt nur davon, dass sie auf der Migrantenroute nach Libyen liegt. Alle diese Migranten aus Schwarzafrika brauchen unterwegs allerlei Dienstleistungen und sichern der Stadt Einnahmen, von denen sie sonst nur träumen könnte.

G: Sehen Sie ein Licht im Tunnel? Gibt es Hoffnung, dass die künftige Regierung die Welle anhält? Uns ist allen bewusst, dass Ausweisung solcher Menschenmassen wegen der Kosten unmöglich ist. Hinzu kommt die riesige Staatsverschuldung Italiens, mit der es kaum zurechtkommt.
AB: Nur wirksame Maßnahmen der europäischen Regierungen in Afrika können der Welle standhalten. Eine geeignete Informationskampagne sollte den jungen Afrikanern erklären, dass Europa kein unerschöpfliches Paradies für alle ist. Solange der Mythos in den Köpfen der Afrikaner vorschwebt, kann man nicht darauf hoffen, dass sie zu uns nicht mehr kommen werden. Wenn sie zu uns kommen, können sie keine Arbeit finden, leben weit weg von ihren Familien, wissen nichts über unseren Lebensstil. Kurz gesagt: haben hier keine Zukunft.

Das Telefoninterview von gefira.org mit Anna Bono wurde im September 2017 von Daniel Moscardi durchgeführt.

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