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Unabhängigkeit Kataloniens ist eine Vergeltung für die Niederlage im Jahre 1939

Der Bürgerkrieg soll vor 80 Jahren zu Ende gewesen sein, doch erst jetzt kommt sein bitteres Ende – die Geschichte schreiben Nachfolger der Republikaner aus Madrid. Das Referendum und die Sezession sind offenbar eine Vergeltung der linken Szene der politischen Bühne für die Niederlage, die sie in den Jahren 1936-39 unter General Franco erlitten.

Das heißblütige Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien, in dem die beträchtliche Majorität ihre Unterstützung für Sezession äußerte, ist ein Teil der katalanischen Tradition des Aufstands gegen die konservativen Entscheidungsträger und Monarchen aus Madrid.

Einige der Kommentatoren sind der Meinung, dass Katalanen die Umverteilung der Einnahmen aus ihrer Provinz auf die anderen, ärmeren Provinzen stoppen wollten; einige andere betrachten das Phänomen von einer politischen oder ideologischen Perspektive. Seit einer langen Zeit ist Spanien nämlich das Schlachtfeld zwischen Anhängern der linken und rechten politischen Szene. 1909 wurde während der tragischen Woche (La Setmana Tràgica) der anti-militärische und anti-kolonialistische Aufstand in Barcelona mit Gewalt niedergeschmettert. Die europäische Presse hat das sofort verurteilt. Während des spanischen Bürgerkrieges 1936-1939 war Katalonien eine „republikanische“ Festung, die von der Sowjetunion und von den freiwilligen Kommunisten aus ganz Europa unterstützt wurde. Damals tobte in der von Anarchisten kontrollierten Provinz eine heftige Sozialrevolution – Industrie und Grundstücke wurden von Arbeitern und Bauern kollektiviert, radikale Maßnahmen wurden getroffen, ohne auf die republikanische Regierung in Madrid zu achten. 1939 wurde nach dem blutigen Bürgerkrieg die Macht durch die Rechten übernommen; seit dem Tod des Generals Franco tendierte die spanische Gesellschaft allmählich nach links, so dass 2008 die Regierung von Jose Louis Rodriguez Zapatero gebildet worden konnte. Zapatero ist Enkel eines Kapitäns der republikanischen Truppen, der im spanischen Bürgerkrieg wegen Fahnenflucht erschossen wurde.1)Jose Luis Rodriguez Zapatero, Wikipedia. Nach dem Krieg blieb die Mehrheit der Katalanen mehrheitlich linksorientiert.

Das Tal der Gefallenen (Valle de los Caídos), 8 Meilen nördlich von El Escorial, erbaut zwischen 1940 und 1958 zum Gedenken an all jene, die auf beiden Seiten während des spanischen Bürgerkriegs starben.

Diese „rote“ Provinz, die reich an den revolutionären und anarchistischen Traditionen ist (in Barcelona hielt sich etwa George Orwell auf, der am Krieg auf der Seite der Republikaner teilnahm, und da „Mein Katalonien“ schrieb), vergaß ihre Niederlage gegen die Truppen des Generals Francos nicht. Die Republikanische Linke Kataloniens war seit 1931 in der Provinz aktiv, und genau diese Partei, gemeinsam mit der Demokratischen Konvergenz Kataloniens spricht sich leidenschaftlich für die Sezession aus, die von etwa 90% Katalanen im Referendum gewählt wurde, an dem knappen 42% der Bürger teilnahmen.

References   [ + ]

1. Jose Luis Rodriguez Zapatero, Wikipedia.

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