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Bannon greift nicht Trump, sondern Kushner an

Es sieht danach aus, als sollte das Jahr 2018 nicht ruhig sein: im Iran gibt es Ausschreitungen, und Trump und Kim Jong-un streiten darüber, wer den größten hat, und argumentieren dabei mit Atomwaffen (“Auf meinem Schreibtisch habe ich einen Atomwaffen-Knopf .”“Wirklich? Ich auch, aber einen größeren”).

Der ehemalige Hauptstratege Washingtons Steve Bannon facht das Feuer an, das einmal zwischen ihm und Jared Kushner im Weißen Haus entfachte.

Die Guardian – Ausgabe vom 3. Januar1)Trump Tower meeting with Russians ‘treasonous’, Bannon says in explosive book, The Guardian 2018-01-03.enthält „explosionsartige Sensationen”. Michael Wolff führt da ein Interview mit Steve Bannon über sein neuestes Buch “Fire and Fury: inside the Trump White House”, in dem er Treffen des Sohns von Donald Trump mit der russischen Juristin Natalia Weselnizkaja als “unpatriotische Verratsakten” bezeichnet.

Die meisten Medien fühlen sich damit zufrieden zu sein. Die meisten Liberalen, die zu Hass gegenüber Donald Trump anstacheln, reicht es auch: ohne es sich lange zu überlegen, posten sie die Aussage auf Twitter weiter. Trump erwiderte die Posts emotionsgeladen und schon ist die Hölle los. Wenn jemand sich keine Mühe gibt, den Text zu lesen und es lieber hat, sich auf seine Emotionen zu verlassen, dann schlagen wir unsere Analyse des Vorfalls vor, die das Ganze im richtigen Kontext zeigt.

Beginnen wir mit den Worten von Bannon: „Auch wenn man findet, dass solches Vorgehen verräterisch oder unpatriotisch war, oder geschmackslos, für mich treffen aber alle solche Bezeichnungen zu, dann soll man die FBI sofort benachrichtigen. (…) Man muss bewusst sein, in welche Richtung das geht. Es geht um die Geldwäsche. Mueller wählte [den Staatsanwalt Andrew] Weissmann, der durch Geldwäsche bekannt ist. Diese Menschen tricksen Trump aus, mithilfe solcher Personen wie Paul Manafort, Donalds Sohn und Jared Kushner (…) es liegt auf der Hand.”

Wenn man die echte Meinung von Bannon kennenlernen will, soll man ihn selber danach fragen, oder auf der Website Breitbart darüber lesen, wo dieselben Sensationen enthüllt, jedoch etwas anderes dargestellt werden. Da wird vom Sohn Trumps geschwiegen, betont wird dagegen die Rolle Kushners.2)Report: Bannon Says Mueller Investigation Will Target Kushner, Manafort’s ‘Greasy’ Money Laundering Deals, Breitbart 2018-01-03.

Ein anderer Artikel darüber nimmt Jared und seine Frau Ivanka ins Visier.3)Book: Donald Trump Mocked Key Early White House Staff, Thought ‘Jared and Ivanka Should Never Have Come to Washington’, Breitbart 2018-01-03.

Was noch wichtiger ist: der erste Artikel auf der Hauptseite, dessen Titel fettgedruckt steht, thematisiert wieder Jared Kushner.4)‘Mr. Perfect’ Jared Kushner’s Not-So-Perfect Year, Breitbart 2018-01-03.Er wurde von Adam Shaw geschrieben, der zu den vertrautesten Verfassern von Bannon gehört. Da werden alle negativen Angelegenheiten, die mit Kushner zusammenhängen, erwähnt, es wird ja sogar angedeutet, was Trump damit tun sollte.

Schon der Anfang klingt als wäre das eine beabsichtigte Beleidigung. Er betont da das Treffen des Mannes von Ivanka mit amerikanischen Soldaten im Irak: unter der kugelsicheren Weste war eine teure Klubjacke und Khaki-Hose zu sehen. Völlig normal bei ihm, denn seine ganze Persönlichkeit ist darauf reduziert, seinen materiellen Status zu zeigen, auch wenn man gerade Militäreinheiten besucht. In den Augen von Bannon ist er ein verwöhnter Schickimicki, der niemals richtig arbeiten musste, alles seiner reichen Familie und ihrer Beziehungen verdankt, im Luxus lebt uns sein Leben zur Show macht. Er ist ein Mensch, der nicht im Stande ist, weder Probleme einer Fallschirmjägereinheit im Ausland noch einen durchschnittlichen Amerikaner aus der Mittelschicht zu begreifen, der von den Reformen Bannons am meisten profitieren würde.
KuschnerIm zweiten und dritten Absatz wird Kushner als ein Maulwurf der Demokraten unter den Konservativen Trumps entlarvt, der die Idee der offenen Grenzen und die damit zusammenhängende Migrationspolitik sowie Ansprüche der LGBT-Kreise befürwortet. Er sei auch eine große Quelle von schlechten Ratschlägen, was Trump selber feststellen sollte.

Im vierten und sechsten Absatz wird auf den Präsidenten angedeutet: aus der Sonderberatung von Mueller würde nur resultieren, dass auf einmal Kushner als Berater auftauchen würde. Kushner verwickelte sich in zu viele Machenschaften, z.B. in der Immobilienbranche, und da er ein Maulwurf ist, wird er sich sicherlich so leichtsinnig wie Hilary Clinton verhalten und nicht gesicherte Server nutzen, um vertrauliche Nachrichten zu verbreiten. Im letzten Absatz wird auf schwache Kenntnisse Kushners in der Geopolitik hingedeutet.

Zusammenfassend: laut Breitbart, also Bannon selbst, ist Kushner ein verwöhntes Kind der Reichen, ohne jegliche Qualifikationen, die Präsident Trump nutzen könnte; er ist die Quelle von schlechten Ratschlägen; er ist ein Mensch ohne Draht zur amerikanischen Mittelschicht, der sich auf Angelegenheiten der LGBT und seine für einen Preppy typischen Schuhen konzentriert; er ist jemand, den man nutzen könnte, um den Präsidenten reinzulegen. Er ist ein typischer Vertreter der entfremdeten Eliten mit ihren politischen Ansichten, gegen die sich Trump in seinem Wahlkampf wandte und gewann. Wenn also Trump während seiner Amtszeit etwas schaffen will, dann soll er Kushner loswerden, sonst wird er ihm schaden und ihn in den Abgrund ziehen.

Im dritten Absatz gibt es auch einen Ratschlag für Kushner und Ivanka: schafft euch selbst beiseite, bevor es zu spät ist.

Die beiden haben Glück: Trump empfand den Angriff auf das Paar als eine Kriegserklärung gegen ihn selbst. Sein Kontra war ebenso hart wie gegen Kim Jong-un: er bestellte sich dazu Juristen, was zeigt, dass er die Botschaft überhaupt nicht verstand. Das Neujahrsfeuerwerk Bannons, das auf Kushner zielte, prallte ab und traf Trump.

References   [ + ]

1. Trump Tower meeting with Russians ‘treasonous’, Bannon says in explosive book, The Guardian 2018-01-03.
2. Report: Bannon Says Mueller Investigation Will Target Kushner, Manafort’s ‘Greasy’ Money Laundering Deals, Breitbart 2018-01-03.
3. Book: Donald Trump Mocked Key Early White House Staff, Thought ‘Jared and Ivanka Should Never Have Come to Washington’, Breitbart 2018-01-03.
4. ‘Mr. Perfect’ Jared Kushner’s Not-So-Perfect Year, Breitbart 2018-01-03.

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