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Inflation und Arbeitslosigkeit als Folgen der demographischen Explosion – der neue Arabische Frühling bahnt sich an

Hin und wieder wird von sozialen Unruhen im Nahen Osten und in den Ländern Nordafrikas gemeldet. Januar: in Tunesien gab es Ausschreitungen wegen der steigenden Preise der Lebensmittel.1)‘You Can’t Survive Anymore’: Tunisia Protests Rising Prices and Taxes, The New York Times, 2018-01-09.Februar: In Jordanien kam es zu Unruhen gegen den Anstieg der Lebensmittelpreise.2)Riots break out in Jordan over bread price hikes, The New Arab 2018-02-05.Juli: der Grund für Massenproteste im Irak war Arbeitslosigkeit.3)Iraq Says Oil Safe as Government Cuts Social Media Amid Protests, Bloomberg, 2018-07-15.Auf der Liste fehlt noch Ägypten, aber es ist nur Frage der Zeit, bis sich die enttäuschten Menschenmassen auf dem Tahrir-Platz wieder versammeln.

Diese Ereignisse seien laut Mainstream-Medien auf die steigenden Preise, insbesondere der Lebensmittel und der hohen Arbeitslosenquote zurückzuführen. Die Wurzeln der Probleme liegen doch woanders.

Länder wie Marokko, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jordanien der Irak haben eine hohe Fruchtbarkeitsrate von 2,2 im Irak bis 4,4 in Tunesien. In den letzten 20 Jahren stieg die Bevölkerungszahl in den Ländern im Durchschnitt um 25%, so dass ihre Regierungen nicht im Stande sind das genügende Lebensniveau zu sichern.

Seit dem Anfang dieses Jahres brachen die Proteste wegen des Preisanstiegs und der Arbeitslosigkeit in Tunesien, Jordanien und im Irak aus. Die Lage in Ägypten, Algerien, Libyen und Marokko ist aufgrund der Inflation, der mangelnden Arbeitsplätze und der hohen Geburtsrate ähnlich. Wir erwarten, dass es in den nächsten Monaten auch in den Ländern zu sozialen Unruhen kommen wird.

Das Gefira-Team analysierte Inflation, Fruchtbarkeits- und Arbeitslosenrate und kam zu folgenden Schlussfolgerungen:
i. Die hohe Fruchtbarkeitsrate bedeutet eine höhere Nachfrage, der kein entsprechendes Angebot folgt, was zum Anstieg der Preise führt.
ii. Dem anhaltenden Babyboom zufolge stellen die Menschen unter 25 im Durchschnitt die Hälfte der Gesellschaft dar. Auch wenn die Arbeitslosenquote auf demselben Niveau wie in den früheren Jahren bleibt, steigt die Gesamtzahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter (z.B. die Arbeitslosenquote im Irak betrug 2010 15,2%, und 2017 14,8%, wobei sich die Zahl der Arbeitslosen dementsprechend von 2,5 auf 3,2 erhöhte).
iii. Das niedrige BIP pro Kopf führt bei der schnell wachsenden Bevölkerung zur Verschlechterung des Lebensstandards. Die Wirtschaft kann unmöglich so schnell neue Arbeits- und Ausbildungsplätze für qualifizierte Fachleute schaffen.

Wir erwarten, dass die soziale Unzufriedenheit in den kommenden Monaten steigen und zu massiven Protesten in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas führen wird. Infolge der Ereignisse werden (i) Regierungen gestürzt, (ii) immer mehr Menschen werden nach Europa auswandern wollen, und (iii) der Erdölpreis wird steigen (Irak ist der drittgrößte Erdölexporteur in der Welt). Wir erwarten, dass die Unruhen ein höheres Ausmaß als während des Arabischen Frühlings haben werden.

References   [ + ]

1. ‘You Can’t Survive Anymore’: Tunisia Protests Rising Prices and Taxes, The New York Times, 2018-01-09.
2. Riots break out in Jordan over bread price hikes, The New Arab 2018-02-05.
3. Iraq Says Oil Safe as Government Cuts Social Media Amid Protests, Bloomberg, 2018-07-15.

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