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WENN DIE IDEOLOGIE VOR DER WIRTSCHAFT VORRANG HAT oder die Relevanz Südafrikas für die Europäische Union

Südafrikas Strom wird fast vollständig von ESKOM, einem staatlichen Unternehmen, verwaltet. Zwischen 1923, als es gegründet wurde und 1994, dem Jahr, in dem der African National Congress (ANC) die Macht übernahm, funktionierte es ohne nennenswerte Ausfälle. Danach begann ESKOM innerhalb weniger Jahre in die Krise zu stürzen und hat seit einiger Zeit gegen ernsthafte Schwierigkeiten zu kämpfen, die zu häufigen und wiederkehrenden Stromausfällen führen. Was ist geschehen?

Der Mensch wird von zwei mächtigen Triebkräften angetrieben, die die Bedürfnisse seines Körpers und seiner Psyche erfüllen: Es sind Ökonomie und Ideologie. Um seine Existenz zu sichern, muss der Mensch fleißig arbeiten, Probleme lösen, Werkzeuge und Produktionsmethoden erfinden, ein sparsames Leben führen, für unvorhersehbare Zeiten knapper Ressourcen oder schlechter Ernten sparen. Wer so vorgehen kann, wird letztendlich im Leben zurechtkommen und seine Position behaupten. Wer das nicht tut, ist dazu verurteilt, leiden zu wollen. Gemeinschaften bestehen aus Individuen, die biologische Züge besitzen, die ihnen hohe oder niedrige Überlebenschancen gewährleisten. Kein Wunder also, dass eine Gemeinschaft sich innerhalb weniger Jahre in Wohlhabende und Bedürftige aufspaltet. Natürlich versklaven brillante Individuen die mit weniger ausgeprägten intellektuellen Fähigkeiten, oder vielmehr ist es umgekehrt, die Individuen mit schlechteren geistigen Fähigkeiten müssen notwendigerweise ihre persönliche Freiheit aufgeben und sich ganz der Arbeit für den Unterhalt widmen.

Da taucht Ideologie auf. Sie kann die bestehende soziale Struktur aufrechterhalten und damit den Bedürfnissen der natürlichen Eliten dienen, oder sie kann versuchen, das bestehende System zu stürzen, die Erfolglosen, die Hilflosen, die weniger Einfallsreichen und die Verschwender mit sich ziehen, um Veränderungen herbeizuführen, die im Klartext bedeuten: Vermögen und Ersparnisse werden weggenommen und Positionen und das Reichtum wird unter den Nichtnutzern umverteilt. Die Ideologie, die die Welt so akzeptiert, wie sie ist, hat ihren Ursprung in der aristotelischen Denkweise und wird von politischen Bewegungen vertreten, die im Allgemeinen als rechtsorientiert bezeichnet werden. Die Ideologie, die Gesellschaften in die (unverdient) Privilegierten und die (ungerecht) Demütigten spaltet, ist platonischen Ursprungs und wird von linken politischen Bewegungen gelebt. Die Befürworter der letzteren arbeiten unermüdlich daran, die natürliche Gesellschaftsordnung entweder gewaltsam zu ändern oder ihre linken Ideen in der Oberschicht zu verbreiten. Im letzteren Fall fungieren solche umstürzlerische Ideen als mentale Viren, die, wenn sie die Kontrolle über die Köpfe der herrschenden Klassen erfolgreich übernehmen, in der Lage sind, sie dazu zu veranlassen, aus Überzeugung den niederen Klassen zu dienen. So hat sich die Macht der Ideologie oder der Religion über Jahrhunderte manifestiert.

Die Geschichte ist voll von gewalttätigen oder evolutionären Umwälzungen, während deren die sogenannten Unterprivilegierten die sogenannten Privilegierten vertrieben oder ihre Gemüter beherrschten und sie dazu brachten, ihre Macht ganz oder teilweise aufzugeben. Weder die französische noch die russische Revolution wären möglich gewesen, ohne die Teilnahme einiger Personen aus den Klassen, die von den Revolutionären bekämpft wurden. Sowohl die französische als auch die russische Aristokratie, die liberalen Ideen nachgingen, half ihren wirtschaftlichen und politischen Gegnern, sie zu stürzen. In ähnlicher Weise handelten die herrschenden Klassen in Südafrika und Rhodesien (jetzt Simbabwe), die vom Ausland oder durch Infiltration der Intellektuellen im Inland beeinflusst wurden: Sie traten aus der Reihe und boten Raum für Unterprivilegierte, damit sie über das Land herrschen.

Wenn Individuen nicht als solche betrachtet werden, die unterschiedliche Fähigkeiten besitzen und folglich nach Verdienst beurteilt werden, erliegt man der Versuchung, jedem von ihnen den gleichen Wert beizumessen, aus dem einfachen Grund, dass sie alle einfach Menschen sind. In Anbetracht der Menschenrechte – fast weltweit wird der Mensch ganz unbegründet so erhoben, dass er auf eine fast religiöse Weise angebetet wird – ist jeder Mensch so wertvoll wie jeder andere und daher leicht austauschbar. Dies zu widersprechen, ist es gleichbedeutend mit einer Blasphemie, die zumindest mit der sozialen Abschottung bestraft wird. Der andere Mensch ist doch Ihr Nachbar, Ihr Kamerad, ein Socius, um das lateinische Wort zu verwenden. Dies ist der Eckpfeiler des Sozialismus, d.h. eine solche Organisation der Beziehungen zwischen den Mitgliedern der Gesellschaft, in der alle erschwinglichen Zugang zu jeder gewünschten Position oder Karriere haben, ganz gleich, welche Verdienste sie haben.

Sobald nun sozialistische Ideen den kollektiven Geist erobern, fordern die Menschen, dass alle oder die meisten von Natur Begabten, Klugen und Fleißigen auf politischen Führungspositionen von Individuen aus der unteren Sprosse der sozialen Leiter ersetzt werden. So war es in allen sozialistischen Ländern, die so unterschiedlich wie Nordkorea, Ostdeutschland oder Kuba sind, und überall war der Effekt gleich: ein teilweiser oder totaler Zusammenbruch der Wirtschaft, was zu Mängeln an grundlegenden Gütern führte. Trotzdem mussten in diesen Ländern Unternehmenspräsidenten und Minister aus den bisher Unterprivilegierten rekrutiert werden, komme was wolle. Die daraus resultierenden Probleme und Defizite wurden als vorübergehend erklärt oder es wurde erzählt, sie seien durch Unruhestifter verursacht worden – entweder feindliche ausländische Agenten oder heimtückische Anhänger des früheren “ungerechten” Sozialsystems.

Genau das passiert in Südafrika. Der ANC setzte sich für die soziale und rassische Transformation des Landes ein. Mit der Unterstützung der überwältigenden Mehrheit der Bürger (80% sind Schwarze, 9% sind farbig) war es leicht, eine positive Rassendiskriminierung durchzusetzen, die als Black Economic Empowerment (BEE) bekannt ist: Nach und nach wurden hochqualifizierte Weiße aus den Führungspositionen verdrängt. Auch ESKOM und seine Tochtergesellschaften konnten sich diesem Schicksal nicht entziehen. Die Richtlinie hat nicht nur ESKOM hart getroffen. Überall im Land stand hinter wirtschaftlichen Entscheidungen eine rassistische Günstlings- oder Vetternwirtschaft. Das Scheitern von ESKOM wurde durch all die kleinen Ausfälle in kleinen Unternehmen, mit denen der Energiekonzern zusammenarbeiten muss, verstärkt. Auf diese Weise haben sich die Probleme angehäuft wie Zinsen von uneinbringlichen Forderungen.

Um die Sache noch schlimmer zu machen, haben die Entscheidungsträger – angetrieben von derselben ideologischen rassisch-sozialistischen Religion – versucht, die überwiegend einkommensschwachen schwarzen Wähler zu erfreuen, indem sie den Strompreis auf einem zu niedrigen Niveau hielten, was dem staatlichen Versorger die Gewinne entzog, für die das Stromversorgungsnetzwerk ausgebaut werden sollte. Das Unternehmen wurde gezwungen zu sparen und begann, die Größe der teuren Kohlevorräte zu reduzieren und die Instandhaltung des Netzes und der Kraftwerke zu verzögern. Im Einklang mit dem BEE-Programm wurden außerdem Kohleversorgungsverträge mit kleineren Minen geschlossen, die von schwarzen Eigentümern betrieben wurden. Diese lieferten Kohle von einer schlechteren Qualität, was wiederum zu einer geringeren Produktionsausbeute und in manchen Fällen zu einer Beschädigung der Anlagen führte. All dies führte zu den oben erwähnten Stromausfällen.

Dadurch entsteht ein Teufelskreis. Stromausfälle bedeuten landesweit geringere Einnahmen verschiedener Unternehmen und damit geringere Steuereinnahmen für die Regierung, von der ESKOM möglicherweise eine Finanzspritze zu erzielen versucht. Wird Strom nicht bereitgestellt, kann ESKOM geringere Erträge von seinen Dienstleistungen verzeichnen. Es ist eine Abwärtsspirale. Wenn ESKOM nicht erlaubt ist, den Preis für seine Dienstleistungen zu erhöhen, muss es sich auf staatliche Gelder verlassen. Wiederum ist der Vorstand des Unternehmens – wie in allen sozialistischen Ländern – nicht gewöhnt, die Gewinn- und Verlustrechnung zu gebrauchen, weil die Regierung immer seine Defizite durch Steuern oder Gelddrucken decken wird. Die Geschichte aller sozialistischen Ländern zeigt, dass es eine Sackgasse ist.

Wenn die Strom-Krise weiterhin besteht, könnte es in einen schweren, langwierigen Blackout ausarten. Man fürchtet sich sogar vor dem Gedanken, was passieren könnte, wenn ein großer Teil des Landes nur einige Tage ohne Strom wäre. Unternehmen würden aufhören zu arbeiten; der mit Elektrizität betriebene Transport würde den Betrieb über Nacht einstellen, bald würde der Transport mit flüssigen Brennstoffen folgen, da Fahrzeuge an Tankstellen ohne Strom nicht tanken könnten. Wenn der Transport gestoppt würde, würden alle Lieferungen, auch aller Lebensmittel gestoppt. Die in Wasserwerken und Kläranlagen eingesetzten Pumpen würden nicht mehr funktionieren können, was für große Städte katastrophal wäre. Kein Radio, kein Fernsehen, keine Internetverbindung. Mobiltelefone wären nach einigen Tagen nutzlos, da ihre Akkus leer wären. Keine Verbindung zwischen Regierung und Volk. Was würde in den Nächten passieren?

Wir erinnern uns vielleicht an das, was 1977 in New York passiert ist, als es zu einem Stromausfall kam. Plünderungen von Geschäften und Einkaufszentren in gigantischem Ausmaß. Randale, die entleerten Geschäfte wurden in Brand gesteckt, um alle Spuren zu beseitigen. Die Menschen, die in New York randalierten, waren Afrikaner. Um sich den möglichen Ausmaß der Grausamkeiten in Südafrika vorzustellen, genügt es, sich daran zu erinnern, was in den einstigen Kolonien der Buren regelmäßig geschieht: brutale Morde an Gegnern aus anderen Stämmen oder politischen Gruppierungen, Steinigung unerwünschter Personen, Brandstiftungen an Zügen, grausame Angriffe auf weiße Bauern, um nur einige zu nennen.

Südafrikas Präsident Cyril Ramaphosa hat kürzlich Vorschläge der Abhilfemaßnahmen gemacht, darunter die Aufteilung der ESKOM in drei unabhängig voneinander funktionierende Unternehmen, die jeweils separat für die Erzeugung, Übertragung und Verteilung von Elektrizität verantwortlich wären. Wird es von Nutzen sein? Wenn das gesamte Unternehmen durch Inkompetenz, schlechte Planung, geringe Einnahmen, veraltete Technik, niedrige Arbeitsmoral, hartnäckige Gerüchte und offizielle Berichte über Korruption, Diebstähle von Strom und an Anlagen zur Energieübertragung gescheitert ist, wie kann die Teilung von ESKOM helfen? Durch die Maßnahme wird kein Geld generiert, werden weder Kompetenz noch Arbeitsmoral verbessert, noch Diebstähle gestoppt, noch alte Kraftwerke, die in schlechtem Zustand sind, erneuert.

Der Sozialismus ist dafür bekannt, Probleme zu lösen, die er selber als der erste geschaffen hat. Welches Problem bringt der Sozialismus mit sich? Er missachtet ökonomische und biologische Gesetze und ersetzt sie durch eine Religion der sozialen Gleichheit und der Erschwinglichkeit einer maximalen Anzahl von Produkten und Dienstleistungen für eine maximale Anzahl von Menschen, ohne dass von ihnen dafür eine Gegenleistung verlangt wird. Wirtschaftliche und biologische Gesetze sind jedoch wie physische Gesetze: Ihre Verletzung rächt sich gnadenlos, und es gibt keinen strengeren Strafverfolgungsbeamten als die Realität selbst: Sie wird niemals versagen, die Strafe dort zu vollziehen, wo sie verdient wurde. In Osteuropa und in Teilen Asiens hat die Religion des Sozialismus – die unter ihren Befürwortern und Anhängern als wissenschaftlicher(!) Sozialismus bezeichnet wurde – Menschen mit Wissen und Erfahrung mitgerissen und durch die Unterprivilegierten ersetzt. Die Sozialisten rechneten nicht auf Gewinn, sondern waren damit beschäftigt, Ungleichheiten zu korrigieren; sie beteten den Menschen an, besonders den, der ungebildet, einfältig und schlecht erzogen war. In Simbabwe und Südafrika hat der Sozialismus auch rassische Zwischentöne. Die Enteignung der weißen Landwirte ohne Entschädigung, die sich zurzeit abzeichnet und als ein Akt der Sozial- und Rassenjustiz betrachtet wird, ähnelt solchen Maßnahmen, die in der Sowjetunion und anderen sozialistischen Ländern getroffen wurden. Das Ergebnis? Die Sowjetunion importierte während ihres über siebzigjährigen Bestehens Getreide. Es musste so lange dauern, bis die Ideologen es begriffen, dass Fähigkeiten, Fleiß und Einfallsreichtum in Verbindung mit dem Drang nach Profit doch eine Rolle spielen, und nicht die soziale Gerechtigkeit. Einige Sozialisten erkannten, wenn auch zu spät, dass es in einer gesunden Wirtschaft – sei es im Kapitalismus oder, wagen wir es zu sagen, im Apartheid? – den sogenannten Unterprivilegierten doch noch weit besser als im Sozialismus geht. Der Preis dafür ist, dass die sogenannten Unterprivilegierten sich irgendwie damit abfinden müssen, dass sie sich auf den niedrigeren Sprossen der sozialen Leiter befinden und dass ihnen normalerweise nicht geholfen wird. Sie müssen sich mit dem relativ geringen Anteil am Wohlstand abfinden und müssen es akzeptieren, dass es einige gibt, die – wir erlauben uns hier einen umgangssprachlichen Ausdruck – stinkend reich sind. Ihnen muss völlig bewusstwerden, dass es jedem in einem sozialen oder rassischen Gleichstellungssystem schlechter geht, vor allem den Hilflosen und – um den modischen Begriff zu verwenden – den Ausgeschlossenen. War es nicht so, dass Arbeiter und Bauern aus sozialistischen Ländern in die westlichen kapitalistischen Länder flüchteten, um dort ausgebeutet zu werden? War es nicht so, dass Schwarze aus ganz Afrika sowie Hindi während der Apartheid-Zeit nach Südafrika strömten, wovor sich westliche Intellektuelle so sehr fürchteten? Probieren geht über studieren.

Und schließlich, warum sollen wir uns, Europäer, wegen der Stromausfälle in der südlichsten Ecke des dunklen Kontinents Sorgen machen? Die Antwort ist einfach und es ist eine Lehre aus der Geschichte. Ebenso wie die sozialistische (und multikulturelle) Bundesrepublik Jugoslawien, die Union der Sozialistischen (und multikulturellen) Sowjetrepubliken oder die (multikulturelle) Doppelmonarchie Österreich-Ungarn Wegbereiter für die Europäische Union mit allen damit verbundenen Konsequenzen waren, so sind Südafrika und Simbabwe Wegbereiter für Frankreich, Vereinigtes Königreich, Deutschland, Niederlande und Schweden, sobald sie mit farbigen Menschen gefüllt worden sind. Dieselben Phänomene werden auf dem Alten Kontinent auftreten, insbesondere angesichts der Tatsache, dass die Eliten dieser Länder bereits dem Glauben an die soziale und rassische Gleichheit zum Opfer gefallen sind und sich zunehmend dazu verpflichten, eine europäische Variante der positiven Diskriminierung durchzusetzen. Ausschreitungen in den Vororten der westeuropäischen Städte sind ein Vorgeschmack dessen, was kommen wird.

Quellennachweis:
1. Corruption in SA: Business leader answers questions on how bad it is, fin 24 2017-10-16.
2. Eskom website.
3. Eskom crisis: Why the lights keep going out in South Africa, BBC News 2019-02-16.
4. Eskom shake-up: ‘Failure is not an option’, University of Cape Town News 2019-02-11.
5. Eskom ‘technically insolvent’, won’t last beyond April 2019 – committee hears, fin 24 2019-02-13.
6. Load shedding – Nelson Mandela University forced to use R55 000 in diesel daily, R News 2019-03-21.
7. New York City blackout of 1977, Wikipedia.
8. South Africa can’t afford to let Ramaphosa’s Eskom plan fail, The Africa Report 2019-02-25.
9. The rise and fall of Eskom – IRR, politicsweb 2015-03-18.
10. Trend Assessment: South Africa Has Gone From Bad to Worse, a2globalrisk.com.

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