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Ukraine – Stehen wir vor einer Weißen Revolution, einem Attentat oder einem Staatsstreich?

“Ich bitte Sie, den Sicherheitschef, den Generalstaatsanwalt und den Verteidigungsminister zu entlassen“, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in seiner Antrittsrede, die er am 20. Mai hielt. Haben der Sicherheitschef, der Generalstaatsanwalt und der Verteidigungsminister zugehört? Natürlich waren sie da und dies konnte sie zum Handeln bringen. Sind es nur ihre Posten, nach denen der neue Präsident strebt? Oder auch ihre Köpfe?

Wolodymyr Selenskyj wandte sich an beide Kammern des Parlaments und forderte die Abgeordneten auf, neue Gesetze zu verabschieden, um ihre Immunität aufzuheben und schwere Strafen für diejenigen zu verhängen, die sich illegal bereichert haben. Letztendlich, woran die Anwesenden kaum glauben konnten, sagte das neue Staatsoberhaupt, er löse das Parlament mit sofortiger Wirkung auf, was bedeutet, dass auch die Abgeordneten gerade ihre gut bezahlten Jobs verloren haben.

Wird sich eine Koalition zwischen ihnen und den drei Ministern bilden, die bereits wissen, dass sie von Wolodymyr Selenskyj nicht geduldet werden? Ist das, was der neue Präsident sagte, ein Ausdruck des politischen Eifers gegenüber seinen zahlreichen Wählern (73% der Stimmen)? Hat er Unterstützung so starker Kräfte, dass er nicht mit den Konsequenzen rechnen muss?

Experten weisen nach wie vor auf die politische Unerfahrenheit des neuen Präsidenten. Er mag unerfahren sein, aber würde er sich gleich zu Beginn seiner Amtszeit so dumm verhalten und seine potenziellen Verbündeten und so wichtige Personen zu seinen erbitterten Feinden machen? Oder waren sie ohnehin seine erbitterten Feinde und Wolodymyr Selenskyj verhinderte lediglich ihre heimtückische Aktion, die sich sowieso zusammenbraut?

Wenn das eine Weiße Revolution in der Ukraine ist (in früheren Zeiten könnte man sie als Palastrevolution bezeichnen), dann wann würde das Schicksal bessere Bedingungen und Umstände für ihre Durchführung bieten, wenn nicht jetzt? Ein Politiker, der den ehemaligen Präsidenten mit einem Verhältnis von 7 zu 3 besiegte, in den Schatten stellte und politisch demütigte, genießt enorme Unterstützung in der Bevölkerung und ist – zumindest zeitweise – unangreifbar. Er konnte auch auf einen Überraschungseffekt abzielen, denn seine Antrittsrede war eine Überraschung pur.

Und die heikelste Frage? Handelt Wolodymyr Selenskyj alleine und auf eigene Faust? Wenn nicht, dann wurde entweder der gewagte Schritt mit seinen Vordenkern vereinbart, und dann wird er erfolgreich sein, oder er wurde mit seinen Drahtziehern nicht abgestimmt, und dann steht der neue Präsident vor einer elenden Niederlage. Wenn er von sich aus und unabhängig von denen handelt, die einen Schauspieler zum Staatsoberhaupt gemacht haben, dann muss er mit dem Druck rechnen, den er sicherlich zu spüren bekommt. Dann steht er vor einer anderen Wahl: entweder beugt er sich vor den Mächtigen oder kommt von ihnen los und riskiert dann einen Angriff nach dem anderen. Die Unterstützung der breiten Massen von Menschen ist etwas, das das Ego jedes Politikers aufbläst, aber es sind nicht die Massen, die entscheiden.

Wolodymyr Selenskyj könnte der Schützling von Ihor Kolomoyskyi gewesen sein, was nicht unbedingt die Treue und den bedingungslosen Gehorsam des ersteren gegenüber seinem Oberherr bedeutet. Wladimir Lenin stand auf der Gehaltsliste von Alexander Parvus und dem deutschen Generalstab, und – um ein aktuelles Beispiel zu nennen – der ungarische Ministerpräsident Victor Orban studierte an der Mitteleuropäischen Universität von George Soros, an der die Lehragenda von anti-nationalen und anti-konservativen Werten geprägt war, und doch begannen beide – sobald sie Macht ergriffen – ihre eigene Politik zum Entsetzen ihrer früheren Herren und zu Ungunsten der Interessen dieser Herren zu machen.

Was wäre, wenn einige der drei mächtigsten Männer der Ukraine – der Sicherheitschef, der Generalstaatsanwalt und der Verteidigungsminister – sich entschliessen und die Fäden ziehen würden, um den Präsidenten – warum sollen wir hier ein Blatt vor den Mund nehmen – töten zu lassen? Man erinnert sich an die bedrängte Lage des Präsidenten John Kennedy: Eine Kugel schoss ihm durch den Kopf und beendete seine Pläne, das Monopol der Federal Reserve zu brechen, Amerikas Geld zu drucken. Sündenböcke wurden gefangen und vor Gericht gestellt, echte Schuldige bleiben unbekannt. Erinnern Sie sich an Robert Kennedy, den Bruder des ermordeten Präsidenten. Die Deep-State-Operation wollte nicht einmal riskieren, dass er zum Präsidenten gewählt wurde, und beschloss, auch ihn zu beseitigen.

Als ob Wolodymyr Selenskyj dies vorweggenommen hätte, sagte er in derselben Rede, er habe vor nichts Angst: weder vor Unbeliebtheit noch vor dem Verlust seines Amtes. Das Wohl der Nation, sei das einzige, was ihn interessiere. War es eine Botschaft an diejenigen, die innerhalb weniger Minuten von ihrer Entlassung erfuhren und demzufolge anfingen, böse Gefühle gegen ihn zu hegen? Wollte er nicht zeigen, wie sehr er entschlossen war?

Wolodymyr Selenskyj biederte sich sicherlich bei seinem Volk an, als er sagte, er würde sich für die territoriale Integrität der Ukraine einsetzen. Möglicherweise hat er einige Anhänger des ehemaligen Präsidenten für sich gewonnen. Doch seine kühnen Worte, mit denen er den Handschuh dem ganzen System warf, waren das, was ihm enorme Bewunderung einbrachte. Als er das Parlamentsgebäude verließ und selbstbewusst durch die Menschenmassen stolzierte, war aus Tausenden von Kehlen zu hören: молодец! Oder: tapferer Junge!

Stehen wir vor einer Weißen Revolution, einem Attentat oder einem Staatsstreich?

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