Der europäische Blickwinkel. Auf dem Weg in die Welt von Morgen.




Geopolitik 2022 – vor dem Vulkanausbruch

Bevor ein Vulkan ausbricht, gibt es Warnungen. Die Erde bebt, es stinkt nach Sulfur. Es erscheinen Rissen.

Die Auseinandersetzung zwischen den Großmächten kommt in ihre endgültige Phase. Die Leitmedien reden uns ein, die Menschheit sollte angeblich aus dem zwanzigsten Jahrhundert Lehre gezogen haben. Es solle keine Kriege mehr geben, in der Weltregierung (UNO, G20, G8, EU, ASEAN, IWF, WTO, …) arbeiten alle Länder Hand in Hand an einer glänzenden Zukunft zusammen. Quatsch! Wenn es keine Atomwaffen gegeben hätte, hätte der dritte Weltkrieg – ein massiver, gegenseitiger Angriff – schon längst begonnen. Die Globalisierung und der Welthandel wirken einschläfernd auf das Bewusstsein der Menschen. Atomwaffen hingegen ernüchternd. Die Kreuzfahrtschiffe fahren glückliche Passagiere zwischen den verfeindeten Ländern, andere riesige Containerschiffe transportieren Waren auf Bestellung, auch wenn mal ein sturer Präsident Zölle einführt. Die Welt scheint durch WTO so verflochten und vereint zu sein, dass jeder Konflikt mit Waffen unrentabel und barbarisch zu sein scheint. Dennoch sind es die Flotten der Großmächte, die diesen Frieden „sichern“. Doch die Spannung zwischen den Mächten wächst ständig. Haben sich etwa Amerikaner damit abgefunden, dass China wie ein Hefeteig wächst? Dass der chinesische, mit geoutsourcten amerikanischen Wirtschaft gefütterte Drache Euroasien langsam aber sicher verschluckt? Der Off-Shore-Balancer griff ja immer in der Geschichte ein, wenn jemand seine Domination bedrohte. So wie einst England in Europa gegen alle (Spanien, Frankreich, Russland, Deutschland) kämpfte, um seine Hegemonie auf dem alten Kontinent Jahrzehnte lang zu bewahren, so kämpften auch die USA gegen Japan in den 1940-er, um ihre Vorherrschaft im Pazifik zu sichern. China weitet nun seine Einflüsse in Südostasien auf. Australien reagiert darauf mit dem Kauf amerikanischer Atom-U-Boote, die früher nicht zu kaufen waren. Die USA versuchen so das Gleichgewicht im Pazifik-Raum zu balancieren. Australien sollte sich ursprünglich die U-Boote aus Frankreich besorgen, kündigte jedoch den Vertrag, verstrickte sich in den Konflikt mit Frankreich, da diese U-Boote technisch gegenüber den chinesischen nicht hätten standhalten können. So entstehen Rissen zwischen den Ländern, die jahrelang friedlich gegenüberstanden: Frankreich und Australien.

Erinnern Sie sich an den genialen japanischen General Yamamoto und seinen berühmten Auftritt im Generalstab in Tokyo kurz vor dem Angriff auf Pearl Harbor? Er hat sich damals seinen Kollegen widersetzt und überschwemmte sie mit Daten (Stahlproduktion: USA produzieren 5-mal mehr als wir, Aluminiumproduktion 10-mal mehr als Japan, usw.), die ein Argument dafür waren, den Krieg gegen die USA nicht zu beginnen. Die Entscheidungsgeber hörten auf ihn nicht und Yamamoto musste für seine Heimat später sterben. Stellen Sie sich nun jetzt mal einen chinesischen General vor, der jetzt, Ende 2021, seinen Kollegen vor der Überlegenheit der USA in der Bereitschaft auf einen Krieg überzeugen möchte. Sie würden ihn auslachen. China hat ja die USA in vielen für eine Kriegsführung wichtigsten Bereichen schon längst überholt. Übrigens: Die amerikanischen Waffen basieren auf Elektronik, und Elektronik sind Halbleiter und Mikrokontroller. Daher 20 000 US-Soldaten auf Taiwan, wo diese Teile hauptsächlich produziert werden. Und fragen Sie sich: Wie viele Tage bräuchte China, um Taiwan zu besetzen? Ein neuer Blitzkrieg am Horizont? Wie schnell kann der heutige Stand der Dinge umgekippt werden?

Saudi-Arabien stellt sich auf russische Waffen um, was die Dominanz des Petrodollars bedroht. Russen drängen seit Jahren mit ihren Eisbrechern und Explorationsteams in der Arktis nach vorne, um die Klimaerwärmung zur Nutzung der sich da befindenden Rohstoffressourcen zu nutzen, während die Amerikaner da nur mit ihren Atom-U-Booten verkehren und sie „abschrecken“. Amerikaner machten sich durch ihre Umstellung auf Schiefergas und –Erdöl längst von Saudi-Arabien unabhängig. Afghanistan ist ihnen daher egal geworden und sie werden wohl nicht mehr im Persischen Golf eingreifen wollen, es sei denn, Israel gerät durch den direkten Konflikt mit Teheran in Not. Allianzen ändern sich und die Welt betritt Neuland.

Die Erde brodelt. Es riecht nach Pulver. Länder beharren auf ihren feindlichen Positionen: Israel gegen den Iran, Pakistan gegen Indien, China gegen Taiwan, gegen Vietnam, gegen Philippinen, gegen Südkorea, gegen Indien und gegen Japan (schon die Zahl der verfeindeten Ländern Chinas sollte auf einen groß angelegten Konflikt hindeuten), Katar gegen Saudi-Arabien, Saudi-Arabien gegen den Iran und Jemen, Nordkorea gegen alle außer China und Russland, EU gegen Russland. Die ganze UNO, die diesen Zustand seit Jahrzehnten nicht ändern kann, ist nicht mal einen Pfennig wert. Was, wenn Serbien Kosovo besetzt und Erdogan da eingreift? Was, wenn die türkische Lira fällt und Erdogan im Gegenzug Türkexit aus der NATO veranstaltet? Was, wenn Russen in die Ukraine einmarschieren, um sie vom EU-Übel zu erlösen und um Polen eins auf die Nase zu geben? Die Schiffe fahren noch über Ozeane, die Flotten bewachen das Meer, Supermärkte sind voll, Lieferketten brechen jedoch seit der Pandemie schon ein. Die Bruchlinien sind aber tief und sie tauchen an neuen Stellen auf, wie der Kampf ums Wasser im Frühling 2021 zwischen Kirgistan und Tadschikistan. Die Seismologen warnen uns nicht und wenn schon, wie auf der spanischen Insel La Palma, dann will niemand bis zum letzten Moment glauben, dass es wirklich auf uns zu kommt. Die Leitmedien, die Analysten, die Fachleute von der Politik und Wirtschaft, die warnen uns nicht. Sie beruhigen uns. Wir schläfern ein. Inflation. Warenmangel. Krise. Das ist sicher. Und Krieg? Etwas hängt in der Luft. Spüren Sie es?

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