Trump hat kein Glück oder kein Talent, wenn es um die Wahl der Personen für seine Regierung oder Umgebung geht. Ja, Melanie ist vielleicht eine Ausnahme, aber als der Präsident 2018 für den Vorsitzenden der FED Jerome Powell nominierte, kam er mit ihm sofort in Konflikt. Trump will nämlich den Dollar und die Finanzpolitik völlig kontrollieren, was durch das Mandat der FED nicht möglich ist. Powell handelte unabhängig, sah die Gefahr der Rückkehr der Inflation und senkte die Zinssätze nicht, was Trump wütend machte, da er die Konkurrenzfähigkeit der US-Wirtschaft durch den billigeren Dollar erhöhen wollte.
Nun ist die Amtszeit von Powell langsam zu Ende und Trump suchte nach dem entsprechenden Nachfolger. Zuerst wollte er Kevin Hasset, den Chef des Nationalen Wirtschaftsrates (NEC) nominieren, aber dann wurde ihm bewusst, dass er seinen Schlüsselberater weiter in der Nähe haben will. Er entschied sich also für den jungen, aber erfahrenen Warsh. Wird er ihn nicht enttäuschen?
Unter den Zentralbankiers und Mitgliedern der FOMC gibt es zwei Lager: Tauben, die für die Lockerung plädieren, und Habichte, die für die höheren Zinsen sind. Warsh verfolgt aktuell einen hybriden Ansatz, der Elemente der beiden Lager vereint:
- Lockerung Entgegen seinem früheren Ruf als Inflations-Hardliner befürwortet Warsh derzeit Zinssenkungen. Er argumentiert, dass die aktuelle Geldpolitik zu restriktiv sei. Seine These: Durch Produktivitätsgewinne (KI und Deregulierung) könne die Wirtschaft schneller wachsen, ohne die Inflation anzuheizen, was niedrigere Leitzinsen rechtfertige.
- Straffung Bei der Bilanz der Fedbleibt er ein Hardliner. Er fordert eine deutliche Verkleinerung der Zentralbankbilanz (aktives Quantitative Tightening – QT) und weniger Markteingriffe. Er glaubt, dass eine kleinere Bilanz Marktverzerrungen reduziert und erst den Spielraum für dauerhaft niedrigere kurzfristige Zinsen schafft.
Ja, ja die KI ist ein Hauptargument in seiner Logik. Sie sei es, so Warsh, für das “Leistungswunder” verantwortlich, das im Wesentlichen desinflationär ist. Wenn Unternehmen mit Hilfe von KI mehr Waren und Dienstleistungen zu geringeren Kosten produzieren können, erhöht dies das Angebot. Der Effekt? Es wird angenommen, dass eine größere Anzahl von Rohstoffen auf dem Markt zu geringeren Herstellungskosten die Preissteigerungen (Inflation) auf natürliche Weise verhindert, selbst wenn die Wirtschaft schnell wächst. Das Wachstum ist jedoch in diesem Fall nicht das Ergebnis des Druckens einer leeren Währung, sondern das Ergebnis einer Produktivitätssteigerung. Warsh vergleicht diese Situation mit der Internet-Revolution der 90er Jahre im letzten Jahrhundert, als die Inflation trotz eines wirtschaftlichen Booms niedrig blieb.
Das mag aber ein Denkfehler sein, denn die KI verbraucht enorme Mengen an Energie, Chips und Ressourcen für Rechenzentren, was kurzfristig die Preise für diese spezifischen Dienste und Rohstoffe erhöhen könnte. Der Leistungseffekt sollte erst in einigen Jahren auftreten, was die Inflation auslösen kann, bevor die KI sie unterdrücken kann. Auch die Verkleinerung der Zentralbankbilanz wird von vielen Analytikern kritisch angesehen. Mal sehen, ob der Senat die Kandidatur von Warsh akzeptieren wird. Auf jeden Fall kann es für Wirbel auf den Märkten sorgen.