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Versorgungsunternehmen für schlechte Zeiten

Der kurze Artikel ist für langfristige Investoren gedacht, die sich von Trumps Reden und Kriegen ablenken lassen und dem in KI, IT und Waffen investierenden Mainstream verführen lässt.

Die auf Englisch sogenannten Utilities sind ein defensiver Sektor der Wirtschaft, der Waren und Dienstleistungen des täglichen Bedarfs liefert. Menschen können den Gürtel enger schnallen, wenn es um die Kosten für Elektronik, Urlaub oder Autos geht, aber sie können nicht auf Strom, Wasser oder Gas verzichten. Dies macht die Nachfrage nach Dienstleistungen dieser Unternehmen unabhängig vom Wirtschaftsszyklus relativ stabil. Während einer Rezession fallen sie normalerweise weniger als ein breiter Markt, obwohl sie in Zeiten der Euphorie tendenziell langsamer wachsen als Technologieunternehmen oder Industrieunternehmen. Für einen langfristigen Investor ist dies kein Nachteil, sondern ein Vorteil. Ein solcher Sektor kann nämlich als Portfoliostabilisator fungieren.

Das zweite wichtige Element ist das regulatorische Modell. Ein erheblicher Teil der Einnahmen von Unternehmen im Versorgungssektor stammt aus von den Regulierungsbehörden genehmigten Tarifen. Dies begrenzt das Potenzial für sehr dynamisches Wachstum, bietet aber im Gegenzug Berechenbarkeit. Viele dieser Unternehmen agieren als lokale Monopole und müssen daher nicht um den Kunden kämpfen, wie Unternehmen, die in wettbewerbsintensiven Märkten tätig sind.

Auf der anderen Seite gibt es regulatorische Risiken, da Entscheidungen von Amtsträgern die Rentabilität eines Unternehmens beeinflussen können.

Das dritte Argument für solche Unternehmen sind Dividenden. Versorgungsunternehmen gehören zu Sektoren, die den Aktionären traditionell attraktive Teilnahme an ihren Gewinnen anbieten. Ein stabiler Cashflow ermöglicht es solchen Unternehmen, regelmäßig Gewinne zu teilen, und für einen Anleger, der sich auf passives Einkommen konzentriert, ist dies von größter Bedeutung.

Man darf jedoch die Schwächen dieses Sektors nicht vergessen. Der Bau und die Instandhaltung einer Energie-, Gas- oder Wasserversorgungsinfrastruktur erfordert enorme Investitionskosten. Dies führt dazu, dass Versorgungsunternehmen in der Regel hohe Schulden haben. Hohe Schulden an sich sind in der modernen Welt nicht ungewöhnlich, aber sie machen den Sektor empfindlich auf Zinsänderungen. Mit steigenden Zinsen steigen auch die Kosten für die Schuldenbedienung. Daher werden Aktien von Unternehmen in dieser Branche von Anlegern tendenziell ein wenig wie Anleihen wahrgenommen. Wenn die Anleiherenditen steigen, geht ein Teil des Kapitals von diesen Unternehmen weg, was Druck auf ihre Notierungen ausüben kann. Dies sollte jedoch keine Verschlechterung der Geschäftsqualität bedeuten, sondern nur eine Änderung der Präferenzen der Anleger.

Warum können Utilities gerade jetzt einen zusätzlichen Schub für das Wachstum bekommen? Der Versorgungssektor hat in den letzten Jahren ein neues, sehr starkes Argument für Investitionen erhalten. Dies ist die Entwicklung künstlicher Intelligenz. KI funktioniert nicht in einem Vakuum. Hinter jedem Modell, jedem Rechenzentrum und jedem auf künstlicher Intelligenz basierenden Dienst steckt eine riesige Computerinfrastruktur, die riesige Mengen an Strom benötigt. Dies bedeutet, dass die nächste industrielle Revolution durch KI in den kommenden Jahren den Energiebedarf erhöhen und sich vor allem auf die Unternehmen der Stromversorgungsunternehmen positiv auswirken könnte. Deshalb könnte der Sektor, der im Laufe der letzten Jahre als langweilig und uninteressant angesehen wurde, heute einer der größten Nutznießer einer sich verändernden Welt sein. Im Jahr 2026 verhalten sich viele Marktsegmente schlecht, besonders nach dem sehr starken Wachstum der Vorjahre. Einige der defensiveren Sektoren funktionieren momentan relativ gut trotz des Kriegsnarrativs, was zeigt, dass das Kapital wieder nach Stabilität und vorhersehbarem Cashflow sucht.

Konkrete Tipps für Ihre Investitionen? Bitte sehr. Hier ein paar Unternehmen, die regelmäßig ihre Dividende auszahlen und sie steigern (US-Markt): NextEra Energy, Atmos Energy, Essential Utilities, Eversource Energy, und Consolidated Edison.

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