Die Strategie der USA gegenüber China beruhte in den letzten Jahrzehnten auf der wirtschaftlichen Eröffnung Richtung China, die besonders durch Outsourcing der amerikanischen Produktion in das Reich der Mitte zum Ausdruck kam. Dies war dank Reformen von Deng Xiaoping möglich, der diese Eröffnung ermöglichte und befürwortete. Die nachfolgenden Führer der Volksrepublik China (Jiang Zemin, Hu Jintao) erfüllten mit Eifer Dengs Testament, wobei der derzeitige Führer Xi Jinping eine der wichtigsten Lehren des Vorfahren, die berühmten 24 Zeichen, verletzte. Das Testament Dengs klang wie folgt: Beobachtet kühl und ruhig, sichert eure Positionen. gewinnt Vertrauen, verbergt eure Möglichkeiten, wartet auf eure Zeit, ohne aus der Reihe zu tanzen, hebt euren Kopf nicht hoch, wenn ihr eure Führung bewahren wollt.
Xi tanzte aus der Reihe: überflutete den Westen mit günstigen Waren von einer immer besseren Qualität, verkaufte US-Staatsanleihen, hortete Gold, baute künstliche Inseln für seine Stützpunkte auf fremden Gewässern im Südchinesischen Meer, baute seine Flotte aus, hypersonische Raketen, landete auf dem Mond, half Serben, Iranern, Russen, gewann die Hälfte Afrika für sich, baute die längsten Brücken, Dämme und Städte der Welt. Ein riesiger Kaiser!
Währenddessen überlebte das Kaisertum USA nur dank Innovationen und Produktivitätssteigerung. Das ist zu wenig. Die Amerikaner wissen es und haben in der Reaktion auf die Verzicht Chinas auf Dengs Politik den Kaiser Trump an die Front geschickt. Die Kanonen donnern nun gegen die Verbündeten Pekings, die Zölle, Sanktionen werden verhängt. Aber… Wenn es so weiter geht kann das auch mit einem kinetischen, direkten Konflikt zwischen den USA und China enden.
Viele Politologen sehen hier Parallelen zu der sogenannten Thukydides Falle. Der altgriechische Thukydides war ein Historiker, dessen Hauptwerk der berühmte “Peloponnes-Krieg” ist, der den Konflikt zwischen den beiden größten polis beschreibt. Die oben erwähnte “Falle” besagt, dass das alte Sparta, das seine Position in Hellas bedroht sah, eine Eskalation mit Athen anstrebte, die die Rolle des Hegemonen beanspruchten. Damals war die griechische Welt bipolar, was zu eskalieren drohte. Dies geschah 431 v. Chr. Laut Thukydides war dieser Krieg unvermeidlich, gerade weil eine der polis den Status eines Hegemonen behalten wollte und der andere diesen Status erhalten wollte. Der Krieg endete aber damit, dass sowohl Spartaner als auch Athener ihre Einflüsse verloren.
Der Historiker Graham T. Allison hat das Konzept von Thukydides Falle erweitert und in seiner Studie 16 Beispiele dafür beschrieben, von denen 12 mit einem Krieg endeten, z. B.:
[1] Ende des 17. bis Mitte des 18. Jahrhunderts – Königreich Frankreich vs. Königreich Großbritannien – Krieg
[2] Mitte des 19. Jahrhunderts – Frankreich vs. Deutsches Reich – Krieg
[3] Mitte des 20. Jahrhunderts – Vereinigte Staaten vs. Japanisches Kaiserreich – Krieg
Das Konzept von Allison wurde von vielen Politikwissenschaftlern z.B. Hal Brands und Michael Beckley, kritisiert. Sie argumentierten, dass in vielen der Fälle, die Allison mit der Thukydides-Falle identifiziert, nicht die drohende Überholung einer alten Hegemonialmacht kriegsauslösend gewesen sei, sondern vielmehr die aufstrebende Macht losschlug, als sich ihr schneller Aufstieg in Stagnation verwandelte.
Zurzeit beobachten wir aber, dass die chinesische Wirtschaft angesichts der neuen Ölkrise und den Zöllen stagnieren kann.