Der europäische Blickwinkel. Auf dem Weg in die Welt von Morgen.




Das historische Beispiel Italiens

Wo ist Italien und wo ist Russland?

Welten voneinander entfernt.

Wenn Sie einen Blick auf die Karte des heutigen Europas werfen, sehen Sie eine Reihe von Ländern, die Italien von Russland trennen. Dazu gehören (von Italien nach Russland) Österreich, die Slowakei und die Ukraine oder (auf einer nördlicheren Route) Österreich, Tschechien, Polen und Weißrussland oder (auf einer südlicheren Route) Slowenien, Ungarn und die Ukraine. Eine ziemlich lange Reise. Was für ein Hühnchen haben die beiden Länder miteinander zu rupfen? Welche Ursache für Konflikte könnte es jemals zwischen Rom und Moskau gegeben haben?

Und doch kämpften italienische Truppen innerhalb von weniger als anderthalb Jahrhunderten gegen russische Truppen, und es gab viele italienische Opfer, viele Leichen, die russischen Boden bedeckten, und viele Krüppel, die nach Italien zurückkehrten.

Italien hat seine Truppen dreimal gegen Russland geschickt. Erstens während der Zeit der Napoleonischen Kriege. Einige Leser mögen denken, dass Napoleon Bonaparte, als er 1812 in Russland einmarschierte, nur die französischen Truppen anführte. Nein. Er führte fast ganz Europa gegen den Zaren, und zu diesen Truppen gehörten viele Italiener. Die an das warme Klima Italiens gewöhnten Männer erlitten irgendwo zwischen Moskau und Smolensk Erfrierungen und den Tod.

Dann kam der Krimkrieg von 1853-1856. Es war das zweite Mal, dass Italien (genauer gesagt das Königreich Sardinien-Piemont) seine Truppen gegen Russland schickte. So wollten die Italiener höchstwahrscheinlich ihr Land befreien von… nun, wovon?

Dann kam der Krieg des Dritten Reiches gegen die Sowjetunion von 1941-1945. Es war das dritte Mal, dass Italien seine Truppen gegen Russland schickte, um Deutschland zu unterstützen. Wieder erlebten italienische Soldaten Erfrierungen und Tod, weit weg an der Wolga.

Dreimal hintereinander ließen Italiener (oder vielmehr ihre Regierungen) italienisches Blut sehr weit, weit weg von ihrem Heimatland fließen, weiß Gott zu welchem Zweck.

Da Napoleon und Hitler den Krieg gegen die Russen verloren hatten, konnten die Italiener auch nichts von ihrer Teilnahme daran gewinnen. Während der Krimkrieg für die englisch-französische Koalition erfolgreich war, konnten die Italiener als ihre Verbündeten etwas davon gewinnen. Italiens internationale Position verstärkte sich einigermaßen. Auch Italiens Bündnis mit Frankreich führte zu einem späteren französisch-italienischen Krieg gegen Österreich (1859), gegen das Land, das der italienischen Vereinigung im Wege stand. Ok, das war ein Vorteil, aber immer noch drängt sich die Frage auf: Warum gegen Russland kämpfen, wenn Österreich dein Gegner ist?

Seltsam sind die Feinheiten der Geschichte, nicht wahr?

Italiens historische Erfahrung zeigt, dass zweimal das Blutopfer umsonst gebracht wurde, einmal brachte es eine Dividende: die Vereinigung Italiens, die durch den siegreichen Krieg der französisch-italienischen Koalition gegen Österreich zustande kam, das Haupthindernis für die besagte Vereinigung darstellte. Frankreichs Hilfe wurde durch die Teilnahme Italiens am Krimkrieg verdient, wo Frankreich seine Interessen hatte. Welche Gewinnhoffnungen hegen die europäischen Länder, während sie sich (immer wieder in den letzten Jahrhunderten) in den Konflikt mit Russland einmischen? Welches “Österreich” haben sie im Fadenkreuz? Wessen Bündnis und folglich wessen politische und militärische Hilfe wollen sie verdienen?

Mai 2026 – ein Blick auf einige Länder

USA

Der größte Erfolg Trumps ist es, dass er Präsidenten tötet bzw. entführt. Töte oder entführe er bloß Präsidenten, wäre das im Gangsta-Milieu irgendwie fair. Dass er aber Grundschulmädchen als Collateral Damage tötet, Inflation hervorruft, das Lebensniveau der Menschen auf der ganzen Welt durch die Energiekrise senkt und dass er stur bei seinen Ideen bleibt, ist, milde gesagt, ein Zeichen für den Hang zur Diktatur und zur Option: Am besten ist es, alles auf den Kopf zu stellen und zwar ohne Rücksicht.

Und so entsteht in den USA eine Leere, denn wenn nun mal wieder die Demokraten an die Ruder kommen, wird wieder Amerika sozial und geistlich kaputt gemacht, der ethnische Austausch wird fortgesetzt und Fentanyl immer populärer gemacht. Die Dems (sprich: die Dämonen) werden wieder Gender- und Klimawandel-Quatsch fortsetzen, werden Russland anhetzen und so weiter und so fort. Die Leere entsteht, denn die Menschen haben niemanden vernünftigen zu wählen. Ich frage mich immer wieder: Wie ist es möglich, dass so eine großartige Nation, etwas ganz Neues herausbringen kann. Ok, die Big-Techs, KI und ihre Leistungen waren atemberaubend, aber die Europäer, Asiaten, Süd- und vor allem Nordamerikaner warten auf eine atemberaubende, neue Führung in Washington.

VAE

Die Vereinigten Arabischen Emirate treten aus der OPEC aus, weil:

  • ihre Pseudo-Freunde, wie etwa Saudi-Arabien ihnen nicht bei iranischen Angriffen geholfen haben;
  • sie die größten Erdölproduktionskapazitäten im Persischen Golf haben und sie möglichst schnell ausnutzen wollen, bevor ihnen das Erdöl ausgeht. Sie wollen es jetzt zum möglichst hohen Preis verkaufen und die heutigen Preisniveaus von über 100 Dollar pro Barrel sind für sie in der stagnierenden Welt eine Gelegenheit Geld zu horten.
  • sie dem Weg von Trump folgen: weg vom Multilateralen. Beteiligung an internationalen Bündnissen und Kooperationen bringt nichts. Es ist vielleicht der Anfang einer möglichen Lawine von Austritten: der USA aus der NATO, der osteuropäischen Ländern aus der EU, usw.

Ungarn

Peter Magyars Sieg erfreute Brüsseler Eliten, aber sie kennen sich mit Menschen nicht aus und Magyar wird sie enttäuschen, denn:

  • Magyar ist kein pro-ukrainischer Führer. Wie Orbán lehnt er direkte militärische Unterstützung und den Versand von Waffen aus Ungarn ab. Außerdem spricht er sich entschieden gegen einen beschleunigten Weg des Beitritts der Ukraine zur Europäischen Union aus.
  • Darüber hinaus unterstützt der neue Premierminister den strengen Schutz der ungarischen Grenzen und lehnt jeden Mechanismus für die obligatorische Umsiedlung von Migranten in die EU strikt ab.
  • Das gleiche gilt für die Sozialpolitik, wo 13. und 14. die Rente nicht liquidiert wird. Das Budgetdefizit Ungarns wird also immer größer.
  • Obwohl Magyar seinen Wunsch bekundet, sich allmählich vom russischen Öl abzuwenden, setzt er in der Frage der Kernenergie die Linie seines Vorgängers fort. Die neue Regierung hat erklärt, dass sie den umstrittenen Ausbau des AKW Paks, der in enger Zusammenarbeit mit dem russischen Staatsgiganten Rosatom durchgeführt wird, nicht stoppen wird. Der Schlüssel in der Frage der Energieressourcen aus Russland scheint diese Worte von Magyar zu sein: Russland wird hier sein, und Ungarn wird hier sein. Wir werden versuchen zu diversifizieren, aber das bedeutet nicht, dass wir uns trennen wollen. Alles deutet darauf hin, dass der neue ungarische Premierminister tatsächlich eine Light-Version von Viktor Orbans ist, was auf den ersten Blick überraschend erscheint, aber wenn ein Land so stark von russischen Energieversorgungen abhängt, ist der Spielraum wirklich gering.

Israel

Das Land unter der Regierung der Zionisten führt seinen Krieg gegen andere Religionen und zwar gnadenlos. Die Zionisten wollen bis zum Euphrat kommen und wer weiß, vielleicht ein tausendjähriges Reich aufbauen. Das Ziel sind nicht nur Islamisten, egal ob Sunniten oder Schiiten, sondern auch Christen. Die Demoralisierung der israelischen Soldaten ist so weit gegangen, dass sie ganze Dörfer zerstören und niederbrennen. Kürzlich hat alle ein Foto eines israelischen Soldaten im Südlibanon schockiert, der mit einem schweren Hammer eine Christusstatue zerstört. 

Quelle: X

Der Hass und der Ausmaß der Angriffe Israels auf den Iran führt dazu, dass es Tel Aviv schon an Raketen für die Luftabwehr fehlt. Es scheint, dass die Israelis zu hochspielen und dass es für sie bitter enden kann.

Viktor Orbán raus – Rumen Radew rein

Brüssel mag Viktor Orbán aus dem Amt in Ungarn verdrängt haben – Brüsseler Bürokraten mögen die Wahlen in Rumänien und Moldawien erfolgreich kontrolliert haben – und doch sehen sie sich einer weiteren Herausforderung aus einem der kleineren EU-Länder gegenüber: aus Bulgarien.

Bulgarien wird als eines der ärmsten EU-Länder eingeschätzt. Es trat 2007 in die Union ein, inmitten großer Hoffnungen auf eine Verbesserung des sozialen und wirtschaftlichen Lebens. Die soziale Stimmung wurde – genau wie in jedem Land, das der Union beitreten wird – durch die Massenmedien erzeugt, die es geschafft haben, den Bulgaren einzuprägen, dass es außerhalb der Europäischen Union keine Rettung gibt. Die Mehrheit der Bulgaren – die leichtgläubige Mehrheit – glaubte und so wurde das Wort Fleisch: Seit 2007 ist Bulgarien EU-Mitgliedstaat.

Warum nennen wir Menschen, die für den Beitritt zur Europäischen Union stimmen, leichtgläubig? Einfach, weil die Menschen im Laufe der Jahrhunderte immer dazu verleitet wurden, mal den Faschismus, mal den Kommunismus, mal die Linken, mal die Rechten zu unterstützen, nur um es später bitter zu bereuen. Biologisch erwachsene Menschen – psychisch unreif – fallen immer Versprechungen zum Opfer. Das haben die Menschen in Bulgarien auch getan. Sie hatten gedacht, dass es nach dem Beitritt ihres Landes zur EU nur besser werden könnte. Sie wachten an einem anderen Tag auf und stellten fest, dass das Wolkenkuckucksland nirgends in Sicht war, während die bulgarische Industrie abgeschafft wurde und eine Million Bürger nach und nach verschwunden waren – nach Westeuropa. Das gleiche Phänomen, das wir in den baltischen Staaten erlebt haben. Von den fast 8 (acht) Millionen Menschen im Jahr 2001 ist Bulgarien jetzt auf 6,5 (sechs Punkt fünf) gesunken! (Aber egal: Die Europäische Union wird diese Bulgaren mit Bangladeschern auffüllen, zu deren Zweck Brüssel gerade [20 April, 2026] das Partnerschafts- und Kooperationsabkommen mit Dhaka unterzeichnet hat).

Obwohl es der bulgarischen Wirtschaft nicht gut ging, gelang es der herrschenden Klasse, Bulgarien dazu zu bringen, den Euro anzunehmen, und so wurde das Land der Überreste seiner Souveränität beraubt. Es gab heftige Proteste, aber ohne Erfolg. Die herrschende Klasse war verpflichtet (bestochen?), um den Plan der Europäischen Union für ihr Land umzusetzen, und so haben sie den Plan bereitwillig ausgeführt.

Doch genau wie einst in Ungarn und heute in der Slowakei (Robert Fico) entstand Widerstand gegen Brüssel und der bulgarische Widerstand hatte seinen Namen und sein Gesicht: Rumen Radew. Rumen Radew ist eine interessante Persönlichkeit. Ausgebildet als Militärpilot (er flog MiG 29), stieg er zu seiner Militärkarriere in den Rang eines Generals auf, ein christlich-orthodoxer Gläubiger mit linken oder sozialistischen politischen und wirtschaftlichen Ansichten, kämpfte erfolgreich für die Wahl zum bulgarischen Präsidenten, dessen Amt er fast zehn Jahre lang innehatte (2017-2026). Als Rumen Radew sein Vaterland in wirtschaftlicher und sozialer Not sah, wurde er Vorsitzender der Partei Progressives Bulgarien (Прогресивна България), trat von seinem Präsidentenamt zurück und führte seine Partei zu einem Erdrutschsieg bei den Parlamentswahlen im April dieses Jahres mit 131 von 240 Sitzen.

Rumen Radew ist nicht der Politiker, über den sich Brüssel freuen würde. Genau wie Robert Fico und Viktor Orbán (und höchstwahrscheinlich auch Peter Magyar, Orbáns Nachfolger) ist Rumen Radew gegen die Unterstützung der Ukraine im Krieg gegen Russland; er will pragmatische Beziehungen zu Moskau pflegen, er ist ein lautstarker Kritiker der EU–Politik, insbesondere ihrer Begeisterung für grüne Wirtschaft, und – zu allem Überfluss – er war gegen die Einführung des Euro.

So wie es ist, sind die neuen Mitglieder der Union zunehmend gegen Brüssel, sei es die Slowakei oder Bulgarien, sei es Ungarn oder Polen. Die Osteuropäer werden immer enttäuschter von der Union. Man hört sie sehr oft sagen, dass die derzeitige Union nicht die Union ist, der sie angehören wollten. Nun, es ist gut, dass die Osteuropäer langsam die Augen für die Realität öffnen, aber sie hätten es vor Jahren besser wissen sollen, als sie verführt und versucht waren, sich in die monströse Umarmung Brüssels zu stürzen. Das Leben lehrt uns, dass alle Schwierigkeiten routinemäßig mit der Akzeptanz des Glaubens an süße Versprechen einer strahlenden Zukunft beginnen. Wann wird die Menschheit endlich zu dieser Erkenntnis heranwachsen? 

Die Paradoxen der grünen Energie

Energie ist ein Gut, das auf den Börsen gehandelt wird. Und zwar tagtäglich und in jedem Moment. Sinkt der Strompreis, lohnt es sich dem Stromproduzenten den Strom nicht ins Netz zu leiten. Er hat aber meistens keine Wahl, denn Windräder drehen sich und Photovoltaik arbeitet automatisch. Stromspeicher sind kostspielig und haben zurzeit kaum Kapazität, um die Stromüberschüsse für Stunden/Tage mit großem Strombedarf aufzubewahren.

Je mehr Photovoltaikzellen in das Netz einspeisen, desto häufiger tritt solches Problem auf: Zu viel Energie wird gerade dann erzeugt, wenn alle am meisten produzieren. An sonnigen Tagen, besonders am Mittag, gibt es mehr Strom, als das System verbrauchen kann. Je mehr Sonne scheint, desto mehr Strom fließt gleichzeitig ins Netz – und desto häufiger fällt der Preis auf null oder niedriger. Im Extremfall muss der Energieproduzent extra bezahlen, damit jemand überhaupt den Strom von ihm wegnimmt. Die folgende Grafik zeigt, wie der Prozentsatz der Stunden mit negativen Strompreisen in Europa und einzelnen Regionen steigt – und in welchen Ländern im Jahr 2025 die größten Sprünge zu verzeichnen waren. 

Ein negativer Strompreis ist kein Geschenk für den Empfänger. Es ist ein Signal, dass das System sich mit dem Übermaß „verschluckt“ hat. Photovoltaik-Betriebe verkaufen also Strom im Verhältnis zum durchschnittlichen Marktwert billiger, was sich im Endpreis für den Endverbraucher nicht widerspiegelt. Warum? Weil es zu wenige Betreiber von Energielagern gibt, die den Strom kostenlos oder gegen Aufpreis kaufen und nach Spitzenpreisen am Abend verkaufen. Zwar steigt die Zahl der Stromspeicher kontinuierlich, aber gleichzeitig wird das Stromnetz nicht ausgebaut,  um mit dem raschen Wachstum von Sonne, Wind und Speicher Schritt halten. Infolgedessen werden an sonnigen Tage Photovoltaiken und Windparks häufiger abgeschaltet, weil die Stromabnahme nicht möglich ist. Laut Berichten wurden im Vereinigten Königreich im Jahr 2024 8,5 % der Onshore-Windproduktion abgeschaltet. In Deutschland liegt der Windabwurf (an Land und auf See) seit 2022 über 5 %, und der Solarabwurf ist 2024 auf 2 % gestiegen. In China stieg dies 2024 auf 4,1 % für Wind und 3,2 % für Solarenergie; Vorläufige Zahlen für 2025 deuten laut IEA auf über 5 % für beide hin.

Ein moderner 100-Megawatt-Speicher benötigt etwa 0,5 bis 1 Hektar Land. Wie viele Acker Land bräuchte man etwa bei den riesigen Offshore-Projekten für Terawatt-Windparks, die gerade an der Ostsee (etwa in Polen) gebaut werden? Wieviel Lithium und anderer Metalle, die in der dritten Welt auf möglichst nicht umweltfreundliche Weise abgebaut werden, braucht man für diese großen Batterie-Speicher (BESS). Ist das nachhaltig? Wirklich?

Ich glaube nein. Es ist aber politisch korrekt, weil es uns Illusion schafft, sich von fossilen (sprich: russischen, Putinischen) Rohstoffen unabhängiger zu machen.

Ukrainische nationale Identität

Was fällt Ihnen ein, wenn Sie an William Wordsworth, John Milton, George Gordon Byron, Alfred Tennyson, Henry Wadsworth Longfellow, Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Schiller, Charles Baudelaire, Alexander Puschkin, Michail Lermontow, Dante Alighieri und und und denken? Nun, dass sie alle in ihren Muttersprachen geschrieben haben. Nun, wenn es um Taras Schewtschenko geht – den Nationalbarden der Ukraine – er schrieb sowohl auf Ukrainisch als auch auf Russisch. Seine Prosa ist ausschließlich auf Russisch und – was sehr aussagekräftig ist – sein persönliches Tagebuch ist auch auf Russisch. Dennoch gilt er als der ukrainische Nationaldichter. Trotzdem wird Russisch in der heutigen Ukraine unterdrückt oder zumindest wird von seiner Verwendung dringend abgeraten, obwohl der Nationalbarde es nicht falsch fand, seine innersten Gedanken auf Russisch anzuvertrauen.

Taras Schewtschenko (1814-1861) ist ein gutes Beispiel für die problematische ukrainische nationale Identität. Es gibt Kreise in der Ukraine, die alles tun würden, um alles Ukrainische scharf von allem Russischen abzugrenzen, aber dann – siehe da! – ihr eigener nationaler Barde stellt ein so großes Problem dar. Sein Gebrauch der ukrainischen Sprache scheint nur der Poesie vorbehalten gewesen zu sein, was auf andere Dinge als patriotische Gefühle im weiten nationalistischen Sinne des Wortes hinweisen könnte. Taras Schewtschenkos Wahl des Ukrainischen mag die Vorliebe eines Dichters für die regionale Art des Russischen gewesen sein, die er vielleicht… melodiöser? charmanter? geheimnisvoller oder rätselhafter fand? Vielleicht liegt es nur an den bestimmten Themen, die er in seinen Gedichten besang, dass Taras Schewtschenko sich für diese regionale Art von Russisch entschieden hat. Wer kann das sagen? Diese Unterscheidung zwischen Ukrainisch und Russisch ist wie die Unterscheidung zwischen tschechischer und slowakischer Sprache. Wenn man einen phonetischen Begriff zum Vergleich verwendet, ist man versucht zu sagen, dass Russisch und Ukrainisch sowie Tschechisch und Slowakisch Allophone derselben Sprache sind. (Allophone sind zwei Varianten desselben Sprachklangs, wie alveolares [r]) und das  uvulare „Zäpfchen-r” [R], die eigentlich nach Belieben so oder so ausgesprochen werden können. Der geringe Unterschied zwischen ihnen in der Aussprache erfordert keine unterschiedlichen Schriftzeichen.). In Tschechien und in der Slowakei gab es im 19. Jahrhundert, als diese Länder Teil der Habsburgermonarchie waren, eine nationale Wiederbelebung, die unter anderem darin bestand, die Sprache, Tschechisch im Westen, Slowakisch im Osten, wieder zu ihrem vollen literarischen Gebrauch zu bringen. Nun standen die slowakischen Intellektuellen vor der Wahl: entweder die tschechische Sprache anzunehmen und das Slowakische aufzugeben, letzteres als regionales Allophon des Tschechischen zu betrachten, oder sich für das Slowakische zu entscheiden und es gegen die tschechische Sprache zu entwickeln. Die slowakischen Intellektuellen entschieden sich für die slowakische Variante der tschechoslowakischen Allophone; daher zwei Sprachen – Tschechisch und Slowakisch, obwohl sie kaum zu unterscheiden sind.

Sowohl im Fall der tschechisch-slowakischen Teilung als auch im Fall der ukrainisch-russischen Teilung sind die beiden Varietäten derselben Sprache gegenseitig verständlich. Oh ja, ukrainische Chauvinisten werden versuchen, Ihnen vorzugaukeln, dass zwischen Ukrainisch und Russisch eine große Kluft besteht, genauso wie die kroatischen Chauvinisten versuchen werden, Sie davon zu überzeugen, dass zwischen Kroatisch und Serbisch ein himmelweiter Unterschied besteht. Um das zu verdeutlichen, könnten sie auf die lateinische Schrift der Kroaten und die kyrillische Schrift der Serben verweisen. Leichtgläubige Menschen werden leicht auf den Trick hereinfallen und denken, wenn sie sich die verschiedenen Schriften ansehen, dass dies zwei verschiedene Sprachen sind. Menschen beurteilen Sprachen sehr oft nach der Schrift, mit der sie konfrontiert werden. Je bizarrer aus ihrer Sicht die Schrift (Arabisch, Chinesisch) ist, desto eher neigen sie dazu, eine Sprache als ‘schwierig’, ‘seltsam’ oder ‘sonderbar’ zu betrachten.

Der Fall der ukrainisch-russischen Kluft wird durch die Tatsache verschärft, dass es keinen klaren Schnitt zwischen den beiden Allophonen gibt: zwischen dem in der Westukraine gesprochenen Ukrainisch und dem in der Ostukraine gesprochenen Russisch. Es gibt eine Reihe von Mischungen zwischen den beiden, die zusammen als Surschyk, eine hybride Sprache, bekannt sind. Es gibt nichts Vergleichbares zwischen Polnisch und Tschechisch – zwei verschiedenen slawischen Sprachen – oder zwischen Polnisch und Russisch – wieder zwei verschiedenen slawischen Sprachen, aber es gibt diesen allmählichen Übergang zwischen Ukrainisch und Russisch, einen fast unmerklichen Übergang wie den im Farbspektrum, in dem es sehr, sehr schwer ist, auf eine Linie zu zeigen, die einen Blauton (grün, rot) klar vom anderen trennt.

Die Tatsache, dass Taras Schewtschenko in beiden Sprachen, vor allem aber in Russisch, schrieb, spiegelt sehr gut das Problem der ukrainischen nationalen und kulturellen Identität wider. Nikita Chruschtschow und Leonid Breschnew (im Amt 1953-1964 bzw. 1964-1984) – zwei aufeinanderfolgende Führer der Sowjetunion – hatten das gleiche Problem. Es ist bis heute umstritten, wie sehr sie sich als russisch und wie sehr als ukrainisch identifizierten. Ersterer fühlte sich sichtlich zu bestimmten Elementen der ukrainischen Kultur hingezogen, die persönlichen Dokumente des letzteren weisen ihn nicht eindeutig als Russen oder Ukrainer aus. Die Tatsache, dass Nikita Chruschtschow die russische Krim ansonsten in die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik eingegliedert hatte (sie aus der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik herausgerissen hatte), zeugt entweder von Chruschtschows ukrainischen Neigungen oder von seiner Ansicht, dass die Ukraine und Russland die zwei Seiten derselben Medaille sind; Daher war die Übertragung einer Provinz von einer in die andere wie die Übergabe eines Autos zwischen Brüdern.

Zurück zu Taras Schewtschenko. Von seinen 47 Lebensjahren verbrachte er 17 Erwachsenenjahre in Sankt Petersburg. Es war vor allem seine Kindheit, die er in der Ukraine verbrachte. Dort und zu dieser Zeit versank die ukrainische Folklore in seiner Seele, um später in seiner ukrainischen Poesie mitzuschwingen. Kein seltenes Phänomen: Alexandr Puschkin würde die Volksgeschichten seines Kindermädchens in seinen späteren Gedichten nachbilden, wie es viele andere Dichter auf der ganzen Welt taten. Schriftsteller und Dichter aus allen Ländern der Welt haben manchmal Lust, teilweise oder allgemein in einer lokalen Variante ihrer Muttersprache zu schreiben. Denken Sie an Robert Burns, den Nationaldichter Schottlands, der – genau wie Taras Shevchenko – sowohl in englischer als auch in schottischer Sprache schrieb und oft beides vermischte. In der Tat, wenn Sie sich eine solche von Burns komponierte Strophe wie diese ansehen:

Thy wee-bit housie, too, in ruin!

Its silly wa’s the win’s are strewin!

An’ naething, now, to big a new ane,

O’ foggage green!

An’ bleak December’s winds ensuin,

Baith snell an’ keen!

 

und vergleichen Sie es mit der anglisierten Version:

 

Thy wee-bit house, too, in ruin!

Its silly walls the winds are strewin!

An’ nothing, now, to build a new one,

O’ grass green!

An’ bleak December’s winds ensuin,

Both bitter an’ keen!

 

(Zertriimmert  liegt  Dein  Hauslein  dort ;

Was  blieb,  das  treibt  der  Sturm  nun  fort,

Du  hast,  um  Dir  es  neu  zu  bau’n,

Nicht  Moos,  noch  Gras,

Und  Dein  harrt  des  Dezembers  Graun,

So  kalt  und nass)

 

Sie können einen Vorgeschmack darauf bekommen, was es für einen gebürtigen Russen bedeutet, sich einem ukrainischen – geschriebenen oder gesprochenen – Text zu stellen. Sehen Sie im obigen Vergleich, dass abgesehen von nur drei Wörtern (blau markiert), die völlig unterschiedlich sind, die anderen (grün markiert) sehr ähnlich sind.

Ivan Franko (1856-1916) war ein weiterer ukrainischer Nationalbarde. Sein Fall ist genauso interessant wie der von Taras Schewtschenko, wenn man an die ukrainische nationale Identität denkt. Ivan Franko schrieb seine Gedichte und Romane auf Ukrainisch und… Polnisch. Ja, und auf Polnisch. Ihm wird zugeschrieben, mehr als tausend Artikel auf Polnisch geschrieben zu haben. Interessanterweise übersetzteerauch einigeseiner ukrainischen Gedichte ins Polnische. Kein Wunder also: Ivan Franko lebte und schrieb in der Stadt Lemberg, einer damals überwiegend polnischen Stadt, einer polnischen demografischen Insel in einem Meer überwiegend ukrainischer Dörfer.

Noch überraschender ist, dass im 19.Jahrhundert ein Zweig polnischer romantischer Dichter entstand, die kollektiv als Dichter der Ukrainischen Schule bezeichnet werden. Obwohl sie auf Polnisch schrieben, waren die Themen und Protagonisten ihrer Gedichte ukrainische Folklore, ukrainische Mythen und Legenden, ukrainische mythische Helden. Antoni Malczewski schrieb Maria, eine ukrainische Geschichte, Józef Bohdan Zaleski Gedichte über Kosinski und Mazepa – kosakische oder ukrainische Nationalhelden, während Seweryn Goszczyński Schloss Kaniow schrieb, ein Erzählgedicht, das in der Ukraine spielt und dessen Protagonisten Ukrainer und Polen sind.Ukraine, ukrainische Folklore, ukrainische legendäre oder historische Helden tauchen in vielen Gedichten anderer romantischer und postromantischer polnischer Dichter auf, von denen einige (Juliusz Słowacki, Wincenty Pol) bis heute den Status polnischer (nicht ukrainischer) Nationalbarden genießen.

In Anbetracht all dessen könnte man das oben angeführte Sprachspektrum von (vom Westen ausgehend) Polnisch über Ukrainisch, Surschyk bis Russisch (im Osten) erweitern. Dies kann durch die drei Texte des Vaterunsers veranschaulicht werden, die daneben platziert sind. Surschyk ist in der folgenden Gegenüberstellung nicht vorhanden, da es definitionsgemäß keinen Surschyk gibt, sondern viele Varianten davon. (Ukrainische und russische Texte wurden in die lateinische Schrift transkribiert.) 

POLISH UKRAINIAN RUSSIAN
  Ojcze nasz, któryś jest w niebie,   Otche nash, shcho yesy na nebesakh!   Otche nash, izhe yesi na nebesekh!
  święć się imię Twoje;   Nekhay sviatytsia imia Tvoie,   Da sviatitsia imia Tvoye,
  przyjdź królestwo Twoje;   nekhay pryide Tsarstvo Tvoie,   da priidet Tsarstviye Tvoye,
  bądź wola Twoja jako w niebie, tak i na   ziemi.   nekhay bude volia Tvoia, yak na nebi, tak i     na zemli.   da budet volia Tvoya, yako na nebesi i na   zemli.
  Chleba naszego powszedniego daj nam   dzisiaj;   Khlib nash nasushchnyi dai nam siohodni;   Khleb nash nasushchnyi dazhd nam dnes;
  i odpuść nam nasze winy, jako i my   odpuszczamy naszym winowajcom;   i prosty nam provyny nashi, yak i my       proshchaiemo vynuvattsiam nashym;   i ostavi nam dolgi nasha, yakozye i my   ostavliayem dolzhnikam nashim;
  i nie wódź nas na pokuszenie,   i ne vvedy nas u spokusu,   i ne vvedi nas vo iskusheniye,
 ale nas zbaw ode złego.   ale vyzvoly nas vid lukavoho.   no izbavi nas ot lukavogo

 

Der Leser kann die Affinität der drei Sprachen selbst einschätzen. Natürlich basiert der Vergleich stark auf der Übersetzung des Vaterunsers. Man kann die Texte leicht anpassen, um sie noch ähnlicher zu machen.

Die Ähnlichkeit der Sprachen entscheidet nicht über die Identität an und für sich. Die Tatsache, ob ein Schriftsteller oder ein Dichter ausschließlich in einer oder zwei Sprachen schreibt, sagt viel über seine Identität aus. Ja, früher benutzten die Menschen Fremdsprachen, um sich auszudrücken: Im Mittelalter war es Latein, später Französisch. Dies waren früher modische, internationale Sprachen. Die Aristokratie des 18. und 19.Jahrhunderts bevorzugte Französisch gegenüber ihren Muttersprachen. Der preußische König Friedrich der Große liebte es, sich auf Französisch als auf Deutsch auszudrücken. Doch weder Taras Schewtschenko noch Ivan Franko entschieden sich für Französisch: Ersterer wählte Russisch, letzterer Polnisch. Dies waren keine modischen, internationalen Sprachen.

Die ukrainische Identität scheint zwischen polnischem und russischem Erbe zu schweben. Die Westukraine, die an Polen grenzt und früher Teil des polnischen Königreichs war, ist der Ostukraine feindlich gesinnt, die an Russland grenzt und früher Teil des Russischen Reiches war. Die Ukraine ist zerrissen, mit dem unentschlossenen Gebiet Surschyk in der Mitte. Entweder der Westen oder der Osten werden siegen, oder – höchstwahrscheinlich – die Ukraine wird sich spalten, einfach weil keiner der beiden Teile die Oberhand zu gewinnen scheint, und – wie allgemein bekannt ist – jedes Haus, das in sich uneins ist, wird nicht bestehen.

Du sollst zu Donald Trump nicht nein sagen!

Nein zu Präsident Trump zu sagen, wäre als ein Nein zu Gott – das sind die Worte, die die christliche Ministerin Paula White-Cain – die leitende Beraterin des Weißen Hauses und Leiterin des Glaubensbüros des Weißen Hauses – im Jahr 2025 sagte. Diese Worte erregten viel Aufruhr unter Christen vieler Konfessionen. Sie haben zu Recht festgestellt, dass kein Mensch wie Gott angebetet werden kann, zu keinem Menschen kann man aufschauen, als wäre er eine Gottheit.

Der Hauptbewohner des Weißen Hauses – Donald Trump – eine psychologische Reinkarnation von Benito Mussolini – erhielt von dieser Ministerin einen starken Schub für sein Ego. Paula White-Cain soll vor vielen Jahren, vor seiner ersten Amtszeit als Präsident, von Donald Trump kontaktiert worden sein. Er soll von der Tiefe ihrer Predigt beeindruckt gewesen sein. Kein Wunder: Gleiches zieht Gleiches. Paula White-Cain ist haargenau so narzisstisch wie der amerikanische Präsident. Sie wurde bei einer Gelegenheit gehört (und aufgenommen), um zu sagen: Wohin ich auch gehe, Gott regiert. Wenn ich auf dem Gelände des Weißen Hauses gehe, geht Gott auf dem Gelände des Weißen Hauses. Ich habe jedes Recht und jede Autorität, das Weiße Haus zum heiligen Boden zu erklären, weil ich dort stand und wo ich stehe, ist heilig. Ihr Selbstwertgefühl ist einfach atemberaubend!

Paula White-Cain, geboren 1966, eine christliche Pfarrerin, war dreimal verheiratet (mit Dean Knight, einem Musiker, mit dem sie einen Sohn hat; mit Randy White, einem Prediger; und Jonathan Cain, einem Keyboarder und Songwriter). Sie selbst stammt aus einer zerrütteten Familie, ihr Vater hat Selbstmord begangen. Trotz dieser Schwierigkeiten im Leben gelang es ihr, ein Vermögen anzuhäufen: Immobilien und ein Privatjet. Sie generiert Geld durch ihre Evangelisation (einschließlich Televangelismus), Bücherschreiben und verschiedene Geschäftsvorhaben.

Na ja, Donald Trump hat sich auch in verschiedenen Unternehmen versucht und – was für ein Zufall! – er hatte auch drei Ehepartnerinnen (Ivana Trump, die Mutter seiner drei ersten Kinder; Marla Maples, Mutter einer seiner Töchter; und Melania Trump, Mutter seines jüngsten Sohnes).

Paula White-Cains Evangelisation zieht Tausende von Anhängern an. Sie tut so, als ob sie “in Zungen sprechen würde” und sie befreit Menschen von bösen Geistern, die dazu führen, dass die Menschen während des Prozesses zu Boden fallen und sich unkontrolliert verhalten. Sie handelt selbstbewusst und – Sie haben es richtig erraten – sie tut all diese Dinge zum Wohle der Armen, einschließlich der Armen in – ja! jawohl! – Afrika. (Sie werden bemerkt haben, lieber Leser, dass sich alle Philanthropen der Welt irgendwie mit dem Schwarzen Kontinent beschäftigen, aber egal.)

Ist Paula White-Cain nicht genau die richtige Person, um jemanden wie Präsident Donald Trump zu begleiten? Beide suchen nach narzisstischer Bewunderung von der Masse der Menschen, Beide wissen, wie man sich beim einfachen Mann einschmeichelt, und beide waren äußerst erfolgreich darin, sich selbst zu bereichern und sozialen Status zu erlangen.

Man kann sich fragen, was schlimmer ist: ein Leonid Breschnew, der sich an den politisch-philosophischen Grundsätzen von Wladimir Lenin und Karl Marx orientiert, oder Donald Trump, der von Paula White-Cains Ministerium und ihrer Interpretation der Heiligen Schrift beeinflusst wird. Man kann sich auch zu Recht fragen, ob Leonid Breschnew sich wirklich für den Marxismus-Leninismus interessierte, und in ähnlicher Weise, ob Präsident Donald Trump sich wirklich für Religion interessiert, irgendeine Religion überhaupt. Vielmehr benutz(t)en beide Führer die Ideologie oder Religion für ihre Selbstverherrlichung. Als Ivanka, Donald Trumps Tochter (aus seiner ersten Ehe) Jared Kushner heiratete, konvertierte sie zum Judentum, der Religion ihres Mannes, was zeigt, dass sie nicht von einem wirklich christlichen Vater erzogen wurde.

Präsident Donald Trump braucht eine Reihe von Ministern im Weißen Haus, genau um seinen Status in den Augen der noch gläubigen amerikanischen Christen zu verbessern. Die Worte von Paula White-Cain, dass man zu Donald Trump nicht Nein sagen kann, weil das so wäre, als würde man zu Gott selbst Nein sagen, machen den amerikanischen Präsidenten zu einer Cäsar-ähnlichen Figur. Wir wissen, dass römische Kaiser den Status genossen, göttlich zu sein. Die Vereinigten Staaten sind ein Echo des Römischen Reiches: Wir haben den Senat und die Senatoren, wir haben das Capitol, wir haben den Adler als nationales Emblem (alle Insignien stammen aus dem antiken Rom) und lateinische Inschriften wie das bekannte e pluribus unum (aus vielen eins) auf Münzen und Papierscheinen.

Römische Kaiser wurden nicht innerhalb eines Tages vergöttert. Es war ein Prozess. Erleben wir so etwas im heutigen Amerika?

Christen waren, wie oben gesagt, wütend darüber, was Paula White-Cain über Präsident Donald Trump sagte, aber einige von ihnen – und wir denken an christliche Zionisten – hatten dasselbe getan, lange bevor sie diese Worte von der Ministerin hörten. Es sind die christlichen Zionisten, die notorisch die Nation Israel vergöttern. Sie sind es gewohnt zu sagen, dass ‘wer Israel berührt, berührt Gott’, was ein loses Zitat von Sacharja 2:8 ist, wo es heißt: ‘Denn wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an. Es sind dann die christlichen Zionisten, die vor langer Zeit eine Ethnie mit Gott selbst gleichgesetzt haben. Warum sollten sie sich so sehr genieren, wenn die Vergöttlichung auf Donald Trump ausgedehnt wird? Schließlich ist der amtierende amerikanische Präsident Israels bester Freund, der auf Geheiß Tel Avivs Kriege führt. Wenn Donald Trump sein Bestes tut, um Israel wieder groß zu machen, warum sollte ihm die Vergöttlichung entzogen werden? Hat er es nicht verdient?

Aber Spaß beiseite. Die Vergöttlichung einer Nation oder eines Individuums ist ein Weg in den Abgrund. Die Geschichte kennt solche Vergöttlichungen und die damit verbundenen Folgen. Wehe der Welt, in der eine Nation oder ein Mensch mit Gott gleichgesetzt wird.

Das teuerste Rennen der Geschichte

Für diejenigen, die ein wenig die Finanzmärkte verfolgen, es ist kein Geheimnis, dass in der heutigen Zeit zwischen den größten Technologieunternehmen das Rennen im Bereich der künstlichen Intelligenz vor sich geht. KI ist jedoch keine kostenlose Revolution. Um immer effizientere Modelle zu entwickeln, braucht Big Tech Hunderte Milliarden Dollar für Rechenzentren, Server, Chips, Kühlung und Energie. Es ist verblüffend, aber laut einer Analyse der IEA (International Energy Agency) sollen die Rechenzentren zwischen 2025 und 2030 etwa die Hälfte des in den USA produzierten Stroms verbrauchen.

Dies beginnt sich im Cashflow der Großunternehmen der KI-Branche zu widerspiegeln. Das Diagramm unten zeigt die wachsende Kluft zwischen Investitionskosten (Cap Ex) von Big 4, d.h. Amazon, Alphabet, Meta- und Microsoft und ihren zugänglichen liquiden Mitteln (FCF – Free Cash Flow).

Capex von Amazon, Alphabet, Meta und Microsoft (dunkelblau) vs. ihr Free Cash Flow (rot) in Mrd. Dollar samt Prognosen für die kommenden Jahre.

Ab 2023 steigen die Ausgaben dieser Unternehmen kontinuierlich an und werden laut Analysten bis 2030 um das 6-fache höher sein als vor 8 Jahren. 2026 ist die erste echte Prüfung für diese Strategie. Es wird prognostiziert, dass das freie Geld praktisch verschwinden wird und die Schulden steigen werden. In einem Jahr werden wir herausfinden, ob es eine brillante Wette war – oder der teuerste Fehler in der Geschichte der Technologie.

Ein anderes Risiko für Big Tech ist der Wettbewerb. Die Tests zeigen zwar deutlich, dass die chinesischen Modelle immer noch weit hinter den amerikanischen Marktführern zurückbleiben. Obwohl aber die USA immer noch da führend sind, wo der Umfang und die Rechenleistung wichtig sind, ist der technologische Vorteil noch kein Marktvorteil – besonders wenn die billiger, chinesische Alternative für die meisten Geschäftsanwendungen gut genug ist.

Wären Sie gerne der amerikanische Vizepräsident?

Die Gespräche in Islamabad, Pakistan, sind zum Erliegen gekommen. 21 stunden brachten keine Früchte. Obwohl die Amerikaner den Krieg gegen den Iran verloren hatten, erhoben sie ihre Forderungen und strebten offensichtlich keine Einigung an. Es ist sehr wahrscheinlich, dass sie versuchen, sich neu zu formieren und erneut zuzuschlagen: Sie spielen auf Zeit. Sie haben es schon zweimal getan, also können wir sicher sein, dass sie es wieder tun werden. Sie werden angreifen, während die Verhandlungen in vollem Gange sind, wenn sie wieder aufgenommen werden, und höchstwahrscheinlich werden sie wieder aufgenommen.

Es sind jedoch nicht die Verhandlungen, auf die wir unsere Aufmerksamkeit richten möchten. Es ist die Person des amerikanischen Vizepräsidenten JD Vance. Er wurde von Präsident Donald Trump nach Islamabad geschickt, um die Gespräche durchzuführen. Man könnte denken, JD Vance ist der zweitmächtigste Mann auf dem Planeten Erde. Leider weit gefehlt. JD Vance hatte absolut keine Befugnis, die Verhandlungen zu führen. Elf Mal rief er Donald Trump während seines Aufenthalts in Islamabad an – ein sicheres Zeichen, dass er absolut keinen Spielraum hatte, oder – schlimmer noch – Donald Trump ihm nicht genug vertraute.

Zweitens wurde JD Vance von Jared Kushner (Trumps Schwiegersohn) und Steve Witkoff (beide jüdischer Herkunft) begleitet, die sicherlich geschickt wurden, um den Vizepräsidenten zu führen und dafür zu sorgen, dass er nicht von der für Israel befriedigenden Richtung abweicht.

Drittens rief JD Vance, während er noch an Bord des Flugzeugs nach Washington auf dem Rückweg von Pakistan war, den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu an und ‘berichtete’ (das ist genau das Wort, das Benjamin Netanjahu benutzte, um den Journalisten über den Anruf Bericht zu erstatten) über die Gespräche. Nennen wir es bei Namen: Der amerikanische Vizepräsident berichtete telefonisch einem ausländischen Staatsoberhaupt, noch bevor er dies persönlich seinem Vorgesetzten, dem Präsidenten der Vereinigten Staaten, tat.

Die Position des amerikanischen Stellvertreters ist nicht beneidenswert! Bei aller Pracht und was auch nicht, JD Vance ist gezwungen, eine Rolle zu spielen, die er sicherlich – wenn er ein Mann mit Ehrgeiz ist – nicht gerne spielt. Es sei denn natürlich, JD Vance ist kein ehrgeiziger Mann, es sei denn, er kümmert sich nur um die Insignien der Macht. Wer weiß?

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