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Der Wertverlust beim Dollar könnte die Staatsfinanzen der USA ruinieren

Der Besitz amerikanischer Aktiva ist nicht so sicher, wie man denkt, seitdem die Zinssätze auf unnatürliche Weise gesenkt und der Wert des Dollars aufgrund koordinierter Maßnahmen bei Zentralbanken auf dieselbe Weise erhöht wurde. Die Geldpolitik der Japanischen Bank und der Europäischen Zentralbank, solche wie Zinssätze mit Minuswert und quantitative Lockerung, senken nicht nur die Rentensumme, sondern erhöhen auch den Wert des Dollars und der amerikanische Staatsanleihen

Die Macht des Dollars kann nicht von der Amerikanischen Handelsbilanz oder dem Zustand der Amerikanischen Wirtschaft begründet werden und erst recht nicht vom vorhergesehenen Verschlechterung des amerikanischen Defizits. Die Amerikaner haben mehr verbraucht, als sie innerhalb der ganzen Jahrzehnte hergestellt haben. So gemütlich kann es nicht ewig weitergehen: der Tag wird kommen, an dem die Schuldner (die Verbraucher) ihren Kredit zurückzahlen müssen. Wenn die Geldgeber anfangen, die Investitionen von den Staaten zurückzunehmen, wird der Wert des Dollars schnell zurückgehen. Viele haben den Untergang des Dollars falsch vorhergesagt: doch nur weil es jetzt noch nicht passiert ist, heißt es nicht, dass es niemals geschieht.

Das amerikanische Handelsdefizit wird unterschätzt

Die amerikanische Bilanz beim Warenhandel und den Handelsleistungen scheint seit 2010 stabil zu sein. Darüber hinaus können die vom amerikanischen Zensus veröffentlichten Angaben zum Ergebnis führen, dass das amerikanische Defizit beim Handel innerhalb der letzten Jahre sogar ein wenig verringert wurde. Anders als der allgemein geltende Glaube, dass eine teure Währung den Export beschränken und den Import verbessern wird, eine hohe Anerkennung des Dollars hat in dieser kurzen Zeit das amerikanische Handelsdefizit nicht vergrößert. Das kommt daher, dass Ausländer bereit sind echte Produkte zu liefern, wie Rohöl und in China gefertigte Konsumgüter, im Austausch für eine geringere Anzahl gedruckter Dollarscheine.

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Obwohl die amerikanischen Behörden die Finanzmärkte überzeugen können, dass das Handelsdefizit unter Kontrolle ist, sind sie es nicht. Sehen wir mal, was hätte passieren können, wenn der Wechselkurs zwischen Dollar und Euro auf dem Niveau von September 2014 festgelegt worden wäre, kurz vor dem Euro Zusammenbruch.

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Man erkennt, dass das amerikanische Handelsdefizit aus deren Sichtweise anders ist, als das aus der europäischen. Zu Beginn der Periode war der Abstand zwischen der amerikanischen Handelsbilanz in Dollar und Euro gering. Hätte man das globale Rechnungswesen in dem Euro geführt, wäre das amerikanische Handelsdefizit dauerhaft am steigen gewesen.

Globale Zentralbanken halten den Dollar stark

Theoretisch, wenn ein Land ein dauerhaftes Handelsdefizit und einen freien Wechselkurs hat, muss es die ganze Zeit ausländische Währungen kaufen und gleichzeitig seine eigene Währung schwächen, so dass ein Import immer teurer wird (und ein Export immer günstiger), was bedeutet, dass die Handelsbilanz langfristig erreicht ist. Doch die Wirtschaftsregeln beziehen sich nicht auf die USA, deren Währung als globale Reserve gilt. Washington kann mit dem Defizit so lange durchhalten, wie lange andere Nationen an den Wert des Dollars glauben als auch bereit sind, die amerikanischen Staatsanleihen zu kaufen, womit die amerikanische Währung gestärkt wird.

Je mehr Geld die globalen Zentralbanken liefern, umso stärker wird der Dollar, denn der billige Yen oder Euro fördern die amerikanische Börse oder können in vertraute amerikanische Anleihen umgetauscht werden, solche mit mehr Gewinn als die Europäischen und die Japanischen. Die europäischen Anleger leihen sich freies Geld in Japan und Europa, tauschen das in den Dollar um und investieren das erneut in den USA, indem sie den Wert steigen lassen. Seit 2012 hat der Dollar gegenüber dem Euro seinen Wert gesteigert, von 1,3 auf 1,1 (ca. 20%). Dem Yen gegenüber ist der Wert des Dollars gestiegen, von 77 im Jahre 2012 auf 120 im Jahre 2015 (55%).

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Es gibt keine Anzeichen, dass niedrige Zinssätze und die QE (quantitative Lockerung, engl. quantitative easing) der Europäischen und der Japanischen Wirtschaft großartig geholfen hätten. Daher scheint der Verdacht, die Geldpolitiken der Zentralbanken seien koordiniert, um den Wert des Dollars und die Amerikanische Wirtschaft zu fördern, begründet zu sein. Jetzt, wo die EZB (Europäische Zentralbank) angefangen hat, Unternehmensanleihen zu kaufen, können Amerikanische Unternehmen von der EZB Geld im Nullsatz oder negativen Prozentsatz leihen, um die amerikanischen Staatsanleihen zu kaufen und dabei einen risikofreien Gewinn von 1,4 % zu machen. Wenn die „Musik“ der Zentralbank aufhört zu spielen, wird der Dollar an Wert verlieren und das amerikanische Handelsdefizit wird drastisch steigen. Ein schwacher Dollar verbessert die amerikanische Bilanz nicht, da die Großmacht zu viele permanente Ausgaben hat, wie einen großen Import oder militärische Ausgaben außerhalb des Landes.

Die Blase im Anleihemarkt ist die größte in der Geschichte, sie übertrifft die Blase des Immobilienmarktes von 2008. Das Halten der vom Dollar beherrschten Anleihen ist vielmehr zur spekulativen Investition geworden, als zu einem sicheren Zufluchtsort mit festem Einkommen. Wenn das FED (Federal Reserve System, engl. Federal Reserve) die Zinssätze erhöht, um den Dollar Abfluss zu verhindern, passiert das Gegenteil, so wie wir das im Februar beobachten konnten, als der Yen begonnen hat, seinen Wert zu steigern, nach der ersten Zinserhöhung des FED. Die neu ausgestellten Schulden werden höheren Gewinn haben, doch die vorhandenen Staatsanleihen, die von den Investoren gehalten werden, werden schnell herunterkommen.

Die CCT (Currency Carry Trade) statt der Fundamente

Es ist furchtbar beunruhigend, dass die unkonventionelle Geldpolitik, die von der BoJ (Bank of Japan) und der EZB verfolgt wird, das amerikanische Handelsdefizit vorantreibt. Die europäischen und japanischen Produzenten können zufrieden sein, dass sie immer mehr Wahren exportieren, die im Yen und Euro bezeichnet sind. Doch gleichzeitig müssen die europäischen und japanischen Investoren den Amerikanern immer mehr Geld leihen (hinsichtlich in Euro und Yen), um das amerikanische Handelsdefizit zu finanzieren.

In den absoluten Zahlungsbedingungen haben die Investoren das meiste Geld in den USA untergebracht, in dem Land, das eine Auslandsschuld von $19 Billion. hat. Spekulanten borgen das Geld billig von der EZB und der BoJ, um in den USA Anleihen zu kaufen. Der Unterschied in den Zinssätzen sorgt bei den Händlern für ein risikofreies Einkommen. Diese sogenannte CCT hat mit den zukunftssicheren Investitionen nichts zu tun, sorgt aber nach wie vor dafür, dass die Amerikaner ausreichend Yen und Euro haben, um das Geld in Japan auszugeben. Wenn die CCT stillgelegt wird, werden die Investoren ihr Geld in den Yen und Euro umtauschen wollen, um ihre Position zu schließen und als Resultat dessen wird der Dollar schnell an Wert verlieren. Man sieht, dass dies bereits mit dem japanischen Yen passiert ist, wie wir im Februar gewarnt haben.

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Ein permanentes Handelsdefizit kann nicht ewig weiter dauern. Wenn die Bevölkerung mehr verbraucht als herstellt, braucht sie einen Zufluss ausländischer Währung in Form von Investitionen oder Schulden, um die Zahlungsbilanz auszugleichen. Der amerikanische Auslandsvermögensstatus beträgt netto -39% des Bruttoinlandsproduktes, mehr als $5 Billionen, was heißt, dass die Amerikaner eine Nation von Schuldnern sind. Zum Vergleich hat Japan hohe Staatsschulden, doch sein Bruttoinlandsprodukt liegt netto bei +74,4%.

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Die amerikanische Staatsverschuldung liegt bei 105% und gemäß der Projektion über die Kanzlei des Budgets im Haushalt wird das amerikanische Defizit in den kommenden Jahren wieder dauerhaft steigen und dabei weiterhin die Staatsschulden erhöhen.

Das Öl im Auge behalten

Das Problem des Dollars wird nur schlimmer sein, weil die Ölproduktion in des USA dabei ist zu zerfallen. Seit 2009 ist die Ölproduktion von 5 Mbd (engl. million barrels per day – millionen Barrels täglich) auf 10 Mbd gestiegen. Jetzt ist die Ölindustrie dabei zugrunde zu gehen und die Produktion ist auf 8,5 Mbd zurückgegangen, so wie es im Oktober vorausgesehen war.

Der starke Rückgang bei der Ölproduktion wird das amerikanische Handelsdefizit erweitern. Sollte die Ölproduktion Amerikas auf 6 oder 7 Mbd zurückgehen, wird das Land weitere 3 oder 4 Mbd zu einem höheren Preis als $ 50 pro Barrel importieren müssen, was das Handelsdefizit sogar bis 27% erhöhen kann (wenn der Ölpreis zu 50% steigt) oder bis 44% (wenn sich der Ölpreis verdoppelt). In den Jahren 2006-2008, als der Ölpreis den Höhepunkt von 140 $ erreicht hat, hat das amerikanische Handelsdefizit $ 700 Bn. überstiegen.

Man kann nicht feststellen, wann genau der Dollar an Wert verlieren wird und ausländische Investoren miterleben werden, wie ihre amerikanischen Investitionen zugrunde gehen. Jedoch erkennen wir vier Schlüsselfaktoren, die zu folgendem Ablauf führen können:

  1. Japan und Europa haben eine älter werdende Bevölkerung, deren Mitglieder sich natürlich wünschen ihre Ersparnisse und Investitionen zurückzuerlangen statt Amerika mit mehr Kredit zu versorgen.

  2. China wird sich auf seinem Inlandsverbrauch konzentrieren und jeglichen Export billiger Ware nach Westen reduzieren. Der aktuelle Wertverlust des Yuans wird von Spekulanten und der jetzigen Kapitalabwanderung vorangetrieben.

  3. Die Ölproduktion in den USA ist dabei zu zerfallen, das Land wird den Import von einer größeren Menge Öl nach Westen wieder aufnehmen müssen, was nur noch teurer wird.

  4. Die Geldpolitik der EZB und der BoJ kann nicht ewig dauern, da die unkonventionelle Politik nicht als immerwährende Normalität funktionieren kann.

Die aktuelle Situation ist wirtschaftlich instabil und kann nicht ewig so andauern. Mit den Staatsschulden Amerikas und dem dauerhaft steigenden Budgetdefizit, dem immerzu wachsenden Handelsdefizit als auch den Schulden von 5 Billionen netto befindet sich der Dollar in einem beunruhigenden Zustand.

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