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Ist die amerikanische Schiefer-Revolution zu Ende? Schiefergasproduktion verzeichnet Abstieg wegen der sinkenden Zahl der Tiefbohrungen.

Der amerikanische Traum von der energetischen Unabhängigkeit wird wahrscheinlich nie wahr. Es begann mit der sinkenden Erdölförderung. Erdöl und Gas werden in den USA zu 50% von unkonventionellen Quellen gefördert, die Zahl der Tiefbohrungen befindet sich historisch auf einem Tiefpunkt. Die amerikanische energetische Unabhängigkeit schrumpft also und die Hoffnungen, dass Europa fließend mit Flüssiggas versorgt wird, lösen sich in Luft auf. Die USA bleiben Nettoimporteur der Energierohstoffe und es scheint, als würde es so bleiben.

Niemand will in Amerika die Träume von der energetischen Souveränität aufgeben. Den Enthusiasmus, den die Schiefer-Revolution auslöste, teilten auch die prominentesten Politiker, darunter auch Hillary Clinton, die während einer der Debatten im Wahlkampf der Wahrheit zuwider feststellte, dass die USA energetisch unabhängig seien.1)Hillary Clinton said America is energy independent. It is not, CNBC 2016-10-10.Die Unabhängigkeit war eher im Falle von Erdgas als im Falle von Erdöl möglich, und das Jahr 2016 wurde als das erste dargestellt, in dem die USA mehr Erdgas aus- als einführen sollten.2)The New U.S. Energy Era Will Be a Gas, USNews 2016-05-16.

Die Prognosen erwiesen sich leider falsch, weil es 2016 gar nicht einmal einen Monat gab, in dem die USA mehr Erdgas verkauften als einkauften und das während der Export des Rohstoffes in den letzten Jahren einen Anstieg verzeichnet hatte. (Daten bis September 2016, Quelle: EIA).

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Das Ende des Schiefer-Booms bedeutet, dass die Träume davon, dass Amerika unabhängig von Erdgaslieferungen vom Ausland (auch aus Russland) und dass es Flüssiggas nach Europa liefern wird, nicht realistisch sind. Die ungefähren Angaben der EIA (Energy Information Agency) zur Schiefergasproduktion zeigen, dass sie ihren Höhepunkt schon erreichte und dass der Abwärtstrend schon begann. Ebenso war es mit dem Erdöl, das mit dem Verfahren der hydraulischen Fakturierung gewonnen wurde.

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Natürlich könnte man hier das Fazit ziehen, dass die Erdgasförderung schnell erhöht wird, wenn der Erdgaspreis nun ansteigt. Es ist aber nicht so offensichtlich, wenn man in Betracht zieht, dass die amerikanischen Förderunternehmen in den letzten Jahren die Zahl der Erkundungsbohrungen stark begrenzten, und die sind unentbehrlich, damit neue Bohrlöcher erschlossen werden können.

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Außerdem ließen die Förderunternehmen eigentlich nur die horizontalen Bohrlöcher (in Schiefern) weiterfunktionieren. Obwohl sie viel effizienter von den vertikalen (klassischen) Bohrlöchern sind, ist ihre Erschließungszeit viel kürzer, das heißt: die Schiefergasförderung muss sinken.

Bald kann das Schaubild zur Schiefergasproduktion so aussehen:

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Das Problem mit dem Schiefergas ist gleich wie mit dem Erdöl – die Hälfte davon wird in den USA gefördert. Die Schiefer sind also ausschlaggebend für die gesamte Rohstoffproduktion. Die eventuell anstehenden Mängel an Rohstoffen lassen sich nicht in kurzer Zeit durch konventionelle Quellen ersetzen, weil die weniger effektive horizontale Förderung bei so einer niedrigen Zahl der Bohrlöcher nicht genügen wird, um das gegenwärtige Fördervolumen zu gewährleisten.

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Demzufolge kann die amerikanische Gasförderung in der nächsten Zukunft, vielleicht in ein paar Jahren, auf das Niveau von 2006 sinken. Die USA kann also unmöglich zu einem Global Player auf dem Erdgasmarkt werden, auch wenn die Nachfrage nach dem Rohstoff im Inland nicht mehr so schnell ansteigt wie früher.

Bei einem täglichen Verbrauch von 75 Milliarden Kubikfuß (im Durchschnitt pro Jahr) und dem Abstieg der Tagesproduktion von 90 auf 60-70 Milliarden Kubikfuß, ist keine andere Lösung in Sicht, als Begrenzung des Exports und Erhöhung des Imports.

References   [ + ]

1. Hillary Clinton said America is energy independent. It is not, CNBC 2016-10-10.
2. The New U.S. Energy Era Will Be a Gas, USNews 2016-05-16.

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