Die Enthüller der verdrehten Fakten entpuppen sich als Fake-News-Autoren.

Wenn die westlichen globalistischen Eliten sich heutzutage mit ihren politischen Gegnern abrechnen wollen, beschuldigen sie sie, dass sie zum Opfer der Fake News der russischen Propaganda wurden. Zu diesem Zweck werden die Aussagen der populären Politiker analysiert, um aufzuzeigen, dass sie von Grund auf lügnerisch sind, dass also, anders gesagt, die Globalisten einen Alleinanspruch auf die Wahrheit haben. Es ist ein Attentat der Eliten, die sich selber liberal nennen, doch keine andere politische Meinung ertragen können, auf die Grundfreiheiten.

Wir stoßen letztens auf einen Artikel über Überprüfung der Nachrichten und verdrehten Fakten von Oscar Barrer, Sergei Guriev, Emeric Henry und Ekaterina Schurawska, der bei voxeu.org veröffentlicht wurde, einem Portal des Forschungszentrums für Wirtschaftspolitik.1)Fake news and fact checking: Getting the facts straight may not be enough to change minds, Voxeu.org 2017-11-02.Der Artikel bezog sich auf die Aussage der „populistischen” Kandidatin in den französischen Präsidentschaftswahlen Marine Le Pen, die behauptete, dass 99% der illegalen Migranten, die nach Deutschland über Ungarn und andere Länder kommen, Männer sind. Dies wurde von den Autoren des Artikels überprüft und sie behaupteten, dass “laut Angaben des Hohen Kommissars der Vereinten Nationen für Flüchtlinge, (…)Männer lediglich 58% der Flüchtlinge darstellten, die übers Mittelmeer kamen”. Des Weiteren kann man im Artikel lesen, dass Marine Le Pen sich “alternativer Fakten” bedient habe, die als falsch entpuppt werden sollten. Hinzu bedauern die Autoren, dass die Wählerschaft ihre Meinung nicht ändert, auch wenn sie die Wahrheit kennenlernte.

Methodologische Fehler und alternative Fakten

Lassen Sie uns die Redlichkeit der Enthüller der echten Fakten unter die Lupe nehmen. Die von den Autoren angeführten Daten stimmen, beziehen sich doch nicht auf die gesamten Migranten.2)Refugee/Migrants emergency response – Mediterranean, UNHCR 2016-01-26.Die statistische Methodologie des Hohen Kommissars für Flüchtlinge, teilt Migranten, aus unbekannten Gründen, in 3 Kategorien ein: Männer, Frauen und Kinder.


“Kinder” sind doch kein Geschlecht. Diese 58%, die von den Autoren des Artikels zitiert werden, beziehen sich nur auf die Erwachsenen exklusive 25% der Minderjährigen. So betrachtet der Hohe Kommissar der UNO für Flüchtlinge die Migranten und er hat Recht dazu. Wenn doch die erwähnten Autoren sich die Proportionen zwischen den Männern und Frauen anschauten, um auf diese Weise die Behauptung von Marine Le Pen in Frage zu stellen, dann gingen sie falsch an die Sache heran. Sie hätten auf die Quelle zurückgreifen sollen, die die Zahl der Jungen und Mädchen in der Kategorie „Kinder” angibt.

Wir machten es für sie.

Pew Research Center, anhand der Daten von Eurostat, informiert, dass “2015 die Männer fast drei Viertel (73%) der Asylbewerber in Europa darstellten.”3)Number of Refugees to Europe Surges to Record 1.3 Million in 2015, Pew Research Center 2016-08-02.Wenn man also die Kategorie der Minderjährigen miteinbezieht, und die Kategorie wäre besser als die Bezeichnung „Kinder”, dann stellt es sich heraus, dass es sogar 72% der Männer sind. Wir überprüften dies. Dieselbe Zahl gibt The Economist an,4)Oh Boy, The Economist 2016-01-16.und betont, dass je jünger die Altersgruppe ist, desto zahlreicher ist das männliche Geschlecht.

Die von den Autoren des Artikels gewählte Quelle gibt also nicht die Gruppe der Migranten an, wo der Anteil der Männer am höchsten ist, was das Bild der Realität entstellt. Indem die Autoren Marine Le Pen es beschuldigten, sich der “alternativen Fakten” zu bedienen, taten sie dasselbe.

Denkfehler und Mangel an der intellektuellen Redlichkeit.

Marine Le Pen bauschte mit Absicht auf , um die Differenz zwischen den Männern und Frauen im Migrantenfluss von 2015 deutlich zu machen. Sie tut das, um Zuhörer anzusprechen. Wenn man die Daten überprüft, beträgt die Proportion zwischen Männern und Frauen 3:1. Die Differenz ist also deutlich. Marine Le Pen hatte einen guten Grund zu übertreiben. Die erwähnten Autoren aber keinen. Sie verstanden wörtlich das, was mit Absicht übertrieben dargestellt wurde, und erlaubten sich selbst eine noch gröbere Ungenauigkeit. Marine nahm Bezug auf Ungarn und sprach vom Migrantenfluss in Osteuropa, und das ist nur eine der drei Routen der Migranten.

Die erwähnten Autoren greifen auf die Daten des Hohen UN-Kommissars zurück, und die beziehen sich auf das ganze Mittelmeer, also auf alle Routen, nicht nur auf die, von der Le Pen sprach. Die Daten von allen Migrationsstraßen übertragen sie auf eine (die östliche). Was noch schlimmer ist: sie tadeln Marine Le Pen dafür, dass sie „solche Schlussfolgerungen zieht, die sie sich wünscht”: die Migranten kamen aus finanziellen Gründen und nicht wegen ihrer Sicherheit. Doch zwei Zeilen oberhalb bezeichnen sie den ganzen Menschenstrom als “Migranten, die 2015 übers Mittelmeer fahren”, ziehen also selber „gewünschte Schlussfolgerungen”. Wenn Le Pen sagt, dass das Wirtschaftsmigranten sind, behaupten die erwähnten Autoren, und irren sich ebenso wie Le Pen, dass die Flüchtlinge nach Europa kamen, da sie sich um ihr Leben und ihre Gesundheit fürchteten und somit implizieren sie, dass ihnen Asyl zuerkannt wurde.

Die Daten von Eurostat vom Jahr 2015 zeigen, dass Asylanträge im ersten5)Asylum Quarterly Report Q1 2015 p.10, Eurostat.und im zweiten6)Asylum Quarterly Report Q2 2015 p.10, Eurostat.Quartal zu 46% und im vierten Quartal sogar zu 60% anerkannt wurden.7)Asylum Quarterly Report Q4 p.10, EurostatDaraus ist zu schließen, dass wir mit einer Mischung der politischen und Wirtschaftsmigranten haben.

Fazit

Die hier besprochene Überprüfung der Fakten ist nicht frei von Denkfehlern (keine Differenzierung unter den Asylbewerber zwischen Wirtschaftsmigranten und Flüchtlingen und Anordnung aller in eine Kategorie – der Flüchtlinge), geographischen Ungenauigkeiten (Daten für das ganze Mittelmeer werden als die Daten für die osteuropäische Migrationsroute gedeutet) und unvollständigen Daten (es werden die Daten des hohen UN- Kommissars gewählt, wo nichts über Geschlecht der Minderjährigen steht). Die Überprüfung der Fakten ist mit denselben Fehlern behaftet, die Marine Le Pen zugeschreiben werden.

Die Krönung der Ironie erreichen die Autoren, wenn sie zugestehen, dass ihre Verifikation der Fakten die Ansichten der Wählerschaft nicht beeinflusst (wie kann das möglich sein, wenn sie selber falsch ist?) und wenn sie fordern, dass “in Reden eines charismatischen Politikers die richtigen Fakten mit überzeugenden Argumenten und Schlussfolgerungen angeführt werden sollten.”.

Was brauchen wir denn eigentlich? Die Narration eines “charismatischen Politikers”? Die Menschen, die die populistische Wählerschaft dafür tadeln, dass sie einen standhaften Führer fordert, suchen selbst nach einer charismatischen Persönlichkeit!

Zum Glück können wir immer noch die uns aufgezwungene Interpretation der Realität überprüfen. Würde die EU-Führung ihr Orwellsches Ministerium für Wahrheit durchsetzen, dann wären kleine Lügen, die wir oben schilderten, eine Bagatelle im Vergleich dazu, was auf uns noch zukommen kann.

References   [ + ]

1. Fake news and fact checking: Getting the facts straight may not be enough to change minds, Voxeu.org 2017-11-02.
2. Refugee/Migrants emergency response – Mediterranean, UNHCR 2016-01-26.
3. Number of Refugees to Europe Surges to Record 1.3 Million in 2015, Pew Research Center 2016-08-02.
4. Oh Boy, The Economist 2016-01-16.
5. Asylum Quarterly Report Q1 2015 p.10, Eurostat.
6. Asylum Quarterly Report Q2 2015 p.10, Eurostat.
7. Asylum Quarterly Report Q4 p.10, Eurostat

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