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EU-Chef Juncker feiert den Geburtstag von Karl Marx und lässt sich von Chinesen sponsern

Der Atheist und Gründungsvater des Kommunismus wurde neulich in einer europäischen Kirche verehrt und sein Denkmal wurde von China gesponsert. Verstehen die Europäer die Bedeutung dieses Ereignisses?

Vor einigen Tagen hielt der Vorsitzende der Europäischen Kommission Jean-Claude Juncker (der EU-Apparatschik, der so viele Auszeichnungen und Preise erhielt,1)Liste der Auszeichnungen und Preise. Wikipedia. dass es an die Sammlung der Orden vom Genossen Leonid Breschnew, des ehemaligen Sekretärs des Zentralkomitees der Sowjetunion erinnern lässt) eine Rede zur Erinnerung des 200 Geburtsjubiläums von Karl Marx in der Konstantinbasilika in Trier und enthüllte eine riesige Statue des führenden Ideologen der linken Bewegung. Die Statue wurde von China– ausgerechnet von diesem Land, unter so vielen in der Welt – geschenkt2)Germany unveils statue of Karl Marx in his hometown, Euronews 2018-05-05. und vom chinesischen Künstler Wu Weishan gehaut3)Bronze statue of Karl Marx unveiled in hometown, China Daily 2018-05-06. Dem Ereignis ist eine besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Uns muss einiges bewusstwerden:

Erstens: der linksorientierte Redner, der EU-Kommissar (die Minister der Sowjetunion wurden auch Kommissare genannt und erfüllten in den ersten Jahren der Sowjetunion die Funktion eines kollektiven Diktators, ebenso wie die Anführer der Pariser Kommune von 1871) nutzte die Trierer Basilika, einen der wichtigsten christlichen Tempel, um einen Atheisten in den Himmel zu heben, der als ein Mann in die Geschichte einging, der die Religion als Opium des Volkes und Opium fürs Volk bezeichnete.

Zweitens: seit Anfang der neunziger Jahren wird Karl Marx weder in Russland, noch in keiner ehemaligen Sowjetrepublik verehrt, noch in keinem der osteuropäischen Ländern, die ehemals Moskau gehörten. Mehr noch: die Statuen von Karl Marx, Friedrich Engels und Wladimir Lenin (die un-heilige Dreifaltigkeit des Kommunismus), mit denen die osteuropäischen Städte, ihre Straßen und Plätze geschmückt waren, die auch nach ihren Namen benannt wurden, wurden nach der Wende gestürzt und die Namen der Straßen und Plätze umbenannt (obwohl die Statuen von Lenin weiterhin in Russland zu sehen sind).

Es stellt sich also heraus, dass die ideologische Polarisierung sich um 180 Grad veränderte. Nein, der Westen war kein einheitlicher rechtsorientierter Block, sogar nicht mal im kalten Krieg: die marxistischen Bewegungen und kommunistische und sozialistische Parteien (besonders in Frankreich und in Italien) lebten da wie die Made im Speck, und seit dem Jahr 1968 schockierte der im Westen verbreitete Moralkodex sogar die kommunistischen und sozialistischen Genossen von Ostberlin bis nach Moskau, von Warschau bis nach Sofia. Ja, die osteuropäischen Kommunisten, obgleich selbst Atheisten, lebten nach den Regeln der christlichen Moral, was bedeutete, dass z.B. eine Scheidung unter den wichtigsten Mitgliedern der Partei nicht in Frage kam, und sexuelle Abartigkeiten, die von solchen Menschen wie Herbert Marcuse (dem Autor von “Eros und Zivilisation”) verbreitet wurden, abgelehnt und verachtet wurden.

Nichtsdestoweniger erwarteten die Osteuropäer nach dem Zweiten Weltkrieg Hilfe und Hoffnung vom Westen und lebten in der Überzeugung, dass in Rom, Paris oder London ihre Brüder mit rechtsorientierten, kapitalistischen und christlichen Anschauungen wohnen. Ganz Gegenteil – die Intellektuellen im Westen priesen das kommunistische System, wobei sie in dem System nicht leben, ja sogar die Länder unter dem Joch des Kommunismus nicht besuchen wollten. Es stimmt, dass manche Intellektuellen im Westen enttäuscht waren, als die Sowjetunion den ungarischen Aufstand niederschlug und die Tschechoslowakei zerschmetterte, aber auch sie wollten nur den Sozialismus reformieren und nicht dagegen kämpfen. Ja, die westlichen Intellektuellen waren Marxisten und zwar dermaßen, dass sie die polnischen Arbeiter, die polnische Arbeiterklasse (!) nicht verstanden, die sich gegen das beste System, das Menschheit kennt, wehrte, unter den nationalen Fahnen und in der Begleitung der dazu gehörenden, christlichen (Opium des Volkes und Opium fürs Volk) Symbolik, obwohl sie in den 80-er die „Solidarnosć“ unterstützten. Die Intellektuellen im Westen wurden mit Nachrichten aus Polen konfrontiert: die streikenden Arbeiter stellten Kreuze auf, luden Priester ein und beteiligten sich an katholischen Messen. In der Tat unterstützen die westlichen Intellektuellen die polnische Protestbewegung „Solidarnosć“, sie waren jedoch nicht gegen den Sozialismus: sie waren gegen den Sozialismus im sowjetischen Stil, und um ihn zu bekämpfen, waren sie bereit, die nationalen und religiösen Gefühle, die sie verachteten, als Werkzeug auszunutzen. Solange diese Gefühle für sie nützlich waren. Nach der Wende lehnte die EU erneut den Patriotismus und die Religion ab. Andererseits schauten sich manche aufmerksamere Intellektuelle in Osteuropa mit Erstaunen die Nachrichten, die ihnen in ihren eigenen Ländern eingetrichtert wurden: französische oder italienische Gewerkschaften protestierten im Meer roter Fahnen, die in Osteuropa so gehasst sind.

Nun wurden die zwei polarisierten Teile Europas in einem Superstaat vereint. Im Osten gehören die rote Fahne, das Wort Sozialismus und die Gestalt Marx’ zur furchtbaren Vergangenheit; im Westen sind die Symbole ein Teil des neuen Glaubensbekenntnisses, das lediglich “ein menschliches Gesicht” braucht, weil, wie es Jean-Claude Juncker während seiner Rede in der Trierer Basilika formulierte: “Heutzutage wird er [Marx] dessen beschuldigt, wofür er nicht verantwortlich ist und was er nicht bewirkt hat, und zwar aus dem Grund, dass Vieles, was er schrieb, ins Gegenteil redigiert wurde.”4)Germany unveils statue of Karl Marx in his hometown, Euronews 2018-05-05.

In den Jahren 1945 – 1989 wurde den Osteuropäern eingeprägt, dass Marxismus eine schöne Idee ist. Ihnen wurde eingeredet, dass Ungerechtigkeit, Mängel, Leben in Angst, wirtschaftlich und sozial sinnlose Maßnahmen nur vorübergehende Schwierigkeiten, Verdrehungen der wunderbaren Theorie sind. Von Zeit zu Zeit sagte man, dass die marxistische Praxis Reformen benötigt, “neu redigiert” werden muss, einen akzeptableren, menschlicheren Charakter haben muss. Und sieh mal einen an! – Jean-Claude Juncker sagt uns heute dasselbe!

Übrigens: dürfte man dasselbe über Alfred Rosenberg, einen der wichtigsten Ideologen des Nationalsozialismus, der später in Nürnberg verurteilt wurde, und über seinen intellektuellen Beitrag behaupten?

So ein Ereignis, wie dieses in Trier, ist ein Zeichen der Zeit, das man wahrnehmen muss. Medien, auch in Osteuropa, berichteten über die Rede Junckers und über die Enthüllung des Denkmals. Begriffen doch die Journalisten und ihre Leser ganz, wie gewichtig das Ereignis war?

– Die kommunistische Volksrepublik Chin widmet ein riesiges Denkmal dem Oberrabiner des Kommunismus( Großvater von Marx war Oberrabiner in Trier.5)Heinrich Marx, Wikipedia);
– ein Teil der Feierlichkeiten zur Verehrung des Gründervaters des Kommunismus findet in der Konstantinbasilika (bekannt auch als Aula Palatina) statt, die das alles symbolisiert, was Kommunisten verachten (Römisches Recht, christliche Moral, den griechischen Begriff der Wahrheit).

Vor 150 Jahren wurden die Ideen von Marx von den meisten anständigen, durchschnittlichen Europäern mit Abscheu abgelehnt, egal zu welcher Gesellschaftsschicht sie gehörten. 150 Jahre später werden ihre Abkömmlinge erfolgreich wieder neu gelehrt und akzeptierten die neue Weltordnung; sogar die nicht zahlreichen Osteuropäer, die weiterhin Unruhe im Zusammenhang mit dem Kommunismus empfinden, sind zu käuflich, zu sehr auf Luxus erpicht, die für sie der Westen in der Hinterhand hat, um einen größeren Widerstand zu leisten. An der Stelle will man Klassiker zitieren: sie haben Augen und sehen nicht, sie haben Ohren und hören nicht. Auch die zahlreichen Bischofskonferenzen in Osteuropa und der Papst selbst wollen das nicht hören und nicht sehen.

Die marxistischen Ideen existieren nach der Verwandlung wie Metastasen in Form der Ideologie der offenen Gesellschaft, der Frankfurter Schule, der LGTB-Bewegung (und dem Rest des Alphabets), des Feminismus und des ethnischen Austauschs (d.h. des Importes des neuen Proletariats aus der Dritten Welt, die eine neue Basis für die Macht der europäischen Linken schafft, gegen die angeblich zu sehr rechtsorientierten, zu konservativen und zu bürgerlichen Weißen) und beherrschen Europa mit Übereinstimmung mit den Regeln des Kommunistischen Manifestes, dessen Autor Karl Marx war, in dem wir lesen, dass

“Die Nationen (…)sich miteinander vermischt (…) und auf diese Weise zerschmolzen werden müssen”, und “die traditionelle Ehe, die im Privatbesitz verankert ist, ihre Grundlagen verlieren wird “. “Religionen werden nicht mehr nötig sein”, die Industrie wird “einen Weltmarkt schaffen [, der] die Nationen in der Welt so stark miteinander verbinden wird (…), dass keine von ihnen unabhängig sein wird davon, was mit den anderen passiert”.

Das Manifest wurde teilweise realisiert und es wird ständig daran gearbeitet. Willkommen in der neuen schönen Welt!

References   [ + ]

1. Liste der Auszeichnungen und Preise. Wikipedia.
2. Germany unveils statue of Karl Marx in his hometown, Euronews 2018-05-05.
3. Bronze statue of Karl Marx unveiled in hometown, China Daily 2018-05-06.
4. Germany unveils statue of Karl Marx in his hometown, Euronews 2018-05-05.
5. Heinrich Marx, Wikipedia

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