Der europäische Blickwinkel. Auf dem Weg in die Welt von Morgen.




Versklavung von Menschen durch Schulden ist eine perfekte Versklavung

Wenn es der amerikanischen Wirtschaft so gut geht, warum wurde FED während der letzten Sitzung auf einmal so mild in ihrer Rhetorik? Bei der vorherigen Sitzung im März war keiner der Mitglieder des FOMC-Komitees bereit Zinssätze zu erniedrigen, nun sind es 7 Mitglieder, die billiges Geld auf den Markt pumpen wollen. Vielleicht war das Reaktion auf die Rede Draghis in Vilnius, in der der EZB-Chef weitere Anleihekäufe ankündigte und erklärte, dass er „alle möglichen Mittel anwenden wird“,um die europäische Wirtschaft anzukurbeln, bevor seine Amtszeit im Herbst endet.1)Mario Draghi prepares fresh stimulus as economic fears grow, Financial Times 2019-06-06.

Es sieht danach aus, dass Währungskriege andauern werden und die Zentralbanken weiter miteinander in der Lockerung ihrer Politik wetteifern werden. Die Märkte freuen sich darüber, Aktienkurse in den USA verzeichnen neue Rekorde. Für die europäischen Bürger ist die Ansage Draghis doch eher eine Bedrohung ihrer Ersparnisse. Wenn die EZB die Minusverzinsung einführt, werden die Summen auf ihren Konten langsam aber sicher schmelzen. Darüber warnten wir mehrmals.2)Gläserne Bürger, Minuszinsen und andere verrückte Ideen der Wirtschaftsexperten, Gefira 2017-12-15.Davon, dass es auch den amerikanischen Bürgern gar nicht so gut geht, zeugen die Daten vom Einzelhandel und von Bestellungen in der Industrie. Noch im April, also vor den neuen Schritten Trumps im Handelskrieg schnitten sie sehr schwach ab. Wieso denn eigentlich? Die Arbeitslosigkeit ist ja auf dem niedrigsten Niveau seit 50 Jahren, Inflation ist niedrig und amerikanische Unternehmen zahlten im ersten Quartal rekordhohe Dividenden aus. Trotzdem sind die Konsumenten nicht willig viel auszugeben. Es ist so, weil trotz der Vollbeschäftigung die Löhne nicht erhoben werden. Ein weiterer Faktor ist die riesige Verschuldung der Amerikaner. Ein Beispiel: lediglich die Schulden, die mit Kreditkarten gemacht wurden, betragen 1 Billion Dollar! Der Punkt ist: die Verzinsung der Kredite bleibt in den USA niedrig, die Verzinsung der Kreditkarten wächst aber und beträgt im Moment im Durchschnitt 17% jährlich. Das heißt, dass Amerikaner jedes Jahr 170 Mrd. Dollar Zinsen bezahlen müssen!

Die Märkte ignorieren diese Tatsachen wie auch die seit vielen Monaten sinkenden PMIs (Purchasing Managers’ Index – Frühindikatoren für wirtschaftliche Aktivität) in der EU, was beweist, dass die Konjunktur auf dem Alten Kontinent schwächelt. Außerdem wächst die Diskrepanz zwischen den Aktienkursen und Rohstoffpreisen. Wenn die amerikanische Wirtschaft blüht und die europäische sich dank der „wohltuenden“ Politik Draghis erholt, sollten auch die Rohstoffe sich verteuern, oder?


Was aber immer teurer wird, sind Kryptowährungen. Vielleicht sind sie zu einem neuen sicheren Hafen in der Welt der „geschwächten“ traditionellen Währungen geworden? Etwas stimmt mit dieser Hausse nicht: entweder irren sich die Aktienmärkte oder die Zentralbanken.

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References   [ + ]

1. Mario Draghi prepares fresh stimulus as economic fears grow, Financial Times 2019-06-06.
2. Gläserne Bürger, Minuszinsen und andere verrückte Ideen der Wirtschaftsexperten, Gefira 2017-12-15.

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