Der europäische Blickwinkel. Auf dem Weg in die Welt von Morgen.




Libra – die globale Währung

Es gibt drei Dinge, mit denen man eine Gemeinschaft, eine Nation, einen Staat oder den ganzen Planeten kontrollieren kann: (i) Ideologie, (ii) Information und (iii) Geld. Sie sind miteinander verwoben und untrennbar. Ideologie ist eine Einstellung, die es ermöglicht oder verhindert, Geld zu verdienen. Erinnern Sie sich bloß an das mittelalterliche Verbot, das nur für Christen, aber nicht für Juden galt, an Zinsen zu gewinnen oder – wie es genannt wurde – Wucher zu treiben. Einige konnten Gewinne anhäufen, andere nicht, abhängig von der Ideologie, an der sie festhielten. Informationen sind auch eine Grundvoraussetzung, um Geld zu verdienen: Wer mehr und früher weiß, was auf dem Markt passieren wird, siegt. Sowohl die Ideologie – insbesondere ihre Verbreitung und Durchsetzung durch das Gesetz – als auch der Zugang zu den Informationen oder Sicherung ihrer Exklusivität erfordern Geld. Eine Menge Geld. Kein Wunder also, dass Geld immer gefragt war und der Mensch seit jeher nach Möglichkeiten sucht, es kostenlos oder mit geringen Kosten zu multiplizieren.

Als Gold Geld bedeutete, setzten die Herrscher Alchemisten ein, um gewöhnliche Metalle in die kostbare zu verwandeln. Als Geld in Form von Papier auftauchte, entwickelten die Banker das Mindestreserve-Bankwesen: Sie kamen auf die Idee, Geld zu multiplizieren, ohne kostspielige und komplizierte Methoden anwenden zu müssen, um ein Metall in ein anderes umzuwandeln. Alles, was sie tun mussten: die Benutzer von Geld zu überzeugen, dass auf Zetteln oder in Büchern gebuchte Beiträge für echten Wert standen. Gegenwärtig ist die Zeit für digitales Geld gekommen, d.h. für elektronische Impulse und elektronische Bücher.

Wie auch immer Geld geschaffen wird, wir tanzen nach der Pfeife derjenigen, die die Macht haben. „Gebt mir die Kontrolle über die Währung einer Nation, und es ist mir gleichgültig, wer die Gesetze macht!“, sind die Worte, die einem der Rothschilds zugeschrieben werden. Ein Bankier führt das Hauptbuch, in dem steht, wie viel seine Kunden anderen Kunden oder Banken schulden, und derselbe Bankier schafft das Geld und nimmt einen Teil davon als seine eigene Vergütung. Er ist der wahre Herrscher! Er nimmt eine Position ein, die viele andere gerne übernehmen würden. Ein Finanzier kann den Zusammenbruch eines anderen Finanziers verursachen, ihn aus dem Finanzmarkt entfernen oder sein Vermögen übernehmen. Wenn dies zu kostspielig oder nicht möglich ist, kann einer auf die Idee kommen, eine Alternative zu Geld zu schaffen. Die moderne Technologie ermöglicht, wie oben gesagt, Geld ohne Verwendung von Papier, Tinte, Wasserzeichen, Tresoren, in denen es aufbewahrt, zu schaffen. Auch keine Kette kleiner Bankgebäude oder Geldautomaten muss nicht mehr betrieben werden, um Geld physisch für jeden verfügbar zu machen. Moderne Technologie ermöglicht es, Geld zu verdienen und es zu verteilen, ohne alle diese Probleme der alten Banker. Moderne Technologie ermöglichte die Entstehung des Kryptogeldes, der Kryptowährung.

Bislang war der Bitcoin die bekannteste. Angeblich unabhängig von einer Regierung, angeblich dezentralisiert geschaffen, verteilt und ausgetauscht nach einem bestimmten Algorithmus, der Betrug und Inflation verhindern soll. Bitcoin hat Aufwind erhalten. Schauen Sie sich nur die zahlreichen Websites, die diese Währung in ihren Abrechnungen akzeptieren. Bitcoin hat den Weg geebnet. Seine Entwicklung muss von Unternehmern, Finanziers und Regierungen genau beobachtet worden sein. Er hat sich bewährt und seine Nachteile wurden aufgedeckt. Eine davon ist die traurige Tatsache, dass der Wert von Bitcoin über kurze Zeiträume erheblich schwenken kann. Der andere ist die Tatsache, dass er von einer großen Anzahl von Markteinrichtungen anerkannt werden müsste, um zu einem echten globalen Tauschmittel aufzusteigen. Wenn jemand auf die Idee einer neuen besseren Kryptowährung käme, dann sollte sie solche Nachteile nicht haben.

Am 18. Juni 2019 kündigte Mark Zuckerberg die Einführung einer neuen digitalen Währung im Jahr 2020 an.1)A simple global currency and financial infrastructure that empowers billions of people, Welcome to Libra.Man könnte sagen, es ist ein Facebook-Pendant von Bitcoin, das als Libra bezeichnet wird. [Libra ist übrigens der lateinische Name für die britische Währung, das Pfund (daher die Abkürzung £), für die Gewichtseinheit (daher die Abkürzung lb) und für das Sternzeichen.] Die Erfinder von Libra sagen, dass sie diese Währung einführen, weil sie damit Finanzabwicklungen rund um den Globus so einfach wie das Versenden von Textnachrichten machen wollen. Warum sollte diese neue digitale Währung dem Bitcoin vorgezogen werden? Zumindest aus drei Gründen.

Erstens richtet sich Libra in erster Linie an Facebook-, WhatsApp-, Instagram- und Messenger-Nutzer, was von Anfang an eine sehr große Klientel verspricht.
Zweitens wird der Wert von Libra durch das Anfangskapital ihrer Gründer (von denen später) in Form einer Reserve bestimmt, die sich aus dem Korb der weltweit führenden Währungen (Dollar, Pfund, Euro und Yen) und der kurzfristigen Staatsanleihen zusammensetzt. Diese Reserve wird vom Libra Association Council verwaltet, einem Verwaltungsorgan, das ins Leben berufen werden soll.
Drittens wird die Libra von etwa zwanzig Unternehmen beaufsichtigt, deren Teilnahme am Projekt das Anfangskapital oder die Anfangsreserve sichert (ein Teilnehmer muss mindestens 10 Millionen US-Dollar einbringen), und die die Zahl dieser ernsthaften Marktteilnehmer, die Abwicklungen in dieser Währung akzeptieren, soll erhöht werden. Zu den Gründungsmitgliedern zählen MasterCard, PayPal, Visa, eBay, Lyft und Spotify. Die Liste ist noch nicht geschlossen. Bitcoin ist ganz anders. Keine Reserve, kein Vorstand, keine Mitwirkenden.

Worum geht es eigentlich in dem ganzen Unternehmen? Die Erklärung, dass Libra geschaffen wurde, um den Menschen, insbesondere in den Entwicklungsländern, zu dienen, hört sich gut an, und vielleicht ist es das, was damit beabsichtigt ist. Ob es so funktionieren wird, wird die Zeit zeigen. Sicher ist eins:

1. Um Libra zu kaufen, muss man in das System echte Währungen einzahlen, die von der Libra Association kumuliert werden. Unter Berücksichtigung von 2,7 Milliarden Nutzern von Facebook, WhatsApp, Instagram und Messenger ergibt sich daraus ein beachtlicher Betrag.

2. Auch wenn für finanzielle Abrechnungen eine geringe Provision erhoben wird, so ergibt sich aus diesen geringen Beträgen – ebenfalls unter Berücksichtigung von 2,7 Milliarden Nutzern – eine ganze Menge Geld.

3. Abrechnungen in der Libra können von einem Staat nicht besteuert werden, was – falls die Währung an Popularität gewinnt – die nationalen Finanzen untergraben oder neue Gesetze, die sich dagegen richten, mit sich bringen kann. Gegenwärtig zeigt sich die Europäische Union in Bezug auf das Projekt distanziert, ebenso wie die Vereinigten Staaten, während Russland bereits angekündigt hat, die neue Währung zu verbieten.

4. Die Einbringungen von Libra-Nutzern werden von Libra Association Council mit Hauptsitz in Genf genutzt, um sie zu investieren und Gewinne zu erzielen. Die Gewinne werden aber mit den Libra-Nutzern nicht geteilt.

5. Wenn die Libra als eine globale digitale Währung unabhängig von nationalen Regierungen erfolgreich sein wird, wird sie die Macht der Multis stärken, mit allen damit zusammenhängenden Konsequenzen. Werden wir Zeuge des Aufkommens neuer Staatstypen sein, die nicht an ein Gebiet gebunden sind, der Staaten, wo andere Prioritäten bestehen als Blut, Sprache, Kultur und Glaubensbekenntnisse, und deren Grenzen so fließend sind wie die digitalen Hauptbücher?

Auch wenn die Libra versagt, ist der Trend immer sichtbarer. Die Entstehung anderer Währungen als der offiziellen ist eine Tatsache, und jede neue Währung ebnet den Weg für eine weitere, deren Schöpfer aus den Fehlern ihrer Vorgänger lernen. Zugegeben, die Regierungen sind entweder vorsichtig oder sogar dagegen, aber das mag von geringer Bedeutung sein. Wir alle erleben die Schwächung der nationalen staatlichen Behörden – Schritt für Schritt verzichteten sie auf die Todesstrafe, dann auf die Geldschöpfung (die im Falle der EU grenzüberschreitend oder im Falle der US-Banken privat ist), anschließend auf Grenzschutz und letztens sogar auf die Strafverfolgung (die zunehmend privaten Sicherheitsunternehmen überlassen wird). Warum sollten die Regierungen in solcher Lage auf einmal genug Kraft finden, um einer erfolgreichen Kryptowährung effektiv entgegenzutreten? Umso mehr als die Entscheidungsträger in der Welt der Weißen seit langem unter dem Bann neuer liberaler Ideologien stehen, die sie zwingen, sich gegen Interessen ihrer eigenen Nationen zu wenden. Die Tatsache, dass jemand wie George Soros das Wort im Parlament der Europäischen Union hat, obwohl er weder Präsident noch Ministerpräsident, weder Minister noch Botschafter eines EU- oder eines anderen Landes ist, zeigt, dass Geld – nicht die Demokratie – Macht ist und dieses Geld vielleicht Regierungen auf wundersame Weise passiv und machtlos angesichts einer an Macht gewinnenden Kryptowährung macht. Denken Sie an die merkwürdige Ohnmacht der europäischen und amerikanischen Regierungen, die ein Land auf seinen eigenen Wunsch bombardieren können, und das „Problem“ der Migranten aus der Dritten Welt nicht zu lösen imstande sind.

Wenn also mächtige Masterminds (wer sonst?), die hinter Libra stehen, von der Einführung dieser digitalen Währung nicht enttäuscht werden, werden sie sowohl die amerikanische als auch die europäischen Regierungen dazu verpflichten, Libra so zu akzeptieren, wie sie ist. So wie sie auch die Regierungen dazu bringen, die Migranten aus aller Welt aufzunehmen.

Die so genannte Facebook-Münze wird breit kritisiert und viele erinnern sich dabei an die geringe Vertrauenswürdigkeit der Plattform, wo früher viele private Informationen nach außen gelangt waren. Das heißt, Menschen äußern Zweifel, ob das Projekt eine gute Idee ist. Facebook-Manager bleiben unerschrocken, weil sie die menschliche Natur mittlerweile nur allzu gut kennen. Wer hätte vor fünfzig Jahren gedacht, dass Millionen von Menschen bereit wären, ihre intimen Bilder und Gefühle auf einer Plattform wie diese zu teilen? Warum sollten sie irgendwann ihnen ihr Geld nicht anvertrauen? Wenn innerhalb ungefähr eines Jahrzehnts jeder vierte junge Europäer seinen Körper tätowierte, d.h. ihn mit etwas „verschönerte“, was seine Vorfahren gemeinhin als Zeichen der Zugehörigkeit zur kriminellen Szene ansahen, gibt es denn etwas Unmögliches?

References   [ + ]

1. A simple global currency and financial infrastructure that empowers billions of people, Welcome to Libra.

One comment on “Libra – die globale Währung

  • Uwe Goeldner says:

    Bitcoin hat mit Libra überhaupt nichts gemeinsam!
    Bitcoin ist dezentral und deflationär. Libra hingegen kann jederzeit Geld “nachdrucken” und die Nodes kann man für 10 Mio Dollar erwerben (natürlich für die Geschäftspartner Visa, Paypal etc. reserviert)
    Der Libra ist an Fiatwährung gekoppelt, das bedeutet, fällt der Euro oder Dollar, ist der Libra genauso nichts mehr wert.
    Der Libra übernimmt jetzt den “Kampf” gegen die Banken und Staaten, denn die Geldschöpfung liegt nicht mehr in deren Händen. Hat sich der Coin erst mal etabliert, ist der Weg frei für Bitcoin.
    Noch ist der Bitcoin nur Wertspeicher. Mit Lightning Network und höherer Marktkapitalisierung wird er dann auch schneller und stabiler. Fehlt nur noch die Anonymität wie Bargeld und die kommt mit “MimbleWimble”.
    Was ich nicht einschätzen kann ist jedoch, dass hier wahrscheinlich ein Großteil von “Nerds” reich werden.
    Was die mit ihrer neuen Macht dann anstellen, weiß ich nicht. Ich neige aber dazu, das Intelligente Menschen eher etwas Gutes im Sinn haben als irgend welche Finanzkasten, die seit Jahrhunderten die Macht auf der Welt halten und uns immer wieder in Kriege treiben.
    Mit der Blockchaintechnologie wird sich das Machtgefüge auf der Welt zu Gunsten der Bevölkerung verschieben!
    Ich freue mich darauf.

    Reply

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