Das Land hat mehr Erdöl als Saudi-Arabien und trotzdem lebt die Mehrheit seiner Bürger in Armut. Die Geschichte Venezuelas ist lehrreich, auch für Europäer. Als Nachfrage nach Erdöl im Zweiten Weltkrieg stieg, profitierte das Land durch seine Lage außerhalb der militärischen Auseinandersetzungen in Europa und Asien so, dass es in den 50-er Jahren den 4. Platz in der Welt erreichte, wenn es um BIP pro Kopf geht.
Bemerkenswert ist es, dass der Erfolg unter der Diktatur von Jimenez erreicht wurde, was der These leugnet, dass Diktaturen jeglicher Art schlecht für die Wirtschaft sind. Jimenez schuf ein gesundes Zusammensein zwischen den ausländischen Konzernen und seinem Staat: Die Großunternehmen wie Exxon Mobil oder Shell brachten ihre Technologien und Know-how und bekamen dafür 50% der Gewinne, die andere Hälfte ging an in Staatskasse ein.
| Land | BIP pro Kopf in 1950 |
| USA | 9 500 $ |
| Schweiz | 9 000 $ |
| Neuseeland | 8 500 $ |
| Venezuela | 7 500 $ |
| Australien | 7 200 $ |
Quelle: IWF
Als während der Ölkrise in den 1970-er die arabischen in der OPEC vereinten Produzenten die Preise erhöhten, wurde Venezuela mit Petrodollar überschwemmt (Übrigens: Die OPEC war die Initiative von Caracas). Die Haushaltseinnahmen stiegen zwischen 1972 und 1974 um 300%! Die „Demokraten”, die damals nach dem Sturz von Jimenez regierten, dachten jedoch nicht an die Zukunft: Statt Reserven für die Zukunft, für schwarze Stunde zu sammeln, wie etwa der norwegische, staatliche Pensionsfonds, gaben sie alles aus. Zwar stieg das Lebensniveau im Land und das Bildungssystem wurde entwickelt, doch die Wirtschaft wurde vollständig in die Erdölförderung „kanalisiert“, statt diversifiziert zu werden, wie es zurzeit die Länder am Persischen Golf tun. Gleichzeitig begingen die regierenden Demokraten um Pérez andere zahlreiche Fehler: Sie begaben sich z.B. Richtung neoliberale Austeritätspolitik. Wenn es um Austerität geht, wehrten sich gegen den berüchtigten IWF, der Venezuela, wie auch vielen anderen Ländern in der Welt seinen (sprich: den der US-Regierung) Willen aufzuzwingen versuchte. Pérez hat übrigens den IWF sehr treffend als „Neutronenbombe“ bezeichnet, welche „Menschen tötet, aber Gebäude stehen lässt“. Später wurden von Pérez wegen der auf den Weltmärkten sinkenden Erdölpreise die Staatsbetriebe privatisiert, Subventionen und Preiskontrollen für öffentliche Dienste aufgehoben, Erdölpreise liberalisiert, was zur Zufriedenstellung des IWFs führen sollte und neue Kredite seitens der großen westlichen Banken ermöglichen sollte. Doch die Auslandsverschuldung sank kaum, aber der Sprit an den Tankstellen und die Preise für die öffentlichen Verkehrsmittel wurden erheblich teurer.
Sei Pérez teilweise neoliberal, gehörte er doch der Sozialistischen Nationale an und öffnete die Tür für die größte Pest dieser Welt – den Sozialismus. Und es kam natürlich nicht blutlosvor sich hin, sondern mit Massenprotesten gegen seine Politik, mit dem Einsatz der Armee gegen das eigene Volk, mit Putschen der Militärs, bei denen tausende getötet wurden. Aus den Schlachten gingen natürlich Extremisten als Sieger hervor; die Marxisten mit Hugo Chavez an der Spitze, die Anhänger der Bolivarischen Revolution. Und siehe da: ging es nach dem Zweiten Weltkrieg dem Land gut, trotz der Regierung der Militärjunta, begann mit der Regierung eines Offiziers, der mit dem Marxismus angesteckt wurde, sein steiler Niedergang.
Der Großkonzern, der durch die Nationalisierung der Ölkonzerne schon unter Pérez 1976 entstand und die ausländischen Konzerne der Kontrolle über die Ressourcen beraubte (Bestrebung der Autarkie), PDVSA (zu Deutsch: Petroleum von Venezuela), begann in den 1990-er, als die Erdölpreise wieder stiegen, in die Infrastruktur und Technologie zu investieren. Wieder wurden ausländische Unternehmen zur Zusammenarbeit zugelassen, die Kapital und technologische Lösungen beisteuerten. Dies ermöglichte es, Öl auch in alten, ineffizienten Feldern kostengünstig zu produzieren. Solange PDVSA unabhängig von Politkern war, in Raffinerien im Ausland investierte, um das venezuelische Erdöl (von schwacher Qualität) da gut verarbeiten zu können, solange PDVSA gut auf der Börse stand, solange funktionierte noch das ganze Nachkriegssystem effizient. Na ja, aber Chavez gefiel es nicht, dass die durch Investitionen niedrigere Gewinne des Unternehmens die Staatskasse in Caracas ärmer machten. Er machte die PDVSA zu einem völlig staatlichen Unternehmen, besetzte es mit seinen Leuten, machte es uneffektiv, ineffizient und unrentabel. So erging es auch fast allen Unternehmen im ehemaligen Sowjetblock, die durch den Staat übernommen wurden.
Chavez Politik stieß auf massive Proteste, denn er entließ über die Hälfte der Belegschaft des den Staat ernährenden Unternehmens. Die Proteste (unterstützt von wem? – Raten Sie mal) führten im Jahr 2002 dazu, dass Chavez sogar verhaftet wurde. George Bush triumphierte und Donald Trump will jetzt in seine Fußstapfen treten. Dann kam Chavez aber wieder an die Macht und regierte so lange, dass er seinen Nachfolger nennen musste – Nicolas Maduro.
Die beiden Herren – Chavez und Maduro – machten das Land kaputt. PDVSA hatte 2007 einen konsolidierten Umsatz von 96,2 Mrd. US$. Im Jahr 2015 lag er kaum bei 12 Mrd. US$. Den Fall des BIPs pro Kopf in den letzten zwei Jahrzehnten lieber nicht zu nennen! Die Inflation ist von einem Einstiegsniveau von 40% im Jahr 2013 auf über 250% im Jahr 2016 gestiegen. Damals begannen die westlichen Sanktionen, um den Präsidenten zu stoppen? Von wegen! Um die Ressourcen wieder zu übernehmen!
Wir wollen Sie nicht mehr weiter mit der geschichtlichen Beschreibung der Niederlage der venezuelischen Sozialisten/Marxisten belasten. Zu viel wäre noch zu schreiben. Es genügt nun ein paar Fakten und Zahlen zu nennen, um das Fazit der Jahrzehnten langen, linken Regierungen zu veranschaulichen: Maduro hat in den letzten 20 Jahren eine völlige Enteignung der Unternehmen und Bürger durchgeführt, die Wirtschaft funktioniert praktisch nicht, die Inflation stieg auf ein absurdes Niveau von 1,3 Millionen Prozent, die Ölproduktion fiel auf den Stand aus den Zeiten vom Zweiten Weltkrieg, ausländische Vermögenswerte wurden von Gläubigern beschlagnahmt, es fehlen Lebensmittel und Medikamente in Geschäften und Apotheken, fast 3,5 Millionen Venezolaner haben das Land verlassen.
Nur die USA ist militärisch fähig, das Land/die Ressourcen/ein schönes Stück Natur in Südamerika zu übernehmen/zu besetzen. Ein Krieg erfolgt immer im Namen von etwas. Diesmal im Namen des Kampfes gegen die Drogen und natürlich gegen die Diktatur. Hätten Russen oder Chinesen solche Chance, hätten sie sie auch sofort ausgenutzt. Die Streitkräfte wurden schon auf die Karaiben geschickt.