Katze wurde Maus

Drei Wochen nach Beginn des Krieges hat sich herausgestellt, dass die Raubkatze – die Vereinigten Staaten (und Israel) – zur Maus geworden ist, während die Maus – der Iran – zur Katze geworden ist. Was für eine Wendung der Ereignisse! Die Vereinigten Staaten sind in einen Sumpf geraten und haben jetzt Schwierigkeiten, sich daraus zu befreien. Ist dies der Anfang vom Ende der globalen Supermacht?

1979 entsandte die Sowjetunion ihre Truppen nach Afghanistan. Die westliche Welt verurteilte die Aktion. Die Sowjets blieben ein Jahrzehnt in Afghanistan und zogen sich dann zurück. Sie zogen sich am Vorabend des Zusammenbruchs des ersten Staates der Arbeiter und Bauern zurück.

Das Gleiche scheint mit den Vereinigten Staaten zu geschehen. Ihre Truppen haben ihre Stiefel noch nicht auf den Boden gesetzt, aber ihre Luftwaffe und ihre Raketen operieren gegen den Iran, während der Iran zurückschlägt und zwar erfolgreich. Ziele werden nicht nur in Israel getroffen, sondern auch in allen Ländern des Persischen Golfs, die amerikanische Militärstützpunkte haben. Die Führer dieser Länder müssen Hoffnungen auf Sicherheit genährt haben, als sie amerikanische Soldaten auf ihren Boden eingeladen hatten, jetzt müssen sie es bereuen. Es ist auch ein Signal an andere Länder mit amerikanischen Stützpunkten: eine Warnung an Polen, Rumänien, Deutschland, das Vereinigte Königreich und Italien. Sicher sind sie nicht.

Um das Gesicht zu wahren, hat der amerikanische Präsident kürzlich über Verhandlungen mit der iranischen Führung gesprochen. Das Problem ist, dass der Iran bestreitet, jemals an Verhandlungen teilgenommen zu haben. Präsident Donald Trump hat ein achtundvierzigstündiges Ultimatum gestellt und damit gedroht, dass amerikanische Truppen iranische Kraftwerke zerstören würden, wenn die Straße von Hormus Schiffen aus der ganzen Welt nicht zugänglich gemacht würde. Die achtundvierzig Stunden verstrichen nicht und der amerikanische Präsident verlängerte die Frist um weitere fünf Tage. Er verliert sein Gesicht. Schlimmer noch, der amerikanische Präsident ist wirklichkeitsfremd. Und noch schlimmer, der amerikanische Präsident hat einen Krieg aus rein ideologischen oder religiösen Gründen entfesselt, um die Feinde Israels, Gottes auserwähltes Volk, zu vernichten. War es nicht dasselbe im Fall der Sowjetunion, deren militärische Intervention in Afghanistan vom ideologischen Drang diktiert wurde, afghanischen Kommunisten zu Hilfe zu kommen? Afghanistan bedrohte damals weder die Sowjetunion, noch ist der Iran heutzutage eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten.

Teheran ist selbstbewusst und mutig geworden. Es wartet nicht darauf, dass die Amerikaner und die Israelis einen Waffenstillstand vorschlagen. Vielmehr hat Teheran Bedingungen gestellt, und das sind Bedingungen eines Siegers:

[1] die USA müssen ihre Militäreinheiten aus der Region abziehen,

[2] die USA müssen die Feindseligkeiten einseitig beenden,

[3] die USA müssen dem Iran eine Entschädigung für alle materiellen Schäden und den Verlust von Menschenleben zahlen.

Man könnte sagen, es ist Teheran, das ein Ultimatum gestellt hat, und nicht die Vereinigten Staaten.

Es ist nicht nur so, dass der Iran die Oberhand zu gewinnen scheint: Fast die ganze Welt ist auf Irans Seite. Warum? Weil die ganze Welt gesehen hat, dass die Vereinigten Staaten und Israel den Iran während der Verhandlungen angegriffen haben, ohne provoziert geworden zu sein; weil die ganze Welt die Feindseligkeiten als Angriffskrieg der Vereinigten Staaten und Israels wahrnimmt; weil die ganze Welt genug hat von amerikanischem Mobbing, vom amerikanischen Weltpolizisten.

Die Iraner haben die Welt mit den Raketen überrascht, die ihnen zur Verfügung stehen. Einige von ihnen entwickeln Geschwindigkeiten von mehr als 10 Mach. Einige von ihnen haben eine Reichweite von 4000 km (Iraner versuchten, die amerikanische Basis auf der Insel Diego Garcia im Indischen Ozean zu treffen). Der Iran hat seine Kommandozentrale dezentralisiert; der Iran hat gelernt, asymmetrisch zurückzuschlagen. Der Iran wird militärisch von der Hisbollah im Libanon, der Hamas im Gazastreifen und den Huthis im Jemen unterstützt. Der Iran wird auch von Russland und China unterstützt, die ihn beide mit Satellitendaten versorgen.

Was wäre wenn? Was wäre, wenn die Vereinigten Staaten gezwungen wären, ihre Niederlage einzugestehen? Wird es ein weiteres Vietnam oder noch schlimmer für Amerika? Das Bild einer Supermacht wird sich in Luft aufgelöst haben. Die Golfstaaten könnten genauso gut verlangen, dass Washington seine Truppen von ihrem Territorium abzieht. Warum sollten sie sie auf ihrem Boden haben? Um sich weiter Angriffen auszusetzen? Der Iran könnte – im Bunde mit China – mit dem Verkauf seines Öls und Gases im Gegenzug für die chinesische Währung beginnen. Das könnte zum Ende des Petrodollars führen. Und wenn der Dollar weltweit nicht mehr gefragt ist, werden die Vereinigten Staaten in die Position eines Landes geraten, das Schwierigkeiten haben wird, seine finanziellen Probleme zu lösen. Ohne den Dollar als internationale Währung wird die gesamte amerikanische Wirtschaftskraft schrumpfen. Bis jetzt hätten Nationen jahrzehntelang Dollar gekauft – d.h. Waren und Dienstleistungen verkauft –, um sie zu lagern und Währung für den Kauf von Öl zu haben. Sobald dieses Schema zu einem Ende kommt, wird Amerika aufhören, von ausländischen Gütern und Dienstleistungen überflutet zu werden: Amerika wird gezwungen sein, Dinge selbst herzustellen. Aufgrund des Outsourcings gibt es in der am meisten bewunderten Demokratie der Welt nicht so viele Fabriken, Ingenieure und Facharbeiter. Wiederaufbau wird Zeit brauchen…

Der Krieg gegen den Iran sollte ein Spaziergang werden. Die Vereinigten Staaten haben auf die eine oder andere Weise bereits Libyen, Syrien, Irak und Venezuela behandelt. Die Amerikaner dachten, dass der Iran eine weitere Intervention des gleichen kleinen Kalibers sein würde. Wie falsch sie lagen!

Wenn Sie Alkohol trinken, fühlen Sie sich nach den ersten paar Schlückchen gut. Dann beginnt die Substanz langsam aber sicher Ihre Sprache und motorische Aktivität zu behindern. Irgendwann wird eines der Schlückchen eines zu viel. Man sagt: man wird leicht angeschwipst. War der Angriff auf den Iran – nach Venezuela, Libyen, Syrien – wie ein Alkoholexzess? 

Schwefelsäure und Helium – oder warum der Iran-Krieg für Kasachstan und Taiwan schlecht ist

Schwefelsäue wurde durch die Hormus-Blockade zu einem schwarzen Schwan im Bergbau. Ein großer Teil des weltweiten Schwefelhandels fließt nämlich durch die Straße von Hormus. Schwefel ist der Rohstoff, aus dem Schwefelsäure hergestellt wird, die u.a. im Bergbau unentbehrlich ist. Daher kann eine Störung der Verfügbarkeit von Schwefelsäure auf dem Weltmarkt dazu führen, dass der Konflikt im Nahen Osten eine Reihe weniger offensichtlicher Sektoren trifft, zum Beispiel den Uransektor.

Schwefelsäure wird hauptsächlich bei der Verarbeitung von Öl und Gas hergestellt. Daher trifft die Situation im Nahen Osten den Schwefelsäuremarkt auf zwei Arten: erstens kommt weniger Schwefel auf den Weltmarkt, was zu einem geringeren Angebot an Schwefelsäure führt, zweitens wird die Infrastruktur für die Verarbeitung von Kohlenwasserstoffen und damit die Infrastruktur, in der Schwefel entsteht, zerstört. Dies bedeutet, dass selbst wenn die Straße von Hormus freigeschaltet wird, bleibt die Schwefelversorgung immer noch auf gewisse Zeit begrenzt.

Eins der größten Weltproduzenten des Urans – das kasachische Unternehmen Kazatomprom – wird von dem Problem besonders betroffen sein. Die letzten Überschwemmungen im Land führten dazu, dass die Schwefelsäurelieferungen für die Uranabbauoperationen nicht rechtzeitig kamen, was die Produktion einschränkte und schließlich zu einem Rückgang des erwarteten Uranangebots auf dem Markt führte. Es ist umso wichtiger, dass Kazatomprom Uran mit der ISR (In-situ Recovery) -Methode extrahiert. Dies ist eine Technologie, bei der eine chemische Lösung in die Uranmineralien injiziert wird und sie auflöst, und Schwefelsäure bildet die Grundlage dieser Lösung. Darüber hinaus stellt sich heraus, dass mehr als 90% des nach Afrika importierten Schwefels aus dem Nahen Osten stammen… und deshalb fließt es eben durch die Straße von Hormus. Auf dem Schwarzen Kontinent laufen derzeit neue Uran-Explorationsprojekte, (zum Beispiel in Namibia), wo Schwefelsäure für Operationen dringend benötigt wird. Händler haben bereits Schwierigkeiten, irgendwelche Lieferungen zu erhalten. Daher steigen die Preise für Schwefelsäure in Afrika deutlich an… und wenn die Ausfälle länger als 3 Wochen dauern (und es gibt viele Anzeichen dafür, dass sie unserer Meinung nach viel länger dauern werden), dann müssen Bergbauprojekte vorübergehend geschlossen werden, weil ihnen die Säure ausgeht.

Das Problem mit der Schwefelsäure wird also globaler und mehr Unternehmen betreffen, was paradoxerweise die langfristigen Aussichten für den Uranpreis erheblich verbessern würde.

Zum Thema Helium: Katar ist der zweitgrößte Heliumproduzent der Welt und liefert im Jahr 2025 rund 33% der weltweiten Produktion – 63 Millionen m3.

Als die Anlage von Ras Laffan, der weltweit größten LNG-Exportfabrik, wegen des Krieges mit dem Iran stillgelegt wurde, wurden die Heliumlieferungen eingestellt, da Helium als Nebenprodukt der Erdgasverarbeitung gewonnen wird. Dadurch verliert der Markt derzeit etwa 5,2 Millionen m3 Helium pro Monat bei nahezu null globalen Reserven von diesem Rohstoff – Helium verdampft während der Lagerung und sollte die Verbraucher in etwa 45 Tagen erreichen. Die Zerstörungen haben die Heliumpreise seit Beginn des Krieges mit dem Iran bereits verdoppelt. Die Schiffe, die dieses Gas transportierten, hörten auf, durch den Persischen Golf und das Rote Meer zu fahren. Dies ist ein ernstes Problem, da ein großer Teil der weltweiten Heliumversorgung genau auf diesem Weg transportiert wird. Infolgedessen haben Unternehmen wie Samsung und SK Hynix, die 60% der weltweiten SSD-Produktion ausmachen, Probleme gemeldet. Helium ist nämlich bei der Herstellung von Halbleitern absolut notwendig. Es wird verwendet, um lithographische Geräte zu kühlen und zu stabilisieren, und es gibt keinen Ersatz dafür. Wenn die Heliumversorgung für einen längeren Zeitraum ausgesetzt wird, werden die Chipfabriken innerhalb weniger Tage mit der Reduzierung der Produktion beginnen. Dies wird sofort einen Dominoeffekt auslösen: Die Speicherproduktion für Nvidia wird sinken, Apple kann keine iPhones zusammenstellen, Tesla wird die Produktion von Autos reduzieren und die KI-Rechenzentren werden nicht genug GPUs erhalten. Die gesamte Halbleiterindustrie – mehr als 600 Milliarden Dollar – könnte anfangen zu stoppen. Im Gegensatz zur Chipkrise von 2021, die durch Pandemien und Ausfallzeiten in Fabriken entstanden ist, ist das aktuelle Problem geopolitischer Natur. Der Rohstoff kommt nicht in die Fabriken, weil die Seewege blockiert oder zu riskant sind. Und Helium ist nur eines von vielen kritischen Gasen, deren Fehlen die globale Technologieproduktion lähmen kann.

Der Iran hätte keine Halbleiterfabrik mit Raketen treffen müssen. Es reichte aus der Verkehrssicherheit zu gefährden, um die Grundlagen der modernen digitalen Wirtschaft und der Energieversorgung zu untergraben.

 

Außerirdische – Donald Trumps einzige Hoffnung

Ja, die Geschichte hat Fälle erlebt, die dem andauernden amerikanisch-iranischen Krieg auffallend ähnlich sind. Von den vielen Beispielen ist der aufschlussreichste und prägnanteste der relativ junge militärische Konflikt zwischen Italien und Griechenland, der vom 28. Oktober 1940 bis zum 23. April 1941 stattfand und entweder als griechisch-italienischer Krieg oder als italienisch-griechischer Krieg in die Geschichte eingegangen ist. Benito Mussolini, Italiens Herrscher, wollte mit Adolf Hitler um die Führung in der Achse (deren Kern aus Italien, Deutschland und Japan bestand) wetteifern. Benito Mussolini – ein höchst narzisstisches Individuum – wollte sich behaupten, wollte zeigen, dass auch er einen Blitzkriegssieg erringen kann. Bis Ende Oktober 1940 waren die deutschen Armeen über Polen, Dänemark, Norwegen, die Niederlande, Belgien, Luxemburg und Frankreich gelaufen. Benito Mussolini konnte nur damit prahlen, das wirtschaftlich rückständige Äthiopien erobert zu haben. Um genau zu sein, er konnte nicht damit prahlen, dieses Land erobert zu haben, weil die Äthiopier erbitterten Widerstand leisteten, die italienischen Truppen nur langsam vorrückten und Italiens Herrscher schließlich auf die chemischen Waffen zurückgreifen musste. Um sein Ego zu stärken, beschloss Benito Mussolini, in Griechenland einzumarschieren. Die Aufgabe schien umso einfacher, als Mussolini in Albanien, einem benachbarten Griechenland, einen Brückenkopf über die Adria hatte, den er im April 1939 innerhalb von fünf Tagen erobert hatte. Moment mal, könnte man sagen! Also hatte Mussolini seinen eigenen Blitzkrieg!

Nicht genau. Albanien war klein und schwach und rückständig. Seine Eroberung war einfach. Albanien im Vergleich zu Italien war nicht einmal wie Dänemark oder Norwegen im Vergleich zu Deutschland. Griechenland schien jedoch der richtige Bissen zu sein. Weder zu groß noch zu klein: genau die richtige Größe für eine beeindruckende Eroberung. Griechenlands Fläche betrug 110 Tausend Quadratkilometer im Vergleich zu Italiens 300 Tausend Quadratkilometer, während die Bevölkerung Griechenlands 7 Millionen im Gegensatz zu 44 Millionen Italiens betrug.

Der Vorwand für einen Krieg? Es war nicht schwer, einen zu schaffen. Nun, Italien als Verbündeter Deutschlands befand sich bereits im Krieg mit dem Vereinigten Königreich, also brauchte Rom Athen nur zu beschuldigen, mit London befreundet zu sein und folglich eine Bedrohung für die Sicherheit Italiens darzustellen. Es macht nichts, dass Griechenland viel kleiner als Italien war; es macht nichts, dass Griechenland und Italien durch die Adria getrennt waren; es macht nichts, dass Griechenlands militärisches und wirtschaftliches Potenzial dem Italiens nicht gewachsen war. Griechenland stellte eine Bedrohung für Italien dar. Punkt. Deshalb musste Griechenland erobert werden.

Am 28. Oktober 1940 starteten italienische Armeen eine Offensive von Albanien nach Nordgriechenland. Benito Mussolini erlebte eine große, riesige Überraschung. Es dauerte nicht lange, bis die griechischen Truppen die Initiative ergriffen und die italienischen Divisionen über die Grenze nach Albanien zurückdrängten! Das kleine Griechenland revanchierte sich und zwar erfolgreich! Europa war fassungslos, die britischen Zeitungen druckten riesige Schlagzeilen und ausführliche Artikel über tapfere Griechen und ihren hartnäckigen Widerstand. Der Krieg, der höchstens für Wochen geplant war, zog sich über ein halbes Jahr hin, und wenn Deutschland nicht eingegriffen hätte, um seinem italienischen Verbündeten zu helfen, hätte der Krieg noch ein paar Monate länger gedauert. Die italienischen Soldaten und Offiziere wollten nicht kämpfen, da sie diesen Krieg zu Recht als Angriffskrieg erkannten.

SechsundachtzigJahrespätersehenwir die Inkarnation von Benito Mussolini in der Person des amerikanischen Präsidenten Donald Trump, der so narzisstisch ist wie der italienische Herrscher, ähnliche Posen einnimmt und der Welt ähnliche Gesichtsausdrücke präsentiert.DonaldTrumpmarschierte in Venezuela ein, genau wie Benito Mussolini nach Albanien, und beschloss, gegen den Iran zu kämpfen.Genau wie Benito Mussolini hatte Donald Trump auf einen schnellen, beeindruckenden Kampf, auf einen Blitzkrieg gehofft, und genau wie Benito Mussolini erwartete ihn eine große, wenn nicht riesige Überraschung.Der Iranhat, genau wie Griechenland vor sechsundachtzig Jahren, zurückgeschlagen und zwar erfolgreich.Dieiranische Bevölkerung von ungefähr 90 Millionen istkleinerals die 350 Millionen der amerikanischen Bevölkerung, während die iranische Fläche von 1.650 Quadratkilometern ein paar Mal kleiner ist als die der Vereinigten Staaten, die sich auf 9.800 Quadratkilometer beläuft, und trotzdem kämpft der Iran zurück.NunhatteMussolinidengroßenBruderin der Person von AdolfHitlerund einen großen Verbündeten in Form des Dritten Reiches.SchließlichkamDeutschlandItalienzu Hilfe. Zwarkonnte sich vor allem Deutschland an der Kriegsbeute erfreuen: Den Italienern wurden nur kleine Teile Griechenlands als Besatzungszone zugestanden, aber zumindest Italien wurde gerettet.Werwird Amerika aus den Schwierigkeiten retten, in die es sich selbst geraten ist?EsgibtkeinengroßenBruder, es gibt keinen Verbündeten, der mächtig genug ist, um es zu tun.Die Verbündetender VereinigtenStaatensindkleinerund schwächer, und selbst sie haben sich geweigert, militärische Hilfe zu leisten.

Russland und China könnten Teheran beeinflussen, um die Feindseligkeiten zu beenden, aber warum sollten sie es tun? Sowohl Moskau als auch Peking erinnern sich, dass Washington ihnen seit Jahren feindlich gesinnt ist. Moskau erinnert sich an die Beteiligung Amerikas am ukrainischen Krieg, während Peking sich der Tatsache bewusst ist, dass Washington China als Erzfeind Amerikas betrachtet. Sowohl Moskau als auch Peking würden sicherlich lieber von den aktuellen politischen Umständen profitieren. Außerdem ist der Iran ein Wirtschaftspartner sowohl Russlands als auch Chinas. Der Iran hat Russland im Konflikt mit der Ukraine Drohnen zur Verfügung gestellt. Jetzt fühlt sich Russland verpflichtet, Teheran Dankbarkeit zu zeigen und Washington mit der gleichen Münze heimzuzahlen: Jetzt ist es Russland, das den Iran mit Satellitenaufklärung und Kriegsmunition versorgt, so wie es die Vereinigten Staaten seit Jahren in Bezug auf die Ukraine tun.

Dass Griechenland 1940 eine Bedrohung für Italien darstellte, war zumindest überzeugender als dass der Iran eine Bedrohung für die Vereinigten Staaten darstellt, wie Präsident Donald Trump gesagt hat. Die Luftlinie zwischen Italien und Griechenland beträgt etwa 80 km über die Adria, während die Luftlinie zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran… 10.000 km über Kontinente und Ozeane beträgt. Die Entfernung, die Amerika vom Iran trennt, ist 125-mal größer als die, die Italien von Griechenland trennt. 1940 könnten theoretisch griechische Flugzeuge italienischen Boden erreichen und bombardieren; weder iranische Flugzeuge noch iranische Raketen können das Territorium der Vereinigten Staaten erreichen.

Es gibt einen signifikanten Unterschied zwischen dem narzisstischen Donald Trump und dem narzisstischen Benito Mussolini und einen ähnlich signifikanten Unterschied zwischen der herrschenden Klasse der Vereinigten Staaten und der Italiens vor sechsundachtzig Jahren. Mussolini und seine Clique handelten zumindest auf eigene Faust: Es gab kein Drittland, keine politische Einheit oder ausländische Lobby, die sie unter Druck gesetzt hätte, Griechenland anzugreifen. Im Fall der Vereinigten Staaten ist es ganz anders: Amerikanische Präsidenten und die amerikanische herrschende Klasse tanzen nach der Pfeife der israelischen Lobby, die durch Organisationen wie AIPAC (American Israel Public Affairs Committee) oder durch die sogenannten christlichen Zionisten (amerikanische Christen, die geistig entführt wurden, um Israels politischer Agenda zu folgen) in der Lage sind, die Vereinigten Staaten in Kriege zu ziehen, die im Interesse von Tel Aviv und nicht von Washington geführt werden.

Stellen wir uns noch einmal die gleiche Frage: Mussolini wurde, nachdem er in große Schwierigkeiten geraten war, von seinem großen deutschen Bruder gerettet. Präsident Donald Trump hat keinen großen Bruder, weil die Vereinigten Staaten der größte Bruder auf dem Planeten Erde sind. Die kleineren Brüder sind entweder nicht bereit, eine helfende Hand auszustrecken (Westeuropa) oder sind Amerikas – wie sollen wir es ausdrücken? – Gegner (Russland, China) oder lieber am Rande sitzen (Indien). Wer um Himmels Willen wird den armen Donald Trump retten? Außerirdische?

MAGA oder maga?

Symbole sollen prägnant große, politische, religiöse oder soziale Bedeutungen vermitteln und Menschen für die Sache gewinnen, die diese Symbole repräsentieren. Dennoch weichen Symbole – was die Natur von Symbolen ist – früher oder später von der Realität ab, und wenn sich also das ändert, was sie implizieren sollten, ändert sich auch die Bedeutung des Symbols. Denken Sie an Hammer und Sichel, das weltweit erkennbare Symbol des Kommunismus. Nur wenige wissen, dass das Symbol ursprünglich auf die revolutionäre Vereinigung zwischen der deutschen Industriearbeiterklasse (Hammer) und der russischen Bauernschaft (Sichel) hinwies. Die Bolschewiki hatten damals gehofft, dass die russische Revolution von ihrem deutschen Pendant unterstützt würde und die beiden Nationen – Deutsche und Russen – gemeinsam eine weltweite Revolution auslösen würden. Bekanntlich wurde die deutsche Revolution im Keim erstickt, und so blieb Russland als sozialistisches Land allein auf der politischen Bühne. Was war zu tun? Das Hammer–und-Sichel-Symbol musste neu interpretiert werden, und so war es auch: Der Hammer begann die russische Arbeiterklasse zu implizieren, während die Sichel die russische Bauernschaft war.

Die Versprechen des Kommunismus erfüllten sich nur langsam. Parteibosse haben regelmäßig angekündigt, dass der Kommunismus komme, aber irgendwie weigerte sich diese kommunistische glänzende Zukunft hartnäckig, in der Realität aufzutauchen. Sowjetische Leute fingen an, darüber zu scherzen. Einer der Witze lief so. Ein Fabrikparteikomitee hält eine Kundgebung mit einer Gruppe von Fabrikarbeitern ab. Der erste Sekretär der örtlichen Parteiorganisation sagt feierlich: Wir werden den Kommunismus in fünf Jahren erreichen. Darauf  fragt ihn jemand aus dem Publikum: Werden wir es auch schaffen?

Das Hammer-und-Sichel-Symbol wurde von der Bildhauerin Vera Mukhina in einer Statue von 1937 verewigt, die als sowjetischer Arbeiter und kollektive Bäuerin bekannt ist und später zum leicht erkennbaren Logo des Filmstudios Mosfilm wurde. Von der Weltrevolution über die Revolution in einem Staat allein bis zum Symbol eines Filmstudios…

Das ist jedoch nicht das Ende der Geschichte des Hammer-und-Sichel-Symbols. Da sich die Ideale des Kommunismus – wie oben gesagt – weigerten, sich zu verwirklichen, da die wirtschaftliche und soziale Realität immer schlimmer wurde, verfasste das sowjetische Volk einen Vierzeiler, der ungefähr so lautete:

Links der Hammer, rechts die Sichel,       / Слева – молот, справа – серп
Unser Wappen, ganz in Rot.                      / Это наш советский герб:
Ob du schuftest, ob du schmiedest,          / Фочешь жни, а фочешь куй,
Kriegst am Ende nur den Tod                   / все равно получишь хуй.

So groß war das epische Scheitern des kommunistischen Traums, wie es das gemeine Volk empfand und ausdrückte.

Obwohl Präsident Donald Trump kein visuelles Symbol erfunden hat – ein Gegenstück zum Hammer-und–Sichel-Zeichen oder etwas Ähnliches wie die Statue der sowjetischen Arbeiterin und der Kollektivbauernfrau –, hat er sich den politischen Slogan der MAGA ausgedacht, zu Deutsch: Macht Amerika wieder großartig. Nein, es ist kein Versprechen des Kommunismus, aber es ist dennoch ein Versprechen, ein Versprechen von etwas Großem, Großartigem, Faszinierendem, Attraktivem. Dieser MAGA-Slogan enthielt in sich einen Aufruf, die ewigen Kriege zu stoppen. Amerika sollte sich selbst und sein internationales Ansehen wieder aufbauen, während Kriege der Vergangenheit angehören sollten.

Präsident Donald Trump hat kaum sein erstes Jahr der zweiten Amtszeit beendet und es ist ihm bereits gelungen, Venezuelas Präsidenten zu entführen und den Iran anzugreifen – zweimal. Aber die Militäroperation mit der Bezeichnung Epic Fury ist anscheinend fehlgeschlagen. Es hat so schlimm versagt, dass Kommentatoren eine neue Bezeichnung dafür geprägt haben: Episches Versagen. Der Iran wehrt sich, der Iran beißt zurück, während die Amerikaner wohl oder übel nach Wegen suchen, sich aus dem Konflikt zurückzuziehen. MAGA wird nun neu interpretiert als maga, ein lateinisches Wort für Hexe. Der amerikanische Präsident scheint als Magus – ein Zauberer – aufzutreten, der das Blaue vom Himmel verspricht, während MAGA oder maga der Rattenfänger von Hameln zu sein scheint (oder vielmehr gewesen zu sein scheint), dessen Aufgabe es war, so viele Anhänger von Trump wie möglich zu verführen. Während Maga und Magus zunächst in größerem Umfang Erfolg hatten, sind sie jetzt auf der Verliererseite. Das Ende des Krieges gegen den Iran ist nicht in Sicht, amerikanische Spitzenpolitiker – der Präsident selbst, Außenminister Marco Rubio, Verteidigungs– / Kriegsminister Pete Hegseth – haben deswegen schlaflose Nächte, während Donald Trumps politische Basis schrumpft und seine Wähler zunehmend von ihm enttäuscht sind.

Präsident Donald Trumps Narzissmus ist zu stark, um Kritik oder gesundem Menschenverstand nachzugeben. Er hält sich für den König der Könige, einen Herrscher des Globus, wenn nicht des Sonnensystems. Er schlägt Posen wie Benito Mussolini ein und braucht ständig narzisstische Versorgung. Auch hier kann man Assoziationen zur Sowjetunion haben, genauer gesagt zu Josef Stalin. Donald Trump hat – genau wie Joseph Stalin – nie genug von Lob und Bewunderung. Donald Trump ist – genau wie Joseph Stalin – bereit, die Realität unverhohlen zu verzerren, wenn dies seinem Zweck dient, sich in den Augen der Menschen zu erheben. So wie Josef Stalin nicht aufhören konnte, die Geschichte zu fälschen, kann es auch Donald Trump nicht. Die Schlussszene des Spielfilms Der Fall Berlins (Падение Берлина) von 1950 zeigt – entgegen der historischen Tatsache – Stalins Berlinbesuch mit dem Flugzeug und seine Erhebung durch Tausende von Menschen verschiedener Nationalitäten zum Retter des Planeten. Präsident Donald Trump hat genau die gleiche Gesinnung: Er braucht dringend Lob und er braucht es dringend, dass nicht nur seine Anhänger, sondern die ganze Welt zu ihm aufschauen. Daher seine gegenteiligen Aussagen über das Gewinnen von Kriegen und das Bringen von Frieden in verschiedene Ecken der Welt, daher sein Belehren über Politikgestaltung, internationale Gerechtigkeit und was auch nicht immer. Er ist ein Magier oder Zauberer (oder Astrologe), der die Menschen immer wieder täuscht (nach Orwells Vorbild, dass Krieg Frieden ist, während Frieden Krieg ist), weil er dringend narzisstische Versorgung braucht. Donald Trump – Benito Mussolini – Joseph Stalin… Zeig mir, mit wem du umgehst, so sag ich dir, wer du bist, nicht wahr?

 

Brüssel möbliert die politische Szene in Europa den Bürgern zuwider

In den letzten Monaten ist so viel auf der Welt passiert, dass viele von uns wahrscheinlich bereits vergessen haben, was Ende 2024 in Rumänien passiert ist: Die erste Runde der Präsidentschaftswahl wurde da rückgängig gemacht, als sie überraschenderweise der rechte Kandidat Kalin Georgescu gewonnen hat. Der offizielle Grund war eine angebliche russische Intervention über die Tik Tok-Plattform. Die Wahl wurde im Mai 2025 wiederholt und der Kandidat, der von dem EU-Establishment gern gesehen wurde, gewann.

Inzwischen stellt der vorläufige Bericht der Republikaner im Repräsentantenhaus in den USA die Sache in ein völlig anderes Licht. Das Dokument basiert auf internen E-Mails und Posts auf Plattformen wie Tik Tok, Meta und Google. Nach den Ergebnissen der Republikaner sollte die Europäische Kommission die Entfernung von Inhalten verlangen, die die rumänische Regierung kritisierten und Georgescu propagierten, einschließlich aller Materialien mit seinem Bild. Darüber hinaus teilte Tik Tok der EU mit, dass keine Beweise für eine koordinierte russische Intervention gefunden wurden. Es scheint wahrscheinlicher, dass es Brüssel war, die einen linken Kandidaten befördert hat, um die Chancen auf einen Sieg ihres wichtigsten Gegenkandidaten in den wiederholten Wahlen, George Simion, zu verringern. Die EU-Kommission hält diese Vorwürfe natürlich für unbegründet und absurd. Es überrascht nicht, dass sich jeder Angeklagte, der in die Enge getrieben wird, sich heftig verteidigen wird.

Der oben erwähnte Bericht des Justizausschusses des US-Repräsentantenhauses weist darauf hin, dass die Europäische Union in mindestens acht Mitgliedstaaten in Wahlen eingegriffen hat. Politische Inhalte, die mit dem linken Narrativ unvereinbar waren, wurden sogar unmittelbar vor den Wahlen zensiert. Da Ziel war jeder Inhalt, der mit Konservatismus in Verbindung steht oder die EU-Politik kritisiert. Nennen wir nur die wichtigsten Hauptverstöße:

[1] Slowakei: Kurz vor den Parlamentswahlen im Jahr 2023 hat die EU Sozialnetzwerke-Plattformen gezwungen, ihre Moderationspolitik zu ändern und bestimmte Inhalte zu entfernen. Sprüche wie “Es gibt nur zwei Geschlechter” sollten nun als Hassrede eingestuft werden.

[2] Niederlande: Vor den Wahlen 2023 und im Wahlkampf 2025 arbeitete die EU mit der niederländischen Regulierungsbehörde (ACM) und den europäischen linken Nichtregierungsorganisationen (NGOs) zusammen. Diese NGOs wurden als “vertrauenswürdige Signalorganisationen” eingestuft. Sobald eine solche Organisation einen Post als schädlich meldet, muss die Verwaltung von Plattformen wie Facebook sofort reagieren.

[3] Irland: Der Bericht zeigt, wie die lokale Regulierungsbehörde (Coimisiún on Meán) vor den letzten Wahlen verbindliche Berichte zur “Risikobewertung” verwendet hat. Die Plattformen waren gezwungen, rechtes (oft antimigrantisches) Narrativ als Bedrohung für die Wahlgerechtigkeit zu definieren. Dies sollte wiederum dazu führen, dass die Technologiegiganten die Inhalte präventiv löschten.

Diese Maßnahmen seitens der EU waren so erfolgreich, weil das Ignorieren von Nachrichten über illegale Inhalte oder das Fehlen geeigneter Moderationsmechanismen gemäß dem EU-Digital Services Act (DSA) zu einer Geldstrafe von bis zu 6% des gesamten globalen Jahresumsatzes eines Unternehmens führen kann. Großunternehmen wie Tik Tok, Meta oder Google werden im Namen der Medienfreiheit ja nicht so viel Geld auf das Spiel setzen. Daher war eine solche breite Zensur überhaupt möglich.

Die Meinungsfreiheit und die EU – das sind zwei unvereinbaren Ideen.

Quellen:

Intellinews.com

Brusselssignal.eu

Römisch-Parthische Kriege – eine Wiederholung

Die römisch-parthischen Kriege waren eine Reihe von Kriegen, die zwischen den Jahren 54 v. Chr. und 217 n. Chr. stattfanden. Das Partherreich umfasste ein großes Gebiet, unter anderem des heutigen Iran und des Irak. Manchmal siegten die Römer, manchmal die Parther. Es war ein Kampf der Kulturen, ein Kampf zwischen dem abendländischen Rom und dem orientalischen Parthien. Der heutige Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran scheint eine Fortsetzung dieses alten Konflikts zu sein, der sich über Jahrhunderte erstreckte. Die Vereinigten Staaten sind ein Nachkomme des antiken Roms. Die Namen staatlicher Institutionen wie Senat, die Namen bestimmter Gebäude wie der Capitol, der Baustil – alles zeugt davon. Auch die englische Sprache, deren Wortschatz zu fast 80% lateinischen Ursprungs ist (einschließlich gebräuchlicher Wörter wie  money, tender, nice, car, train, pay, peace, pound, face, battle, soldier, navy, missile, message, digital, computer, autumn, dinner, office……), in aller Deutlichkeit, dass die amerikanisch-iranischen Feindseligkeiten eine Verlängerung dieser alten Fehde sind.

Die amerikanisch-israelische Operation Epic Fury, die am 28. Februar 2026 mit 900 Angriffen innerhalb der ersten 24 Stunden begann, markierte den Beginn von etwas, von dem wir noch nicht wissen, wie es sich entwickeln wird. Die Vereinigten Staaten hatten auf einen schnellen und spektakulären Sieg gehofft, einen Sieg, der durch die Enthauptungsoperation garantiert wurde, bei der Irans höchster religiöser Führer Ali Khamenei (und seine Tochter, sein Schwiegersohn und seine Enkelin) getötet wurden. Aber der Iran hat zurückgeschlagen, anstatt sich zu ergeben, und er hat erfolgreich zurückgeschlagen. Sicher, der persische Staat kann der amerikanischen Macht in einem altmodischen Duell nicht standhalten. Es kann jedoch dort zurückbeißen, wo es am meisten weh tut, und Washington zwingen, seine Politik zu überdenken. Der Iran ist kleiner als die Vereinigten Staaten, sowohl in Bezug auf die Bevölkerung als auch auf das Territorium, aber – wie der unvergessliche Äsop in vielen seiner Fabeln schrieb – sogar eine Maus kann sich an einem Löwen rächen.

Also schlug der Iran dort zu, wo es am schmerzhaftesten ist: Der Iran griff die Ölraffinerien an und blockierte effektiv die Straße von Hormus. Die Straße von Hormus ist die weltweit wichtigste Drosselstelle, durch die mehr als 20% des globalen Ölhandels fließt. Die Unfähigkeit der Ölversorgung führt zu höheren Preisen für alles, was mit Öl zu tun hat, was wiederum eine Kettenreaktion von Preiserhöhungen auslöst, die tatsächlich rund um den Globus stattfindet.

Washington scheint von der iranischen Widerstandsfähigkeit und dem iranischen Trotz überrascht zu sein. Die Amerikaner hatten gehofft, dass der Iran innerhalb weniger Tage kapitulieren würde. Washington hatte auf eine Wiederholung des 12-Tage-Krieges gehofft, der im Juni letzten Jahres stattgefunden hatte. Nichts dergleichen ist irgendwo in Sicht. Der Iran startet Raketen gegen amerikanische und nichtamerikanische Ziele in Saudi-Arabien, Kuwait, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Bahrain, Katar, Jordanien und Israel. Die Ziele sind amerikanische Militärstützpunkte und die wichtige Infrastruktur der Länder, die amerikanische Stützpunkte beherbergen. Die Ölraffinerie in Haifa, Israel, die angeblich getroffen wurde, verarbeitete 40% des israelischen Öls.

Zwei Tatsachen zeugen von Amerikas Fehlkalkulation und Amerikas Zweifeln. Es waren  Amerikaner die ersten – Amerikaner! – die dem Iran einen Waffenstillstand durch eine dritte Partei vorgeschlagen haben; Zweitens hat Präsident Donald Trump Präsident Wladimir Putin angerufen, um über… den Krieg gegen den Iran zu sprechen. Was sie besprochen haben, ist nicht bekannt: Wir können nur vermuten, dass Washington nach Auswegen aus dem Konflikt sucht.

Nun scheint der Iran für die Vereinigten Staaten das zu sein, was die Ukraine in den letzten vier Jahren für Russland war. Seit Jahren schickt der Westen Kriegsmunition nach Kiew, jetzt ist es Russland, das Kriegsmunition nach Teheran schickt. Der Deal über den Verkauf des fortschrittlichen russischen S-400-Flug- und Raketenabwehrsystems an den Iran hat gerade Schockwellen rund um den Globus ausgelöst. Die Vereinigten Staaten sind dabei, dass ihnen mit gleicher Münze heimgezahlt wird.

Es ist im Westen populär anzunehmen oder sogar zu glauben, dass das iranische Volk gegen das religiöse ‘Regime’ ist, wie die westlichen Journalisten zu sagen gewohnt sind. Nehmen wir an, dass es wahr ist. Wenn ja, dann zwangen der brutale Angriff auf den Iran und die Ermordung von 170 Mädchen durch die amerikanische Tomahawk-Rakete Iraner aller politischen Überzeugungen, sich um dasselbe ‘Regime’ zu scharen. Eine historische Wiederholung, genau wie in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts in der Sowjetunion. Zu dieser Zeit gab es viele Sowjetbürger, die das stalinistische Regime hassten, bis… bis dasselbe Regime von den Armeen des Dritten Reiches brutal angegriffen wurde. Genau das gleiche Phänomen wurde in der Sowjetunion ausgelöst, das gerade im Iran ausgelöst wurde: Diejenigen Menschen, die den Kommunismus und das kommunistische Regime nicht mochten, scharten sich um die Kommunisten und ihren Führer.

Der aktuelle römisch-parthische Krieg geht weiter. Es ist nicht nur ein Krieg zwischen dem heutigen Rom und dem heutigen Partherreich; es ist vielmehr ein Krieg, dessen wirtschaftliche und politische Auswirkungen den ganzen Globus betreffen. Indien, China, Südkorea und Japan – sie alle sind sehr stark von den Öllieferungen aus dem Persischen Golf abhängig. Die genannten Länder mögen in den andauernden Feindseligkeiten neutral bleiben wollen, aber wenn es hart auf hart kommt, wenn ihre Volkswirtschaften durch unzureichende Versorgung erdrosselt werden, können sie ihre Politik überdenken und Druck auf die Teilnehmer ausüben. Als Römer und Parther gegeneinander kämpften, suchte jede Seite nach Verbündeten. Ähnliches gilt für den gegenwärtigen Konflikt. Das amerikanisch-israelische Bündnis steht vor der Verfestigung der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Zusammenarbeit zwischen Russland, Iran und China. Wie lange werden die anderen Länder von der Seitenlinie aus zuschauen?

Spiegelbild

Die Ähnlichkeit ist unübersehbar. Zuerst griff Russland die Ukraine an, weil es sich von ihr bedroht fühlte, jetzt haben die Vereinigten Staaten den Iran angegriffen, weil – nun ja – weil sie sich von ihm bedroht fühlten. Russland griff seinen Nachbarn an, während die Vereinigten Staaten ein Land angegriffen haben, das Tausende von Kilometern entfernt liegt. Egal, laut westlichen Politikexperten hätte Moskau sich nicht von der benachbarten Ukraine bedroht fühlen dürfen, während die Vereinigten Staaten sich von einer Nation bedroht fühlen sollten, die einen halben Globus entfernt liegt. 

Das Phänomen der Umkehrung ist ebenfalls auffällig. Während die Ukraine von der westlichen Welt unterstützt wird und einen Zustrom von Söldnern aus vielen Ländern, darunter auch aus Südamerika, verzeichnet, wird nicht der Iran von anderen Ländern unterstützt, sondern die Vereinigten Staaten: militärisch von Israel, politisch von der westlichen Welt. 

Aber das ist nicht alles, wenn es um Ähnlichkeiten geht. Russland griff die Ukraine aus Angst an, dass Kiew der NATO beitreten und eigene Atomwaffen besitzen könnte. Ebenso ist der offizielle Grund für einen Angriff auf den Iran die Möglichkeit, dass Teheran im Begriff ist, eigene Atomwaffen herzustellen. 

Und wieder ein Phänomen der Umkehrung. Genau wie im Fall der Ukraine behauptet die westliche Welt, sich gegen die russische Aggression zu verteidigen, so behaupten auch Israel und die Vereinigten Staaten, den Frieden in der Region gegen die Aggression des Iran zu verteidigen. 

In beiden Fällen spielen Öl und Gas eine wichtige Rolle. Russland und der Iran gehören zu den weltweit größten Lieferanten beider fossiler Brennstoffe. Die Feindseligkeiten in diesen beiden Teilen der Welt führen zu erhöhten Gas- und Ölpreisen, was wiederum zu Schwierigkeiten bei der Beschaffung der Brennstoffe führt.

Die militärische Sonderoperation in der Ukraine beschleunigte die Abwanderung von Menschen aus der Ukraine. Ja, sie hat die Abwanderung nicht ausgelöst, sondern lediglich beschleunigt, da die Ukrainer bereits vor Ausbruch der Feindseligkeiten seit mehr als zwei Jahrzehnten aus ihrem Land geflohen waren. Da der Iran nun effektiv industrielle und militärische Einrichtungen in Israel und den arabischen Ländern, die die Vereinigten Staaten unterstützen, ins Visier nimmt und da der Iran selbst von amerikanischen und israelischen Raketen getroffen wird, ist mit einer weiteren Flüchtlingswelle nach Europa zu rechnen. Wird sich das Jahr 2015 wiederholen? Wird Bundeskanzler Friedrich Merz in die Fußstapfen von Angela Merkel treten und ihren Spruch „Wir schaffen das“ wiederholen? 

Während der vier Jahre der Feindseligkeiten in der Ukraine hat der Westen verzweifelt nach Gräueltaten russischer Soldaten gesucht, um Russland als abscheulichen Aggressor darstellen zu können. Sie fanden keine, oder zumindest keine besonders spektakulären. Die westlichen Medien versuchten, den Vorfall von Butscha als abscheuliche Gräueltat der Russen darzustellen, aber der Fall war schwach, unbegründet und verpuffte daher schnell. Anders verhält es sich im Fall des Krieges im Iran. Fast zu Beginn des Krieges trafen amerikanische Raketen eine Schule und töteten etwa 170 Mädchen im Alter zwischen 7 und 12 Jahren. Nichts Vergleichbares hätte den Russen während der gesamten vier Jahre angelastet werden können. 

Moskau hatte gehofft, die militärische Sonderoperation innerhalb weniger Wochen durchzuführen und die Ukraine zur Unterzeichnung eines Abkommens zu zwingen: keine NATO-Mitgliedschaft. Nun scheint es, dass die Vereinigten Staaten und Israel mehr oder weniger dasselbe erhofft hatten: ein paar Tage Luftkampf, die Enthauptung der iranischen Führung, die daraus resultierenden Unruhen in Teheran und der  Zusammenbruch des Regimes – wie sie die iranische Regierung nennen –, wobei die neuen Machthaber nur allzu bereit wären, ein Abkommen mit den Vereinigten Staaten zu unterzeichnen, ein Abkommen, das den Iran zu einer amerikanischen Kolonie machen würde. Es sieht so aus, als stünde uns ein langwieriger Krieg bevor. 

Zum Thema: Operation zur Enthauptung. Da Washington – in Zusammenarbeit mit Tel Aviv – versucht hat, die iranische Führung zu enthaupten, und dabei weitgehend erfolgreich war, hat Teheran das moralische Recht, diese Maßnahme zu erwidern. Wer weiß, vielleicht verfolgt ein iranischer Killer bereits den amerikanischen Präsidenten, liegt auf der Lauer und ist kurz davor, den Abzug zu betätigen. Oder ein iranischer Killer könnte Benjamin Netanjahu verfolgen. Wenn die iranische Führung ein legitimes Ziel ist, warum sollten dann die amerikanische oder israelische Führung nicht auch ein legitimes Ziel sein?

Wenn die Iraner so etwas machen würden, gäbe es einen Aufschrei in der gesamten westlichen Welt: Wenn die Amerikaner den Staatschef eines anderen Landes enthaupten, gibt es keinen Aufschrei. Ebenso gibt es keinen Aufschrei über die Ermordung von 170 iranischen Mädchen, aber stellen Sie sich nur einmal vor, wie groß der Aufruhr wäre, wenn die Iraner 170 israelische Mädchen töten würden! 

Die beiden Kriege spiegeln sich ineinander wider, mit Ähnlichkeiten und Unterschieden. Das Urteil, das über die Akteure gefällt wird, hängt von der politischen Überzeugung ab. Gerechtigkeit wird nicht walten. Wir meinen damit nicht rechtliche, internationale Gerechtigkeit – wir meinen lediglich moralische Gerechtigkeit.