Das Phänomen von Javier Milei

“Es lebe die Freiheit, verdammt!”- diese Worte hat Javier Milei unmittelbar nach Bekanntgabe der Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen ausgesprochen. Er gewann mehr als 55% der Stimmen und besiegte Sergio Massé, den linken Wirtschaftsminister, der am selben Abend eine Niederlage eingestehen musste. Buenos Aires ging auf die Straße. Auf den Plätzen wurde getanzt, geschrien und gefeiert. Nicht ohne Grund. Zu diesem Zeitpunkt geriet die Inflation außer Kontrolle und lag über 200%.

Seit Jahrzehnten ist das Land in Marasmus und wiederkehrende Krisen versunken. In diesem Chaos bot Javier Milei Dinge an, die vorher niemand so laut zu sagen wagte. Das Problem sind nicht die neuen Krisen. Das Problem liegt im Staat. Milei diagnostizierte die Krankheit und suchte eine radikale Behandlung. Er winkte symbolisch mit der Kettensäge und deutete gnadenlose Schnitte an. Den Staat auf ein Minimum reduzieren. Kürzungen der Staatsausgaben. Liquidation der Zentralbank. Und den Peso durch den amerikanischen Dollar ersetzen, was wohl am kontroversesten wäre.

Javier Milei ist vielleicht ein Revolutionär, vor allem aber ein Wirtschaftswissenschaftler. Seit mehr als 15 Jahren unterrichtete er an Universitäten Mikroökonomie, Makroökonomie, Geldtheorie, Finanzen und sogar Mathematik. Er veröffentlichte mehr als 50 wissenschaftliche Artikel, schrieb mehrere Bücher und arbeitete als Ökonom bei der Londoner HSBC, einer der größten Banken der Welt. Im Laufe der Zeit wurde er von den Medien eingeladen. Zuerst als Experte. Dann als Phänomen. Im Fernsehen sprach er über die Wirtschaft ohne Gnade und ohne Umschweifen. Er erklärte, beschuldigte, hämmerte. Dafür haben ihn die Argentinier geliebt. Seine Anerkennung wuchs sehr schnell.

Für die peronistische Elite wurde er zu einer Bedrohung. Man nannte ihn “verrückt”, “Faschist” und sogar “der neue Hitler”. Als er seine Teilnahme an den Präsidentschaftswahlen ankündigte, wurde ihm ein Bestechungsgeld in Höhe von 300.000 Dollar angeboten, um die Politik zu verlassen. Er lehnte es ab.

Als Javier Milei sein Amt antrat, stand das Land bereits am Rande des Zusammenbruchs. In nur einem Monat, im Dezember, erreichte die Inflation fast 30%, und jedes zweite Kind lebte in Armut. Das Ausmaß der Krise war so absurd, dass die monatliche Miete für eine Wohnung aufgrund jahrelanger staatlicher Einmischung in die Wohnungspolitik billiger war als ein Paar Schuhe. Milei wusste sehr gut, dass er keine Zeit hatte, Zeit zu verlieren. Er hat nicht die sprichwörtlichen 100 Tage gewartet. Er hat keinen Monat gewartet. Er handelte sofort, und die ersten Ergebnisse seiner Entscheidungen waren bereits nach zehn Tagen der Präsidentschaft offensichtlich. Denn damals wurde ein ” Dekret über Notwendigkeit und Dringlichkeit” verkündet, d.h. ein mächtiges Reformpaket, das ganze 366 Änderungen umfasst, die in einem Dokument eingeschlossen sind. Erinnert das nicht an Trump? 

Diese Liste umfasste Entscheidungen von großer Bedeutung: die Abwertung des Pesos um 54%, die Reduzierung der Anzahl der Ministerien von 18 auf 8 und die Entlassung von mehr als 40.000 Beschäftigten im öffentlichen Sektor. Die Regierung hat Hunderte von Infrastrukturprojekten eingefroren und Subventionen für Strom, Transport und öffentliche Dienstleistungen abgeschafft. Obwohl nicht alle Ergebnisse dieser Veränderungen noch unmittelbar zu sehen sind, sind die wichtigsten Effekte spürbar geworden. Vor allem die Tatsache, dass das Land zum ersten Mal seit einem Jahrzehnt einen Haushaltsüberschuss erzielt hat und die Inflation von 211% auf 118% gesunken ist. Auch die Armutsquote ist gesunken. UNICEF berichtet, dass seit dem Amtsantritt des Präsidenten fast 2 Millionen Kinder aus der Armut herauskamen. Dies ist besonders wichtig, weil Milei trotz der Senkung der Gesundheits-, Bildungs- und Wissenschaftskosten wichtige soziale Programme beibehalten hat, obwohl sie ihre Regeln geändert hat.

Leider gibt es auch Änderungen, die beunruhigend sind und das eben wegen Trump, der sich neulich in die Zwischenwahlen in Argentinien einmischte, die über den weiteren Erfolg Mileis entscheiden konnten: Er befiehl dem Finanzminister Scott Bessent, mit dem Kauf des argentinischen Pesos zu beginnen, um seinen Wert auf den Märkten zu halten. Er schlug dann eine sogenannte Swap-Linie vor, also eine Vereinbarung, die Argentinien Währungsliquidität im Wert von rund 40 Milliarden Dollar garantiert. In der Praxis bedeutete dies, den Peso im kritischsten Moment zu stabilisieren. Interessanterweise hat diese Entscheidung sogar im Lager von Donald Trump Kritik ausgelöst. Denn aus rein wirtschaftlicher Sicht war es schwer zu rechtfertigen. Argentiniens Wirtschaft ist nicht eng mit der US-Wirtschaft verbunden. Darüber hinaus hat Javier Milei im Gegenzug die Exportzölle abgeschafft, was zu massiven Käufen argentinischer Sojabohnen durch China führte. Auf Kosten der US-Bauern, und dieser Schritt hat die Interessen der USA direkt beeinflusst.

Warum hat sich also für solchen Schritt Trump entschieden? Aus zwei Gründen. Das erste ist ein ideales Argument, das sich in den Medien sehr gut verkauft. Javier Milei erklärt sich offen für die wirtschaftliche Freiheit, die Einschränkung der Rolle des Staates und den freien Markt. All diese Werte liegen Donald Trump nahe. In Südamerika, das sich in den letzten Jahren fast vollständig nach links verlagert hat, wobei Brasilien, Chile oder Kolumbien von linken Parteien regiert werden, wird Mileis Argentinien zur politischen Ausnahme. Die letzte Bastion des rechten und freien Marktes in der Region. Aber es gibt auch einen zweiten Aspekt, viel weniger romantisch, aber viel realistischer. Mileis Unterstützung ist eine Investition in den zukünftigen Einfluss der Vereinigten Staaten in Südamerika und ermöglicht den Zugriff auf Ressourcen. Argentinien verfügt über ein riesiges Territorium, natürlichen Reichtum und Bergbaupotenzial. Es ist wie immer in der Politik Washingtons: Abhängig machen durch Schulden, die in Zukunft zurückgezahlt werden können, beispielsweise durch Erleichterungen für US-Unternehmen in Form von Bergbaukonzessionen, Forschungsgenehmigungen, Investitionen und Kapitalexpansion.

Trump drohte, dass er seine Unterstützung einstellt, wenn Milei bei der Zwischenwahl schwach ausfällt. Doch trotz radikaler Kürzungen der Staatsausgaben und Reformen, die Millionen von Argentiniern betreffen, erhielt die Partei von Milei – La Libertad Avanza – satte 41% der Stimmen. Es war nicht nur eine Zahl. Das war ein Signal: Die Gesellschaft glaubt trotz der Kosten immer noch an seine Vision. Noch vor der Abstimmung hatte Mileis Partei nur 7 Sitze im Senat. Nach der Wahl hat sich diese Zahl fast verdoppelt und ist auf 13 gestiegen. Aus legislativer Sicht bedeutete dies eines: die wirkliche Fähigkeit, Reformen fortzusetzen.

Argentinien ging neunmal pleite. Neunmal konnte der Staat seine Verbindlichkeiten nicht zurückzahlen. Jedes Mal begann die Geschichte auf die gleiche Weise. Gute Absichten, großzügige Politik, Staatsausgaben und Geld. Und es endete immer mit Inflation, Kapitalflucht und Armut. Der Sieg von Javier Milei kam nicht aus dem Nichts. Es war eine natürliche Reaktion auf den Krebs, der Argentinien seit Jahrzehnten quält. Dieser Krebs war Hyperinflation, politische Lügen, leere Geldautomaten, geschlossene Fabriken und eine Währung, die niemand wollte. Die Geschichte Argentiniens lehrt jedoch etwas sehr Wichtiges. Krisen werden nicht aus dem Nichts genommen. Sie sind das Ergebnis von Entscheidungen, die kurzfristig praktisch erscheinen, sich aber auf lange Sicht als verheerend erweisen. Die Inflation beginnt nicht mit einem Drucker in der Zentralbank. Das beginnt mit der politischen Zustimmung, über seine Verhältnisse zu leben.

Der Gute, der Böse und der Hässliche

Vorbei sind die Zeiten, in denen die Welt mit angehaltenem Atem die vielen Gespräche zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion über die Reduzierung und Kontrolle der Entwicklung von Atomwaffen verfolgte. Vorbei sind die Schlagzeilen, die den Beginn, die Fortsetzung und den Abschluss der SALT- oder START-Gespräche ankündigten. Die Welt hat sich verändert.

Jetzt sind es die Vereinigten Staaten – nach wie vor – Russland – ein Ersatz für die Sowjetunion – und… China! Als die SALT- oder START-Gespräche geführt wurden, schenkte niemand dem Reich der Mitte Beachtung. Jetzt ist China eine Macht, mit der man rechnen muss, nicht nur wirtschaftlich, sondern auch militärisch. China hat schätzungsweise etwa 350 strategische Raketenabschussrampen im Gegensatz zu etwa 480 amerikanischen. Das ist Amerika dicht  auf den Fersen. Welche Verhandlungen über nukleare Rüstungskontrolle und Rüstungsbegrenzung können nun zwischen den Vereinigten Staaten und der Russischen Föderation geführt werden, ohne das Reich der Mitte in die Gleichung einzubeziehen?

Das Problem ist, dass Moskau sagt, es habe nichts mit China zu tun: China ist nicht Russlands militärischer Verbündeter, obwohl Washington es als solches wahrnimmt. Im Gegensatz dazu betrachtet Russland Frankreich und Großbritannien als engste Verbündete Amerikas, und das zu Recht: Alle drei Länder gehören der NATO an. Daher ist die Forderung Russlands, sowohl Frankreich als auch Großbritannien in die Gespräche einzubeziehen, legitim.

Andererseits macht sich Washington berechtigte Sorgen um China: Unter den gegenwärtigen Umständen kann Peking sicherlich eher als Verbündeter Russlands denn als Verbündeter Amerikas angesehen werden. (Nur um daran zu denken: Chinas könnte von den Vereinigten Staaten geschaffen worden sein, an die wir später im Text erinnern werden.) Das Reich der Mitte will auch nicht in die trilateralen Gespräche mit der Russischen Föderation einbezogen werden: Warum sollte es? Es ist eine unabhängige Macht – eine Supermacht – und es kann alleine am Verhandlungstisch handeln. So sehr, dass Peking von Washington etwas zu gewinnen hat: Ok, mögen die Chinesen sagen, wir könnten unsere militärische Entwicklung reduzieren, wenn Sie die Sanktionen gegen China und die Länder aufheben, die mit dem Reich der Mitte Handel treiben wollen. Wie wär’s damit? Nukleare Macht ist immer ein gutes Druckmittel bei Verhandlungen nicht wahr?

Es gilt sogar für das winzige Nordkorea: Nicht, dass Nordkorea so mächtig ist, dass es für gemeinsame Gespräche in Betracht kommt. Nein. Aber das koreanische nukleare Potenzial ist selbst für eine Supermacht wie die Vereinigten Staaten eine ausreichende Abschreckung. Und das nukleare Potenzial hat noch etwas mehr zu bieten: Es ist die Entschlossenheit der koreanischen Führung, die Raketen tatsächlich einzusetzen, wenn es darauf ankommt. Es ist nicht Venezuela, dessen Präsident am helllichten Tag vorgeführt werden kann, ohne dass der Täter der Entführung Vergeltungsmaßnahmen fürchtet, aber wir schweifen ab.

Das Kräfteverhältnis hat sich seit dem Jahr, in dem die Sowjetunion zerfiel, verändert. Vielleicht bis zu zwei Jahrzehnte lang dominierten die Vereinigten Staaten den Globus und fühlten sich so selbstsicher, dass Washington begann, dem ganzen Globus sein Diktat aufzuwerfen. Dies hat sich jedoch geändert. Russland hat sich wieder behauptet, während China zu einer (fast) Supermacht aufgestiegen ist.

Was übrigens gut für die Menschheit ist. Eine Supermacht, die keinen Rivalen zu fürchten hätte, würde bald korrumpiert und degeneriert sein. Alle anderen Länder hätten sich eingeschüchtert gefühlt, ohne dass eine Alternative in Sicht gewesen wäre. Glücklicherweise entsteht eine Welt, in der es drei oder vielleicht vier (wenn wir Indien miteinbeziehen) große Akteure gibt, die es den kleineren Einheiten ermöglichen, eine politische Alternative zu haben, und die jede Supermacht in Schach hält.

Es muss eine neue Vereinbarung getroffen werden – keine Macht will die Aussicht auf eine nukleare Schießerei. Die Gespräche werden nicht einfach, weil es jetzt drei große Einheiten sind, nicht zwei.

Politisch langlebiges Gerücht besagt, dass Adolf Hitler die Schöpfung der westlichen Eliten war, die Deutschland wieder aufbauen und seine Macht gegen die bolschewistische Sowjetunion richten wollten. Deshalb reagierten London und Paris nicht, als Deutschland anfing, sich zu bewaffnen, als Deutschland Österreich anschloss und Tschechien annektierte; das erklärt, warum sie nicht reagierten, als Polen angegriffen wurde. Die westlichen Eliten wollten, dass Deutschland expandiert, stärker wird und in physischen Kontakt mit der Sowjetunion kommt. Jetzt hörte Adolf Hitler – vorausgesetzt, er war der Liebling der westlichen Eliten – auf, nach ihrem Drehbuch zu spielen und wandte sich gegen sie, als er Dänemark und Norwegen, die Niederlande und schließlich Frankreich angriff. Es war ein Schock: Er sollte die Sowjetunion angreifen!

Wiederholt sich die Geschichte nicht? Das Reich der Mitte wurde von den Vereinigten Staaten zu dem ausdrücklichen Zweck unterstützt, es gegen die Sowjetunion zu wenden. Washington hätte sich freudig die Hände gerieben, wenn Peking und Moskau einen wirklich heißen Krieg angefangen hätten! Jahrzehnte sind vergangen und – aufgrund ungeschickter amerikanischer Politikgestaltung – wurde Moskau in Pekings Umarmung gedrängt, während Peking in Moskaus gedrängt wurde. Jetzt sind sie – wenn auch nicht formell – wirtschaftliche und militärische Verbündete. Aber noch einmal, der Kreml könnte wiederholen: Wir haben nichts damit zu tun. Hätte Washington nicht so gehandelt, hätte es keinen Krieg in der Ukraine, keine Sanktionen gegen Russland und China und folglich keine russisch-chinesische Zusammenarbeit gegeben.

Die drei Revolverhelden haben eine harte Nuss zu knacken. Sicherlich will keiner eine nukleare  Auseinandersetzung, aber jeder will die Oberhand gewinnen. Sie beobachten sich aufmerksam und wissen nicht, in welche Richtung sie ihre Waffen richten sollen. Es erinnert an die kultische Friedhofsszene aus dem Filmklassiker The Good, the Bad and the Ugly von 1966. Erinnern Sie sich daran? Der gute Blondie (Clint Eastwood), der böse Angel Eyes (Lee Van Cleef) und der hässliche Tuco (Eli Wallach) stehen sich gegenüber – Gräber und Kreuze um sie herum, die Hände über den Halftern, die Augen blicken wild von einem Gesicht zu anderem und kalkulieren. Das sind die Vereinigten Staaten, das ist die Russische Föderation, und das ist die Volksrepublik China, die sich gegenüberstehen (wer der Gute, der Böse oder der Hässliche ist, ist eine Frage Ihrer politischen Überzeugung). In der Friedhofsszene geht nur einer als Sieger hervor. Wie wird sich die politische Realität zu Beginn des 21.Jahrhunderts entwickeln?

Davos 2026

Nachdem der berüchtigte Klaus Schwab, der Gründer des Weltwirtschaftsforums, nach Vorwürfen finanziellen und ethischen Fehlverhaltens rückgetreten war, wurde dem Forum eine neue Dynamik verliehen. Waren die Reden früher Ausdruck eines blinden Glaubens an Mainstream-Ideologie wie Globalisierung, der grüne Wandel, Klimawandel, nachhaltige Entwicklung, Menschen- und LGBT-rechte, fühlt man in ihnen heute einen frischen Wind. So etwa der US-Staatssekretär für Handel Howard Lutnick, der sagte:

“Die Trump-Regierung und ich sind hier, um die Dinge zu klären: Die Globalisierung hat den Westen und die Vereinigten Staaten von Amerika im Stich gelassen. Das ist eine gescheiterte Politik. Das Weltwirtschaftsforum ist dafür, das heißt, Export, Offshore, Farshore, die Suche nach der billigsten Arbeitskraft der Welt, und die Welt wird dadurch besser. Tatsache ist, dass eine solche Politik Amerika und die amerikanischen Arbeiter rückwärtig macht. Wir sind hier, um zu sagen, dass “America First” ein weiteres Modell ist, das wir andere Länder ermutigen zu berücksichtigen, und das darauf hindeutet, dass unsere Mitarbeiter an erster Stelle stehen. Wir können Richtlinien haben, die sich auf unsere Mitarbeiter auswirken. Souveränität sind Ihre Grenzen, Sie haben das Recht, Grenzen zu haben. Sie sollten nicht ins Ausland umziehen, um Medikamente oder Halbleiter herzustellen. Die gesamte Industriebasis sollte nicht ins Ausland exportiert werden. Sie sollten sich nicht auf ein anderes Land verlassen, was für Ihre Souveränität grundlegend ist. Und wenn Sie sich auf jemanden verlassen müssen, dann… nun, es ist besser, dass es Ihr bester Verbündeter ist. Es ist eine völlig andere Denkweise. Ganz anders als das WEF (Weltwirtschaftsforum)“ (Video)

Ojemine! Gutt, dass Klaus Schwab das nicht hört, sonst würde er Kollaps erleben.

Auch der kanadische Premierminister Carney machte in Davos darauf aufmerksam, dass „die bestehende Weltordnung zusammenbricht”. Er wies auch auf die Notlage der kleinen und mittelgroßen Länder hin, die jetzt mit dem Druck der größten zurechtkommen müssen. Der kanadische Premierminister sagte, diese Staaten sollten sich zusammenschließen, um “nicht von der Rivalität der Supermächte zerquetscht zu werden”. Es scheint, dass sich diese Worte am meisten auf die Länder der Europäischen Union beziehen, die in den letzten Monaten als Gruppe eine andere Politik als das verfolgt haben, was Donald Trump zu tun versucht.

Aufgrund der vielen umstrittenen Handlungen des US-Präsidenten kommen wir allmählich zu einer Situation, in der es ausreicht, Widerstand gegen ihn zu zeigen und bereits an Popularität zu gewinnen. Früher wuchs die Popularität von Justin Trudeau aufgrund eines solchen Konflikts (es war Trumps Schuld, nicht Trudeaus Verdienst), und jetzt erhielt Carney nach seiner Rede auch viel Lob, obwohl er als ehemaliger Bankier eher mit seiner Glaubwürdigkeit an Macron erinnert.

Unter anderen wichtigen Aussagen aus Davos sind auch folgende erwähnenswert:

[1] Larry Fink (CEO von Blackrock) erklärte, dass die Tokenisierung von Vermögenswerten die einzig vernünftige Entscheidung sei und dass die Finanzmärkte der nächsten Generation bereits auf tokenisierten Aktien oder Anleihen basieren sollten.

Dies beweist, dass die Eliten den Kampf gegen Bargeld nicht aufgegeben haben.

[2] Christine Lagarde (EZB-Chefin) machte auf die auf das Problem der Ungleichheiten im Vermögensbesitz aufmerksam. Und tatsächlich existiert dieses Problem, aber Frau Lagarde hat wahrscheinlich vergessen, wer dieses Problem im letzten Jahrzehnt durch einen mächtigen gelddruck und Eingriff in die Finanzmärkte angeheizt hat.

[3] Javier Milei (Präsident Argentiniens), erinnerte daran, dass der Westen immer noch eine gute Zukunft vor sich haben könnte, aber es ist notwendig, sich in Richtung Freiheit zu wenden. Adressaten dieser Worte waren wohl Großbritannien, Belarus und Deutschland, wo Meinungsfreiheit intensiv bekämpft wird. (Siehe dazu: Artikel in Gefira)

Merz gegen Merkel und Scholz?

Die Reden von Friedrich waren immer langweilig und bloß Ausdruck des politischen Mainstreams Deutschlands. Sie waren der Nährstoff für die Kritik der AfD. Ja, wären die Kanzler wie Scholz oder Merz prägnant, geistreich und nonkonformistisch, wäre die AfD nicht so aufgestiegen. Und siehe da: Der Kanzler, der wohl Olaf Scholz an der totalen Unpopularität im eigenen Volk längst übertroffen hat, redet endlich Klartext:

“Ich möchte, dass wir irgendwann mal wieder akzeptable Marktpreise in der Energieerzeugung haben und nicht dauerhaft aus dem Bundeshaushalt die Energiepreise herunter subventionieren müssen. [Applaus] Das können wir auf Dauer nicht. Und das geht – ich, ich will das hier sagen, es ist fast schon trivial, aber ich will es noch mal sagen: Es war eben ein schwerer strategischer Fehler, aus der Kernenergie auszusteigen. Wenn man es schon macht, hätte man wenigstens vor drei Jahren die letzten verbleibenden Kernkraftwerke in Deutschland am Netz lassen müssen, damit man wenigstens die Stromerzeugungskapazitäten hat, [Applaus] die wir bis zu dem damaligen Zeitpunkt hatten. So machen wir jetzt die teuerste Energiewende auf der ganzen Welt. Ich kenne kein zweites Land, das es sich so schwer macht und so teuer macht wie Deutschland. Wir haben da etwas übernommen, was wir jetzt korrigieren müssen, aber wir haben eben zu wenig Energieerzeugungskapazitäten. So, das wollen wir jetzt schnell besser machen. Die Kraftwerke sollen gebaut werden. Die Genehmigung, wie gesagt, haben wir jetzt, äh, kurz bevorstehen. Da sind alle notwendigen Dokumente ausgetauscht und dann können wir loslegen, dann kann ausgeschrieben werden und dann soll gebaut werden. Übrigens, es kann auch auf den alten Standorten gebaut werden. Es können die alten Netze mit genutzt werden. Das war ja auch in der Vorgängerregierung anders. Sie wollten alles neu machen.”(Video)

Eben: Alles neu machen – das ist die Kernidee aller Revolutionären, egal ob rot, braun oder grün sie sind. Wo war aber dieser kämpferische Merz, als seine Parteifreundin Angela Merkel 2011 im Fukushima-Fieber Atomkraftwerke ausschalten ließ? Männer mit Rückgrat fehlen ja sowohl in der Union als auch in der SPD, denn eben unter der Regierung von Merz wurden die beiden 160 Meter hohen Kühltürme des Kernkraftwerks Gundremmingen vor den Augen tausender Zuschauer gesprengt.

Ob also Änderung der Politik echt ist, oder nur leere Worte? Die Frage ist nicht egal, insbesondere den Nachbarländern Deutschlands. Frankreich etwa speist nach Deutschland seinen Strom aus Atomkraftwerken, damit das Land keine Blackouts erlebt und ist somit eher ein Lobbyist der Grünen. Polen ist hingegen  ein Unterauftragnehmer der deutschen Auto- und Maschinenindustrie und wenn Deutschland in den letzten Jahren einen wirtschaftlichen Selbstmord durch die grüne Politik begeht, wird das eine negative Auswirkung auf die Wirtschaft des Landes haben.

Millionen Drückeberger

Am 30. Januar. 2026 führte der tschechische Rundfunk Plus (Český rozhlas Plus) ein dreißigminütiges Interview mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. Der Journalist stellte immer wieder Fragen auf Englisch, Präsident Wolodymyr Selenskyj antwortete immer wieder auf Ukrainisch.

Die meiste Zeit war das Gespräch vorhersehbar und langweilig. Präsident Selenskyj gibt solche Interviews zu Hunderten, und es gibt wirklich nichts Neues, was er sagen könnte. Der Krieg geht so weiter, wie er jetzt seit vier Jahren andauert. Die Bitten und Forderungen des Präsidenten, die er in dieser Zeit immer wieder gestellt hat – zunächst mit Verständnis aufgenommen –, stoßen langsam auf taube Ohren: Europa ist nicht mehr in der Lage, die Ukraine zu unterstützen, während die Vereinigten Staaten den politischen Kurs umgekehrt haben. Wenn die Europäische Union Kiew nicht mehr Hilfe schicken kann, was könnte Tschechien tun?

Gegen Ende des Vortrags tauchte eine interessante Information auf. Der Journalist zitierte den derzeitigen Verteidigungsminister der Ukraine mit den Worten, dass es bis zu zwei Millionen ukrainische Männer gibt, die den Wehrdienst vermeiden, Männer, die größtenteils außerhalb der Ukraine sind. Präsident Wolodymyr Selenskyj wurde gefragt, was er diesen Männern sagen möchte und ob er nicht möchte, dass europäische Regierungen – unter anderem die tschechische Regierung – diese Männer in die Ukraine zurückschieben. Was überraschen mag, Wolodymyr Selenskyj verurteilte weder Kriegsdienstverweigerer noch forderte er Maßnahmen, um sie zum Eintritt in die ukrainische Armee zu bewegen. Der ukrainische Präsident versuchte, die verschiedenen Beweggründe für die Entscheidung zu verstehen, die diese Männer dazu veranlassten, ihre Heimat zu verlassen. Er wurde auch philosophisch, als er anfing, die kriegserfahrenen Soldaten an der Front zu beschreiben und zu sagen, dass sie nicht allzu glücklich wären, Männer unter sich zu haben, die nicht bereit sind zu kämpfen. Kämpfende Männer verlassen sich notwendigerweise in hohem Maße auf ihre Waffenbrüder, weil sie für ihr Leben von ihnen abhängig sind. Ein Drückeberger, der zum Militärdienst gezwungen wird, könnte mehr Schaden anrichten als nützen.

Wolodymyr Selenskyjs nachsichtige Haltung zur Umgehung des Wehrdienstes wirft Fragen auf. Ist der Präsident weich gegenüber den Drückebergern geworden, weil er sich politisch unsicher fühlt? Ist er weich geworden, weil er befürchtet, am Ende des Krieges inhaftiert zu werden und beschuldigt zu werden, Hunderttausende an die Front geschickt zu haben, um getötet und verstümmelt zu werden, wohl wissend, dass der Krieg nicht gewonnen werden kann? Hat Wolodymyr Selenskyj die Sinnlosigkeit der Feindseligkeiten verstanden? Erwartet er das nahe Ende des Krieges? Oder hat er vielleicht erkannt, dass die Ukraine nach dem Krieg Männer – viele Männer – für den Wiederaufbau brauchen wird? Hat er verstanden, dass selbst wenn die Ukraine den Krieg gewinnen würde, der enorme Mangel an Männern es dem Land unmöglich machen würde, seine Wirtschaft wieder aufzubauen? 

Eine der letzten Fragen war, ob Wolodymyr Selenskyj daran dachte, für die zweite Amtszeit gewählt zu werden. Die Antwort war, dass er noch nicht wisse, ob er wieder für das Präsidentenamt kandidieren werde, aber – ja – er habe immer wieder darüber nachgedacht. Nun mag dem westlichen Zuhörer diese Aussage des ukrainischen Präsidenten gleichgültig bleiben, aber die Ukrainer – zumindest einige von ihnen – erinnern sich daran, dass Wolodymyr Selenskyj versprochen hat, nur für eine Amtszeit als Präsident zu fungieren. Was hat sich geändert? Wurde Wolodymyr Selenskyj der Geschmack der Macht süß? Gibt es noch die Mächte, die ihn noch unterstützen? Wünschen sich die Machthaber immer noch, dass er den höchsten Posten in der Ukraine innehat?

Zwei Millionen Wehrpflichtmeidenden und ihre Familien werden Wolodymyr Selenskyj wahrscheinlich nicht wieder ins Amt wählen. Sie erinnern sich noch an eines: Wolodymyr Selenskyj versprach, die Feindseligkeiten im Donbass einzustellen. Sie erinnern sich, dass er sogar die Theatralik in der Öffentlichkeit aufführte, indem er niederkniete, um zu zeigen, wie dringend und demütig er in seinen Gesprächen mit Moskau sein würde, nur um den Konflikt zu deeskalieren und Frieden zu bringen. Die Leute erinnern sich daran. Statt Frieden bekamen sie Krieg und wurden am helllichten Tag von der Straße verschleppt und mit Bussen an die Front entführt. Zwei Millionen Drückeberger sind die Spitze des Eisbergs. Es gibt sicherlich noch mehr andere, die diesem Beispiel gefolgt wären, aber aus dem einen oder anderen Grund nicht konnten. Die Ukrainer haben für Selenskyj gestimmt, gerade weil er versprochen hat, die Feindseligkeiten zu beenden. Weiß er es nicht? Hegt er Hoffnungen, immer noch von den Leuten gemocht zu werden? Glaubt er, dass er gewählt werden könnte?

Es wird oft gesagt, dass die Leute mit den Füßen abstimmen. Ja, zwei Millionen (offiziell) Wehrpflichtverweigerer haben bereits gegen Kiews kriegerische Politik gestimmt. Fügen Sie dazu die Frauen und Männer hinzu, die nicht eingezogen werden können, fügen Sie den stillen Widerstand innerhalb des Landes hinzu und Sie werden das Bild bekommen. Einige Kommentatoren sagen, dass Wolodymyr Selenskyj von der Realität getrennt ist. Seine Aussage, dass er daran denkt, wiedergewählt zu werden – also von der Mehrheit der Ukrainer gemocht zu werden – bestätigt, dass es so ist.

 

Situation auf den Märkten Ende Januar 2026

I. Die glorreichen Sieben verlieren ihren Zusammenhalt

Analytiker beginnen die Magnificient 7 in kleinere Untergruppen aufzuteilen. Sie sprechen von den “Fab 4” oder “Mag5” – das heißt über 4 oder 5 Unternehmen aus der Gruppe, die weiterhin den Markt nach oben ziehen, während der Rest zur Last wurde. Nur Alphabet und Nvidia übertraf S&P 500 im Jahr 2025. Die Kluft zwischen den Aktienpreisen Mag7 in der zweiten Hälfte des Jahres 2025 war  riesig. 

Der Wettbewerb  auf dem Gebiet der KI ist zu einem Keil geworden, der die Gruppe trennt. Amazon, Alphabet, Microsoft und Meta geben Hunderte von Milliarden für KI-Infrastruktur und Rechenzentren aus. Nvidia dominiert den Markt für die Chips, die benötigt werden, um diese Modelle mit Strom zu versorgen. Apple und Tesla hinken hinterher. Apple wurde wegen geringerer Kosten und langsamerer KI-Entwicklung kritisiert, während Tesla unter einem verlangsamten Verkauf von Elektroautos litt. Trotzdem haben die “glorreichen Sieben ” immer noch einen enormen Einfluss auf den Markt und machen insgesamt etwa 36% der Kapitalisierung des S & P 500 aus. 

Quelle: MSN

II. Rückzug aus den defensiven Sektoren

Die defensiven Sektoren der US-Wirtschaft sind zurzeit am meisten unterbewertet gegenüber den High-Tech-Unternehmen in der Geschichte. Zu den defensiven Sektoren gehören Unternehmen, deren Dienstleistungen unabhängig vom Zustand der Wirtschaft oder der Stimmung der Verbraucher gefragt sind: Gesundheitsbranche (healthcare), Basiskonsumgüter (consumer staples), Versorgungunternehmen (utilities), einschließlich Stromversorger, Wasser- und Gasunternehmen und die Telekommunikationsindustrie. Ähnlich geringe Bewertung von defensiven Unternehmen haben wir vor dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 beobachtet. Die Anleger waren so von der Manie des Internets besessen, dass sie die großen Sektoren vergaßen. Heute ist auch so, mit dem Unterschied, dass die oben genannten Glorreichen davon profitieren.

III. Können Edelmetalle weiter glänzen?

Im Jahr 2025 stieg der Gold-Preis in Dollar um 64%. In den letzten 5 Jahren betrug dieses Wachstum 152 %, und der Gold-Preis befindet sich derzeit auf seinem ATH (dem höchsten Preis aller Zeiten). Hat Gold eine Chance auf weiteres Wachstum? Nehmen wir das Verhältnis von US-Aktien zu Gold. Jedes Mal, wenn Gold den Höhepunkt von 1929 bei 1,54 Golderreichte, war dies eine solide Grundlage für das Wachstum des Goldmarktes. 

Als Faktoren, die für einen weiteren Anstieg der GOLD-Preise sprechen, können wir die geopolitischen Spannungen, die Zinssenkung durch die Zentralbanken, das Misstrauen gegenüber dem Anleihemarkt oder die Schwäche des US-Dollars angeben. Ein weiterer solcher Faktor ist die hohe Nachfrage der Zentralbanken. Im Jahr 2025, nach fast 30 Jahren Pause, besitzen die Zentralbanken mehr Gold als US-Anleihen. Wir müssen uns jedoch an die Gefahren erinnern. Dazu gehören eine mögliche Erholung des Dollars, die Rückkehr der Anleger (zumindest vorübergehend) zum Anleihemarkt oder die jungen Investoren, die Bitcoin anstelle von Gold wählen. Beachten Sie auch, dass Gold seit dem Jahr 2000 durchschnittlich um 11% pro Jahr gewachsen ist.

Auch für Silber war das Jahr 2025 phänomenal. Das Metall ist im Dollar um 146% gestiegen. Dieses Wachstum hatte eine solide Grundlage, da es auf die Nachfrage nach Silber in der Wirtschaft und die begrenzte Verfügbarkeit des Metalls zurückzuführen war. Wichtig war auch die Tatsache, dass die USA das Metall als strategisch eingestuft haben und China (der Weltmarktführer bei der Verarbeitung von Silber) seine Exporte einschränkte. Ist Silber jetzt teuer? Bei einem Preis von über $90 pro Unze ist Silber auf ATH. Im Vergleich zu M2 (einem Maß für Umlaufgeld, das die Mittel auf Girokonten und Sparkonten berücksichtigt) liegt dieser Wert jedoch deutlich unter dem historischen Höchststand. Wenn der Silberpreis ein Niveau wie 2011 erreicht hätte, angesichts des M2-Wachstums, würde der Preis bei 97 Dollar liegen. Wenn es aber genauso wäre wie in den 1980-er Jahren, würde eine Unze Silber ungefähr $531 kosten!

Silber hat also eine Chance auf weiteres Wachstum. Dies kann zu einer größeren Nachfrage in der Industrie, der bereits erwähnten Exportkontrolle aus China oder der Tatsache beitragen, dass der Silbermarkt relativ klein ist und die Nachfrage nach Silber groß ist. Seit dem Jahr 2000 ist Silber durchschnittlich um 10,4% gewachsen. Das Wachstum von 146% im Jahr 2025 ist eine signifikante Abweichung von der Norm. Es ist auch erwähnenswert, dass das Verhältnis von Gold zu Silber, d.h. das Verhältnis, wie viele Unzen Silber wir für eine Unze Gold kaufen können, derzeit auf einem niedrigen Niveau von 50 liegt. Dies deutet darauf hin, dass Silber im Vergleich zu Gold in den letzten 30 Jahren sich deutlich verteuert hat. Negativ auf den Preis des Metalls können sowohl Spekulanten als auch Industrielobbies und Politiker Einfluss nehmen, denen der Silberpreisverfall in die Hände spielen würde.

IV. Refinanzierung von US-Schulden

Der hohe Preis von Edelmetallen ist insbesondere auf die Kapitalmigration aus Anleihen zurückzuführen. Im Jahr 2026 müssen die Schulden der USA zurückgezahlt werden. Dieses Problem wird durch die Refinanzierung gelöst, d.h. die Ausgabe neuer Anleihen (die Aufnahme neuer Schulden), um die Anleihen zurückzuzahlen, deren Fälligkeit sich nähert. Die letzten beiden Male, als wir eine ähnliche Situation beobachtet haben – während der GFC, der globalen Finanzkrise und der „Covid-Rezession ” – lagen die Zinssätze bei 0%. Derzeit liegen die Zinsen bei 3,75%. Je höher die Zinsen sind, desto höher sind die Kreditkosten und die Belastung für den Staat, die ohnehin enorm ist. Im laufenden Geschäftsjahr 2026 (seit Oktober 2025) gab die Regierung in nur zwei Monaten 179 Milliarden US-Dollar aus, um Schulden zu bedienen. Dies ist der zweite Platz aller Ausgaben nach den Sozialausgaben.

V. Die Globalisierung des Renminbis

Der Dollaranteil an den globalen Reserven (schwarze Linie) fällt zugunsten Gold. Das geringere Vertrauen in das Finanzsystem der USA wird von ihrem größten Konkurrenten China nicht unbemerkt bleiben. Peking erweitert sein Netzwerk von Finanzzahlungen und entwickelt eine Alternative zum US-geführten Swift-System. Das Reich der Mitte leiht immer mehr Geld den Entwicklungsländern und ermutigt internationale Unternehmen, Anleihen auszugeben, die in chinesischer Währung nominiert sind. Etwa die Hälfte der grenzüberschreitenden Transaktionen in China ist derzeit in eigener Währung nominiert, verglichen mit dem nahezu Null-Yuan-Anteil bei solchen Transaktionen vor 15 Jahren. Wie ein ehemaliges Mitglied der chinesischen Zentralbank sagte, möchte die Regierung, dass der Yuan “als eine starke Währung angesehen wird, die globaler verwendet wird”. Der Anteil des Yuan an den weltweiten Devisengeschäften beträgt derzeit 8,5%. Das ist ein wenig im Vergleich zum Dollar, dessen Anteil in dieser Kategorie 89% erreicht. Die Botschaft ist jedoch klar: China wird darum kämpfen, die Rolle seiner Währung im internationalen Handel zu stärken. Dies ist ein weiterer Bereich, in dem Peking die Vereinigten Staaten herausfordert.

Die wachsende soziale Schichtung in Amerika

Die 10% der reichsten Amerikaner machen derzeit einen Rekord im Anteil an allen Konsumausgaben (49%) aus. Dieser Prozentsatz ist in den letzten 30 Jahren um 13 Prozentpunkte gestiegen. Gleichzeitig machen 80% der Menschen mit dem niedrigsten Gehalt nur etwa 37% der gesamten Konsumausgaben aus. Das ist ein Rückgang um 11 Prozentpunkte seit 1995. Das ist ein Rückgang um 11 Prozentpunkte seit 1995.

Es ist total wichtig, denn die Konsumausgaben machen 68% des US-BIP aus. Das bedeutet, dass die 10% der Reichsten einen Rekord von 33% des BIP ausmachen. Inzwischen machen 80% der armen Amerikaner nur 25% der US-Wirtschaft aus. Diese Zahlen zeigen, dass die US-Wirtschaft von den Ausgaben der Reichsten abhängig geworden ist. Wenn 10% der Bevölkerung 1/3 des BIP generiert, ist es nicht mehr nur eine Frage der Ungleichheit — es ist eine Frage der Unausgewogenheit des Systems. 

Diese sehr pessimistische Stimmung unter den Verbrauchern in den USA ist das Ergebnis eines sinkenden Sicherheitsgefühls. Wenn der Verbraucher sich seiner Zukunft nicht sicher ist, wird er ja weniger ausgeben. Die Verbraucherstimmung befindet sich zurzeit auf dem Niveau der Pandemie im Jahr 2020, der Zeit eines wirtschaftlichen Abschwungs, denn die Amerikaner fürchten die Folgen der von der Trump-Regierung verhängten Zölle. Um diese Ansicht umzukehren, kündigte Trump die Einführung von “Dividenden” von Zolleinnahmen an. Diese Dividende würde für jeden Steuerzahler mindestens 2.000 US-Dollar betragen, mit Ausnahme von Personen mit hohem Einkommen. Abgesehen von den Erklärungen gibt es jedoch noch keine offiziellen Vorschriften oder ein offizielles Programm, das diese Initiative umsetzt. Eine derart niedrige Stimmung in der amerikanischen Mittel- und Unterschicht liegt auch daran, dass fast jeder vierte Amerikaner keine Ersparnisse hat.

Übrigens: Bei den teurer werdenden Rohstoffen, besonders Metallen, sind die von Trump angekündigten sozialen Transfers ein zusätzliches Wasser auf die Mühle der Inflation. Und Trump macht alles, um sie anzukurbeln, den Dollar abzuwerten und die Fed mit seinem Mann ab Mai (da endet die Amtszeit von Jerome Powell) zu besetzen, der sicherlich auf Befehl des Präsidenten die Zinssätze senken wird, um den ganzen Prozess noch zu beschleunigen.